Valiant Bank steigert Marktanteil dank Expansionsstrategie

Die Regionalbank Valiant konnte den Gewinn letztes Jahr steigern. Dieses Jahr plant sie die Eröffnung weiterer Filialen. Zudem hat sie sich die Mehrheit am Zuger Immobilienmakler Agent Selly gesichert.

Christopher Gilb
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Verwaltungsratspräsident Jürg Bucher bei der Präsentation des Jahresergebnisses der Valiant.

Verwaltungsratspräsident Jürg Bucher bei der Präsentation des Jahresergebnisses der Valiant.

Stefan Kaiser (Zürich, 13. Februar 2020)

Nachdem die Valiant Bank in den letzten Jahren stark in der Zentral- und Ostschweiz investiert hat – aus der Zentralschweiz beispielsweise kommen mit 17 Prozent schon die zweitmeisten Hypotheken –, sollen nun hauptsächlich Filialen im Kanton Zürich eröffnet werden. Insgesamt sieht die Bank bis 2024 14 neue Geschäftsstellen und die Schaffung von 170 neuen Vollzeitstellen vor. Auf die Frage an der Bilanzkonferenz am Donnerstag, ob in Zürich der Kuchen nicht schon verteilt sei, entgegnete Verwaltungsratspräsident Jürg Bucher, dass auch nur kleine Anteile in so einem grossen Wirtschaftsraum reizvolle Zusatzerträge bringen würden. Zudem konzentriere sich die Bank auf die Agglomeration. Bucher wird auf die nächste Generalversammlung abtreten, sein Nachfolger soll der ehemalige CEO Markus Gygax werden.

Valiant übernimmt Agent Selly

Im Rahmen ihrer Strategie, digitale Dienstleistungen auszubauen, gab die Valiant gestern bekannt, die Aktienmehrheit - also über 50 Prozent – am Start-up Agent Selly zu übernehmen. Die Bank und der digitale Immobilienmakler nutzen bereits seit Anfang 2018 gemeinsame Synergien, bis anhin war die Valiant mit 38 Prozent an Agent Selly beteiligt. Zwei der drei Gründer, so der Präsident des Valiant-Verwaltungsrates Jürg Bucher, würden auch weiterhin an Bord bleiben. Das Angebot von Agent Sally richtet sich an Immobilienbesitzer, die ihr Haus oder ihre Eigentumswohnung verkaufen wollen, und die mit Objektbewertung, Verkaufsunterlagen, Käufersuche, Preisverhandlungen, Besichtigungen, Transaktion und Notar lieber nichts oder nur wenig zu tun haben möchten. Das Spezielle an der Dienstleistung ist, dass bei allen Verkaufsschritten konsequent auf online gesetzt wird. Zudem geht die Maklergebühr, die je nachdem wie viele Verkaufsschritte übertragen werden prozentual höher oder tiefer ist, zu Lasten des Käufers. Claudio Landmesser, der CEO von Agent Selly, schreibt in einer Mitteilung zur Übernahme durch Valiant gestern: «Das gesamte Team freut sich auf die Intensivierung der Partnerschaft und die Ausweitung unseres digitalen und innovativen Geschäftsmodells.» Das Büro des Immobilienmaklers befindet sich im Rotkreuzer Gewerbegebiet West. 

In eine ähnliche Richtung ging die Frage, wieso Valiant Filialen eröffne, während andere Banken solche eher schliessen würden. Die Formel sei, so CEO Ewald Burgener, dass bei der Eröffnung die Erträge stärker steigen müssten als die Aufwände. «Die neuen Marktanteile haben zudem einen wesentlichen Anteil am Wachstum.» Ohne die aktuelle Expansionsstrategie hätte man die Kundenausleihungen nie so stark steigern können. «2019 wuchsen sie um 3,3 Prozent.» Er verwies aber auch drauf, dass andere Banken schon ein grosses Filialnetz hätten.

Erfolgreiches 
Multibanking

Insgesamt zeigte sich Burgener mit dem «vergangenen Jahr und natürlich mit dem soliden Jahresergebnis» sehr zufrieden.

Fürs 2020 erwartet er ein Ergebnis im gleichen Rahmen mit einem Wachstum von 3 bis 4 Prozent. An der GV soll eine Dividendenerhöhung um 50 Rappen auf 5 Franken pro Aktie beantragt werden. «Mit einer Rendite von 5 Prozent wird die Valiant-Aktie immer mehr zu einer Dividendenperle im Swiss Performance Index», bemerkte Jürg Bucher. Nicht nur Filialen eröffnen will die Valiant, sondern auch das Angebot ausbauen. So soll die KMU-Beratung beispielsweise in Rapperswil und St. Gallen durch zusätzliches Personal gestärkt werden. Für KMU hat die Valiant auch Ende 2019 ein Multibanking-Angebot mit der Möglichkeit, auch Geld transferieren zu können, eingeführt (wir berichteten). Das Echo sei gewaltig, so Jürg Bucher. Und die Mitarbeiter ob dem grossen Ansturm fast schon überfordert. Zufrieden zeigte er sich auch mit der laufenden Umgestaltung der Filialen hin zu beratungsorientierten Kundenzonen. Bei der Hälfte der Filialen sei diese bereits abgeschlossen.

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