Valora eröffnet in Zürcher Bahnhof erste Geschäfte ohne Ladenkasse

Der Detailhändler und Kioskbetreiber Valora testet erstmals neue Ladenkonzepte ohne Kasse. In den beiden Läden «Avec box» sowie «Avec X», die am Samstag im Zürcher Hauptbahnhof ihre Türen öffnen, ist der Einkauf nur mit einer Handy-App möglich.

Benjamin Weinmann
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Der Detailhändler und Kioskbetreiber Valora testet im Zürcher Hauptbahnhof erstmals neue Läden ohne Kasse. (Bild: Keystone/Thomas Johannson)

Der Detailhändler und Kioskbetreiber Valora testet im Zürcher Hauptbahnhof erstmals neue Läden ohne Kasse. (Bild: Keystone/Thomas Johannson)

„Wie immer ein Espresso mit Zucker?“ Stammkunden sind es sich gewohnt, vom Personal in ihrem Lieblingscafé erkannt zu werden. Doch ob man sich das auch von Computern in der Öffentlichkeit wünscht, ist eine andere Frage. Der Kioskkonzern Valora glaubt: Ja. Schon bald will er in seinem neuen Mini-Supermarktformat „Avec X“ Kaffee- und Zigarettenautomaten testen, die das Gesicht der Kunden scannen und ihnen personalisierte Kaufempfehlungen machen. Ein genaues Datum für den Test nannte Valora-Chef Michael Mueller bei der gestrigen Pressekonferenz im Zürcher Hauptbahnhof nicht. Dort stellte Valora nebst "Avec X" auch das Format "Avec Box" vor. Auf Nachfrage von CH Media betont Mueller jedoch, dass man keine Gesichter ohne ausdrückliche Einwilligung der Kunden analysieren werde. Der Datenschutz werde stets eingehalten. Wie dies technisch umgesetzt werden soll, sagt Mueller nicht.

Personal ist trotzdem noch da

Auch ohne Gesichtserkennung kommen die neuen «Avec X»- und «Avec Box»-Shops, die ab heute geöffnet sind, futuristisch daher. Die Türen öffnen sich nur für Kunden, welche die entsprechende App heruntergeladen und darauf ihre Identitätskarte und Kreditkarte hinterlegt haben. Mit derselben App scannt der Kunde die Strichcodes der ausgewählten Produkte. Das Anstehen an der Kasse entfällt – denn es gibt sie nicht. Die Abrechnung erfolgt beim Verlassen des Geschäfts auf dem Handy. Das Valora-Personal ist in erster Linie da, um die Regale wieder aufzufüllen und die zahlreich installierten Kameras bei der Überwachung der Kunden zu ergänzen. Auch Stichproben sind geplant, um gegen potenzielle Diebstähle vorzugehen. Die unbemannte rote «Avec Box» steht vorerst nur einige Tage in der Halle des Hauptbahnhofs. Die erste fix installierte «Box» soll im Frühjahr in Wetzikon ZH entstehen, wie Mueller sagt. Es gehe für Valora nicht darum, Stellen abzubauen. «Im Vordergrund stehen die neuen Kundenbedürfnisse, namentlich mehr Frische und längere Öffnungszeiten.»

Theoretisch könnten die neuartigen Shops 24 Stunden offen bleiben. Vorerst bleiben sie in der Nacht aber für einige Stunden geschlossen. Und während Stosszeiten am Morgen und Abend unterstützen Angestellte die Kunden beim Einkauf. Zutritt haben nur Personen, die mindestens 14 Jahre alt sind, und beim Kauf von Tabakprodukten wird das ­Alter geprüft. Bier ist aufgrund komplizierter Auflagen laut Mueller nicht im Sortiment.

Von Amazon abgeschaut

Weitere Standorte seien bereits in Planung, sagt Mueller. Ein Ziel, wie viele Filialen es mittelfristig sein sollen, will er hingegen nicht nennen. Es gelte vorerst darum, Erfahrungen zu sammeln. Den nächsten Schritt wolle man sich bei Amazon abschauen: In den «Amazon Go»-Geschäften in den USA müssen die Kunden nicht einmal mehr das Einscannen tätigen. Sensoren in den Regalen und Kameras erkennen automatisch, welche Produkte im Einkaufskorb landen. Bei der ebenfalls für 2019 angekündigten «Kiosk Box» wird Valora diese Technologie erstmals einsetzen in Kooperation mit dem Silicon-Valley Start-up Aifi. Für Valora geht es nicht zuletzt darum, für die SBB ein ­attraktiver Partner zu bleiben. Diese hatten letztes Jahr angekündigt, dass sie die Mietverträge für 265 Geschäfte an ihren Bahnhöfen per 2021 neu ausschreiben. Mehr als 200 davon sind heute von Valora belegt.