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Publibike: Veloklau kommt Post nicht nur finanziell teuer zu stehen

Das Fiasko um die aufgebrochenen Veloschlösser dürfte Publibike über eine Million Franken kosten und die Postauto-Tochter noch tiefer in die roten Zahlen drücken. Politik und Postspitze verlieren zunehmend die Geduld mit dem staatlichen Veloverleiher.
Roger Braun
Gestohlen oder zerstört: Der finanzielle Schaden von Publibike dürfte in die Millionen gehen. Auch ins Gewicht fällt der Imageschaden für die Postauto-Tochter.Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 18. September 2018)

Gestohlen oder zerstört: Der finanzielle Schaden von Publibike dürfte in die Millionen gehen. Auch ins Gewicht fällt der Imageschaden für die Postauto-Tochter.Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 18. September 2018)

Die Velos von Publibike rollen wieder. Nachdem im August und September Hunderte von Velos geknackt und entwendet worden waren, hat die Postauto-Tochter diese Woche die letzten Schlösser nachgerüstet. Offenbar mit Erfolg: Seither wurden keine Velos mehr gestohlen.

Was bleibt, ist der finanzielle Schaden. Insgesamt 106 entwendete Velos sind nicht mehr zum Vorschein gekommen, wie Publibike auf Anfrage bekannt gibt: 49 in Zürich; 27 in Bern; 30 in Lausanne. Hinzu kommen 16 Velos, die komplett zerstört aufgefunden worden sind und deshalb entsorgt werden mussten. Bei einem durchschnittlichen Anschaffungspreis der Velos von 2500 Franken beträgt damit der reine Sachschaden 300'000 Franken. Stärker ins Gewicht dürften allerdings die indirekten Kosten fallen.

Publibike musste ein sicheres Schloss entwickeln, die ganze Flotte von 2400 Rädern einziehen, die Schlösser mit mehreren mechanischen Teilen und einer neuen Elektronik ergänzen und die Velos wieder in den Stationen unterbringen. Dazu kommt der Ertragsausfall für die gesamten Veloflotten in Bern, Zürich und Freiburg, die während etwa eines Monats in den Depots vor den Dieben in Sicherheit gebracht werden mussten. Das zweimonatige Gratisabonnement für die Entschädigung der Kunden wird die nächsten Monate ebenfalls auf die Erträge drücken. Publi­bike kann laut eigenen Angaben den Gesamtschaden bisher nicht einschätzen. «Wir wollen auch zuerst die Gespräche mit Versicherungen und dem Hersteller der Schlösser führen, bevor wir den Schaden beziffern können», sagt Publibike-Sprecher Urs Bloch. Für unsere Zeitung hat der alternative Anbieter Intermobi­lity nachgerechnet, wie teuer das Malheur etwa zu stehen kommt. Geschäftsführer François Kuonen sagt: «Inklusive der Ertragsausfälle dürften die Gesamtkosten etwa zwischen 1 und 1,5 Millionen Franken betragen.»

Intransparenz und millionenschwere Verluste

Diese Einbusse wird die Rechnung der Publibike weiter ins ­Minus ziehen. Wie hoch die Verluste in den vergangenen Jahren waren, ist nicht bekannt, da die Postauto-Tochter keine Geschäftszahlen bekannt gibt. Aus dem Untersuchungsbericht zu den Subventionstricksereien der Postauto AG geht einzig hervor, dass Publibike in den Jahren 2014 und 2015 3,8 Millionen Franken Verlust geschrieben hat. Seither ist die Firma deutlich gewachsen. Das Verleihsystem wurde modernisiert, der Personalbestand hat sich auf 30 Personen verdoppelt, die Zahl der Velos hat sich vervielfacht. Ein Branchenkenner ist sich sicher: Die Verluste sind noch grösser geworden. Er geht davon aus, dass Publibike in den vergangenen zwei Jahren weitere rund zehn Millionen Franken verloren hat. Für den Geschäftsführer von Intermobility, François Kuonen, ist klar: «Die Rechnung von Publibike wird nicht aufgehen. Die Einnahmen sind viel zu tief, um die hohen Betriebskosten und Investitionen ohne staatliche Gelder wieder hereinzuholen.»

Politiker wollen wissen, was vor sich geht

In der Politik wächst die Skepsis gegenüber dem staatlichen Veloverleiher. Vertreter der SVP, FDP und Grünliberalen beklagen die fehlende Transparenz sowie eine unfaire Konkurrenz gegenüber privaten Anbietern, die ihr geschäftliches Risiko selber tragen. Der Waadtländer FDP-Nationalrat Olivier Feller fordert per Vorstoss die Herausgabe der Geschäftszahlen von Publibike. Er stört sich auch daran, dass das Unternehmen trotz Millionenverlusten weiterhin massive Investitionen tätigen kann. Möglich macht dies der potente Mutterkonzern. Die Post deckt bisher die Verluste, indem sie der Publibike Geld zur Verfügung stellt. Feller zweifelt daran, dass diese Kredite marktgerecht sind. Er will vom Bundesrat wissen, zu welchen Konditionen Publibike diese Gelder erhält.

Nicht mehr ganz geheuer ist es auch der Post mit dem Veloverleih, der stürmische Expansionspläne hegt. Post-Präsident Urs Schwaller hat angekündigt, dass sich die Post stärker auf ihren Kernauftrag konzentrieren will. Bis Mitte nächsten Jahres will er entscheiden, welche Geschäftszweige aufgegeben werden. Auf dem Prüfstand steht auch: Publibike.

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