ABB
Vergütungsbericht fällt fast durch

Aktionäre kritisieren die zu hohen Saläre, die Schaffung von bedingtem Kapital für Mitarbeiter-Aktienprogramme fällt ganz durch. Für die Division Energietechniksysteme verspricht der ABB-Verwaltungsratspräsident rasche Sanierungsmassnahmen.

Matthias Niklowitz
Drucken
Eingang des ABB-Gebäudes in Zürich (Archiv)

Eingang des ABB-Gebäudes in Zürich (Archiv)

Keystone

Lediglich 52 Prozent Zustimmung, 43 Prozent «Nein» - ABB-Verwaltungsratspräsident Hubertus von Grünberg blieb am Mittwochmorgen um halb 12 an der Generalversammlung des Konzerns in Zürich-Oerlikon kurz die Stimme weg. Zuvor hatte es Kritik von Aktionären an exzessiven Antrittssalären von ABB-Managern gegeben. Die ausbezahlten Millionenbeträge seien nicht transparent und leistungsbezogen ausbezahlt worden.

«Ich verstehe, was Sie meinen, das ist viel Geld», sagte von Grünberg zur Kritik an den Millionensalären, «der Einfluss auf das Ergebnis, den ein Spitzenteam im Gegensatz zu einem Durchschnittsteam erreichen kann, bewegt sich aber im dreistelligen Millionenbetrag, es ist ein Faktor von hundert, was sie erwirtschaften im Verhältnis zu dem, was wir auszahlen Ich respektiere Ihnen Beitrag, wir haben ihn alle gehört, auch die Herren des Vergütungsausschusses.»

Kein bedingtes Kapital für Angestellte

«Der Verwaltungsratspräsident nimmt die Bedenken zur Kenntnis», sagt von Grünberg nach der Abstimmung, «wir werden uns anstrengen, um zukünftig eine höhere Zustimmung zu erzielen.» Die Konsultativabstimmung war nach der Zustimmung des Volkes zur Minder-Initiative zur Pflicht bei den schweizerischen Aktiengesellschaften geworden. Die anwesenden 888 Aktionäre, die 1,105 Milliarden Aktien, entsprechend 65,3 Prozent des stimmberechtigten Aktienkapitals vertraten, kritisierten vereinzelt auch die zu niedrige Gewinnausschüttung und verlangten eine höhere Dividende. Der Vorschlag des Verwaltungsrats zur Gewinnverwendung bekam jedoch fast 100 Prozent Zustimmung.

«Ich stehe jetzt auf den Zehenspitzen», bekannte von Grünberg zur Abstimmung um die Schaffung von bedingtem Aktienkapital, das nicht für die Spitzenleute, sondern für die Mitarbeiterbeteiligungen gedacht ist. Damit gehe keine Aktienkapitalerhöhung einher und die Verwässerung soll nicht höher als ein Prozent pro Jahr sein.
Von Grünberg ahnte es wohl. Die 58 Prozent Ja-Stimmen genügten jedoch nicht - denn die erforderliche Aktienmehrheit wurde den Aktionären verweigert. «Wir bedauern das, ich glaube es gibt Verständnisprobleme, es geht um das mittlere Kader und nicht um die obersten Angestellten», sagte er. Das Anreizprogramm soll jetzt mit den verfügbaren Mitteln bestritten werden.

Probleme in der Paradesparte

«ABB ist weiter ein kerngesundes Unternehmen, vier von fünf Sparten laufen gut», sagte von Grünberg am Mittwochmorgen. «Es gibt aber grosse Probleme in der Sparte Energietechniksysteme. Es gibt interne, wenig akzeptable Entwicklungen und hohe Risiken bei Projekten. Das erfordert Sanierungsmassnahmen.» Verwaltungsrat und das Management hätten harte Massnahmen eingeleitet, von dessen Erfolg man sich einiges erwarte.

Die Division Energietechniksysteme bleibe Kerngeschäft, bei Stromübertragung sei ABB seit Jahren Technologie- und Marktführer. Das laufende Kostensenkungsprogramm gehe weiter, die Ziele des Programms wurden weiter nach oben gesetzt. Bereiche wie Robotik hätten sich hervorragend entwickelt. «Bei einigen Energietechnikprodukten sind wir seit Jahren das ertragstärkste Unternehmen weltweit», so von Grünberg.

ABB habe auch die vier Abgänge in Schlüsselpositionen in den letzten 12 Monaten gemeistert. Unter anderem war CEO Joe Hogan Mitte September 2013 abgetreten. «Die reibungslosen Übergänge sind Ausdruck der gesunden Kultur bei ABB», sagte von Grünberg.

Unter dem Strich sei man weiterhin profitabel. «Die Mittel sollen in organisches Wachstum, in die Dividende, in Akquisitionen und in die Rückführung von Geld an die Aktionäre fliessen», versprach von Grünberg den Aktionären. Vom Verkauf von weiteren Firmenteilen - zwei Verkäufe waren in den letzten Tagen gemeldet worden - erhofft man sich laut von Grünberg Mittel im Volumen von rund einer Milliarde Dollar.

Klartext vom CEO

«Ich hatte bei Amtsantritt versprochen, immer Klartext zu sprechen, und leider musste ich schon rasch schlechte Nachrichten bringen», sagte anschliessend ABB-CEO Ulrich Spiesshofer. «Wir sind mit Auftragseingang nicht zufrieden, vor allem nicht in der Division Energietechniksysteme.» Der gestrige Abschluss habe verdeutlicht, wie dringend Massnahmen seien.Um ein Drittel eingebrochen sind die Grossaufträge.

Bei Windkraft bestehen grosse Risiken. Als Generalunternehmer im Bereich Solar wolle sich ABB aus einigen Ländern zurückziehen. Die Auswirkungen würden ABB auch in diesem Jahr noch belasten.

«Es gibt zudem erhebliche Verzögerungen von Aufträgen», so Spiesshofer, «wir hoffen, dass es bald höhere Planungssicherheit gibt. Die Grundsubstanz der Division ist solide.» Ziel ist es, auch in einem schwierigen Umfeld profitables Wachstum zu erreichen. Besonders gut war über alle Bereiche das Servicegeschäft. Und für eine erfolgreiche Sanierung hat ABB gleich ein internes Vorzeigebeispiel: «Robotik ist von Sanierungsfall zu Geschäft mit bedeutendem Wachstum geworden.»