Banken
Valiant hält trotz Coronapandemie an ihrem Expansionskurs fest

Die Bank hat ihren Wachstumskurs auch 2020 erfolgreich fortgeführt. Für 2021 sind nun weitere Filialeröffnungen geplant, zudem kündigt Valiant eine eigene Twint-App an.

Christopher Gilb
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Valiant-Filiale an der Pilatusstrasse in Luzern.

Valiant-Filiale an der Pilatusstrasse in Luzern.

Nadia Schaerli (10. Februar 2021)

Während andere Banken ihr Filialnetz ausdünnen, setzt die auch im Kanton Luzern stark präsente Regionalbank Valiant weiterhin auf die Eröffnung neuer Filialen, und dies trotz der Coronapandemie. Nachdem man 2020 die Expansion vorübergehend verlangsamt habe, werde sie nun wieder beschleunigt, teilte CEO Ewald Burgener an der Bilanzkonferenz am Donnerstag mit. Im Mai und Juni kommen Filialen in Oerlikon und Liestal hinzu, weitere sollen dann Ende 2021 oder 2022 in Bülach, Frauenfeld, Wohlen und Wädenswil folgen. Im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie plant Valiant bis 2024 insgesamt 14 zusätzliche Geschäftsstellen und schafft 170 Vollzeitstellen, davon 140 in der Kundenberatung.

Bankenprofessor Andreas Dietrich.

Bankenprofessor Andreas Dietrich.

Bild: Corinne Glanzmann

Für Andreas Dietrich, Bankenprofessor und Mitautor der jährlichen IFZ Retail Banking-Studie, ist Valiants Strategie, Filialen zu eröffnen, während andere ihr Netz ausdünnen, nur auf den ersten Blick ein Widerspruch:

«Denn die Valiant geht in komplett neue Regionen, wo sie bisher noch nicht präsent ist.»

Und gerade im weiterhin wachsenden Hypothekenmarkt sei es für eine Bank wichtig, physisch vor Ort zu sein. «Denn auch wenn die Kunden digitaler werden, bei einer Hypothek wird von den Kunden – wie unsere Erhebungen zeigen – weiterhin grösstenteils nur die Bank berücksichtigt, deren Filiale in annehmbarer Zeit erreichbar ist.»

Kundenausleihungen gesteigert

Zudem, so Dietrich weiter, handle es sich bei den neuen Filialen nicht um grosseFilialen,sondern «eher um kleine, stark digital ausgerichtete Geschäftsstellen. Es sind ein, zwei Leute vor Ort und bei Bedarf werden dann Berater zugeschaltet.» Wie Valiant-CEO Burgener am Donnerstag betonte, haben die neuen Geschäftsstellen seit 2017 gut eine Milliarde Franken an Ausleihungen bei der Valiant generiert, «was 43 Prozent aller neuen Ausleihungen entspricht». Gesamt konnte Valiant bei den Kundenausleihungen im Jahr 2020 ein Wachstum von 4,3 Prozent generieren und erreichte Ende des Jahres ein Volumen von 25,9 Milliarden Franken. 1,2 Prozent zu diesem Wachstum beigetragen haben Covid-19-Kredite.

Valiant-CEO Ewald Burgener.

Valiant-CEO Ewald Burgener.

Bild: Stefan Kaiser

Insgesamt vergab die Bank 3860 Kredite mit einem Gesamtvolumen von 380 Millionen Franken. Burgener betonte aber, dass die Wachstumsziele auch ohne diese erreicht worden wären. Burgerner sagte zur Performance der Valiant im vergangene Jahr:

«Wir haben operativ sehr gut gearbeitet.»

Valiant konnte den Konzerngewinn um 0,7 Prozent auf 121,9 Millionen Franken steigern. Der Geschäftsertrag von 413,1 Millionen Franken liegt 1,9 Prozent über jenem der Vorjahresperiode. Entscheidend für die Geschäftsentwicklung sei der Zinserfolg, den die Valiant deutlich steigern konnte: Den Bruttoerfolg aus dem Zinsengeschäft erhöhte Valiant um 5 Prozent auf 330,4 Millionen Franken. Zur Senkung des Aufwandes trug hauptsächlich die Emission von sogenannten Covered Bonds bei, also eigener hypothekenbesicherter Wertpapiere. Erst am 13. Januar hat die Bank weitere solche Bonds im Umfang von 270 Millionen Franken herausgegeben.

Im Wertschriften- und Anlagegeschäft konnte Valiant den Kommissionsertrag um 5,9 Prozent steigern. Beim Erfolg aus dem Handelsgeschäft legte die Bank um 11,8 Prozent zu. Der übrige ordentliche Erfolg ging jedoch um 0,6 Prozent zurück. Dieser Rückgang sei vor allem auf tiefere Erträge aus Beteiligungen zurückzuführen, wie es in einer Mitteilung des Finanzinstituts heisst.

Durch die Verbindung von persönlichen und digitalen Kanälen hätten auch während der Coronapandemie die Dienstleistungen der Bank uneingeschränkt angeboten werden können, hielt CEO Burgener zudem fest. Valiant hat im letzten Jahr 17 Geschäftsstellen modernisiert. Insgesamt werden nun in 60 der 97 Geschäftsstellen Kundinnen und Kunden per Video begrüsst und je nach Bedürfnis beraten. Kleinere Anliegen können sie in einem separaten Raum selbstständig erledigen, aber auch Beraterinnen und Berater sind weiterhin vor Ort. Für 2021 sind nun auch eine Auffrischung der Website und eine ­Erneuerung der App geplant. Ausserdem will Valiant eine eigene Twint-App herausgeben und die heutige Prepaidlösung ersetzen.

Bank setzt auf nachhaltige Anlagen

Im Bereich der Finanzangebote plant Valiant, im laufenden Jahr noch stärker auf den wachsenden Sektor der nachhaltigen Anlagen setzen. Neben der Lancierung neuer Produkte soll der Ausbildung von Kundenberaterinnen und Kundenberatern in diesem Bereich hohes Gewicht beigemessen werden. Insgesamt geht die Bank auch für 2021 von einer stabilen Geschäftsentwicklung aus.

Für die kommende Generalversammlung wird eine unveränderte Dividende von 5 Franken pro Aktie beantragt, zudem kommt es zu einem Wechsel im Verwaltungsrat. Auf Franziska von Weissenfluh, die auf eine Wiederwahl verzichtet, folgt der Zweifel-Pomy-Chips-Manager Roger Harlacher.