Fleischskandal in Europa
Verbotenes britisches Lammfleisch in Frankreich gefunden

Es muss nicht nur Pferdefleisch in der Lasagne sein: Auch Lammfleisch aus Grossbritannien ist auf Kontinentaleuropa verboten. Jetzt wurde in Frankreich 57 Tonnen davon gefunden.

Matthias Niklowitz
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«Darfs auch etwas mehr sein?» - Eingang der inzwischen geschlossenen Fleischfabrik von Spanghero im südfranzösischen Castelnaudary

«Darfs auch etwas mehr sein?» - Eingang der inzwischen geschlossenen Fleischfabrik von Spanghero im südfranzösischen Castelnaudary

KEYSTONE

«Wir verabschieden uns vom Fleischgeschäft», verkündeten die Manager des Unternehmens Spanghero Mitte Februar unter dem Eindruck des Pferdefleisch-in-Lasagne-Skandals. In ganz Europa waren immer wieder Fälle von verarbeiteten Lebensmitteln aufgetaucht, die nicht nur Rind- oder Schweinefleisch enthielten. Und immer wieder war in diesem Zusammenhang der Name des Fleischhändlers Spanghero aufgetaucht.

Gemäss einem Bericht von RTL fand man jetzt aber 57 Tonnen Lammfleisch in der Filiale von Spanghero in Castelnaudary im Departement Aude in der Nähe der spanischen Grenze. Das Management von Spanghero sprach gegenüber dem Fernsehsender von einem «Versehen».

Lammfleisch darf in Frankreich nicht aus Grossbritannien importiert werden. Grund ist die «Traber-Krankheit» bzw. «Scrapie», die über krankhaft veränderte Prionen entsteht und möglicherweise übertragen wird. Die sehr ähnliche Prionen-Krankheit BSE, die Rinder befällt, wurde vor 20 Jahren als «Rinderwahnsinn» bekannt.

Bei den Lämmern, die jetzt in Frankreich gefunden worden sind, war das Fleisch mechanisch von den Knochen getrennt worden. Dabei besteht die Gefahr, dass mit Prionen verseuchte Knochen mit dem Fleisch zusammen zermalmt und verarbeitet werden. Diese Schlacht- und Verarbeitungsmethode ist auch für Schafe, Rinder und Ziegen verboten.

Das Ergebnis der Laboranalyse stand laut dem Sender bereits seit zwei Wochen fest. Die Proben waren im Februar entnommen worden. Für die Untersuchung ist die Polizei in Paris zuständig. Sie verfügt über einschlägige Experten und Analyseausrüstung. In einer Stellungnahme gegenüber RTL betonte die Polizei, dass «zu keiner Zeit Gefahr für das Leben anderer» bestanden hatte.

Dieser Fall und auch die zu8vor bekannt gewordenen Pferdefleisch-Funde zeigen, wie stark das Fleischgeschäft international und über die beiden Drehscheiben Niederlande und Grossbritannien vernetzt ist. Laut RTL ist bisher über die Verarbeitungswege und Transportrouten nur wenig bekannt. In diesem Fall sei zudem nicht klar, wie das Fleisch gekauft worden war und wo und wie die Importe kontrolliert worden waren. Und auch den Verantwortlichen bei Spanghero für diesen Fall hat man noch nicht gefunden.

Immerhin konnte RTL Barthélémy Aguerre, den Chef von Spanghero, aufstöbern. «Es handelt sich hier nur um kleine zu vernachlässigende Sache, nichts Schwerwiegendes», beruhigte er von der Kamera. «Wir sind ein weiteres Mal von einem unserer Lieferanten hereingelegt worden.» Weder gegen ihn, Aguerre selber, noch gegen sein Unternehmen sei bisher Anklage erhoben worden. «Das Fleisch hier hätte einfach Grossbritannien nicht verlassen dürfen», wand sich Aguerre weiter, «aber das ist doch nicht unser Fehler.»