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Vekselberg fordert Neubesetzung des Schmolz+Bickenbach-Verwaltungsrats

Beim Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach spitzt sich der Machtkampf zwischen den Grossaktionären Viktor Vekselberg und Martin Haefner zu. Der russische Investor will vier von sieben Verwaltungsräten rauswerfen und mit eigenen Leuten ersetzen. Damit torpediert er die Sanierungsbemühungen Haefners, die den Konzern vor dem Untergang retten sollen.
Das S+B-Firmenlogo am Standort im Emmenbrücke. Der Hauptsitz der Gruppe befindet sich in Luzern. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 27. Oktober 2014)

Das S+B-Firmenlogo am Standort im Emmenbrücke. Der Hauptsitz der Gruppe befindet sich in Luzern. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 27. Oktober 2014)

(sda/awp)

Konkret fordert Vekselbergs Liwet Holding eine ausserordentliche Generalversammlung zur Neubesetzung des Verwaltungsrates, wie Schmolz + Bickenbach (S+B) am Dienstag in einem Communiqué mitteilte. Dabei sollen Verwaltungsratspräsident Jens Alder sowie die Verwaltungsräte Michael Büchter, Isabel Corinna Knauf und Adrian Widmer abgewählt werden.

Liwet schlage vor, diese vier Mitglieder durch die Zuwahl von vier neuen VR-Mitgliedern zu ersetzen. Diese seien Jürgen Geissinger, der neuer Präsident werden solle, Aldo Belloni, Inka Koljonen und Michael Süss, hiess es weiter.

«Der VR hat den Eingang des Vorschlags von Liwet bestätigt und wird zu gegebener Zeit über das weitere Vorgehen informieren», schrieb S+B. Vekselbergs Liwet hält 26,9 Prozent am Spezialstahlkonzern und ist damit grösste Aktionärin von Schmolz + Bickenbach vor Martin Haefner, der 17,5 Prozent besitzt, und der Erbenfamilie, deren 10,1 Prozent-Anteil in der S+B Beteiligungs GmbH gebündelt sind.

Sanierungsbemühungen durchkreuzt

Mit dem Schritt von Liwet würden die Restrukturierungs- und Sanierungsbemühungen des Verwaltungsrats durchkreuzt, urteilte ZKB-Analyst Philipp Gamper: Dies beurteilen «wir in Anbetracht der aktuellen Situation bei S+B als negativ».

Das Unternehmen kämpft ums Überleben, weil die Kunden noch weniger bestellen als erwartet. Der hoch verschuldete Konzern braucht nun frisches Geld und will daher eine Kapitalerhöhung durchführen, wie er vergangene Woche bekannt gab.

S+B plant die Ausgabe neuer Aktien im Gesamtbetrag von mindestens 189 Millionen und höchstens 350 Millionen Franken. Die Aktionäre sollen darüber an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 2. Dezember abstimmen.

Grossaktionär Martin Haefner hat bereits seine Unterstützung signalisiert, stellt aber Bedingungen: Die von ihm kontrollierte Gesellschaft Bigpoint Holding will bis zu 325 Millionen Franken einbringen, falls Haefner damit seinen Anteil von 17,5 Prozent auf mindestens 37,5 Prozent aufstocken kann.

Zudem verlangt der Besitzer des Autoimporteurs Amag bei S+B eine ausreichende Sicherheit für die Fremdfinanzierung sowie eine Ausnahmebewilligung der Übernahmekommission, damit Haefner kein Übernahmeangebot an die restlichen S+B-Aktionäre abgeben muss, wenn er die Beteiligungsschwelle von einem Drittel überschreitet. Eine solche Ausnahme kann laut Gesetz erteilt werden, «wenn die Beteiligungspapiere zu Sanierungszwecken erworben werden». Überdies sollen zwei von Haefner vorgeschlagene Personen in den Verwaltungsrat gewählt werden.

S+B leidet unter Bremsspuren der Autoindustrie

Mit dem Vorstoss von Liwet zur Erlangung der Mehrheit im Verwaltungsrat dürfte klar sein, dass Vekselberg gegen die geplante Kapitalerhöhung an der ausserordentlichen GV am 2. Dezember stimmen wird. Von Liwet war bislang keine Stellungnahme erhältlich. Somit ist unklar, wie Vekselberg den angeschlagenen Stahlkonzern wieder auf die Beine bringen will.

Ohne Sanierung überstehe Schmolz + Bickenbach nur noch ein paar Monate, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. In der vergangenen Woche hatte der Konzern die dritte Gewinnwarnung in diesem Jahr herausgegeben. Der bereinigte Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) werde niedriger als 70 Millionen Euro ausfallen, die der Konzern noch im vergangenen Monat als untere Schwelle für das Gesamtjahresziel genannt hatte.

Die Nachfrage nach dem Sommerloch sei schwächer als erwartet, hatte S+B gewarnt. Eine spürbare Erholung von Bestellungseingang und Auftragslage sei auch in den ersten Wochen des vierten Quartals ausgeblieben. «Der Auftragseingang ist weiter schwach und der Bestellungsbestand fällt von Monat zu Monat», hatte Konzernchef Clemens Iller erklärt. Die Autoindustrie habe ihre Bestellungen weiter reduziert und eine Trendumkehr sei derzeit nicht erkennbar.

Kapitalerhöhung in Gefahr

Für die Kapitalerhöhung dürfte es an der ausserordentlichen GV vom 2. Dezember eng werden. Die Frage stellt sich, wie die Erbenfamilie mit ihrem Anteil von gut 10 Prozent stimmen wird. Von ihr war ebenfalls keine Stellungnahme erhältlich. In Schweigen hüllt sich auch Martin Haefner.

Der S+B-Verwaltungsrat, in dem Haefner sitzt, müsse zuerst über den Vorstoss von Liwet befinden, sagte ein Sprecher Haefners. So lange äussere sich Haefner nicht.

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