VERKEHR: SBB Cargo International finanziert Loks in neuer Form

Mieten statt kaufen: Das Bahnunternehmen kooperiert mit einem Fonds der Reichmuth-Gruppe.

Thomas Griesser Kym
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Wachsender Verkehr, intensiver Wettbewerb und die neue Flachbahn als Folge der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels – diese Punkte erfordern im alpenquerenden Schienengüterverkehr für eine durchgehende Traktion von der Nordsee bis nach Italien neue Mehrsystem-Lokomotiven. Das gilt auch für die SBB Cargo International, die in diesem Geschäft tätig ist. Sie beschafft beim deutschen Hersteller Siemens 18 Lokomotiven des Typs Vectron. Das Besondere: SBB Cargo International kauft die Loks nicht, wie es üblich ist, sondern mietet sie über 15 Jahre von der LokRoll AG.

LokRoll ist Teil eines Fonds namens Reichmuth Infrastruktur Schweiz. Dieser Fonds, in den vor allem Schweizer Pensionskassen investieren, wurde Ende 2014 von der Luzerner Reichmuth & Co lanciert. Dieses inhabergeführte Familienunternehmen ist einerseits im Private Banking tätig (seit kurzem auch mit einer Niederlassung in St. Gallen) und zum anderen im Investment Management, dem Reichmuth Infrastruktur Schweiz angegliedert ist. Der Fonds investiert in Infrastruktur in der Schweiz in den Segmenten Verkehr (LokRoll), Ver- und Entsorgung (zum Beispiel Fernwärmenetze oder Wasserkraft) sowie Soziale Infrastruktur (Spitäler, Schulen).

SBB Cargo International gehört zu 75% der SBB-Güterverkehrstochter SBB Cargo und zu 25% der Hupac AG, die im kombinierten Verkehr Strasse-Schiene aktiv ist. Über den Auftrags­wert der 18 Siemens-Loks geben die Beteiligten wie folgt Auskunft: Stefan Hasenböhler, Leiter Private Markets bei Reichmuth, spricht von «einigen zehn Millionen Franken». Siemens sagt, eine Vectron koste je nach Konfiguration 3 Mio. bis 5 Mio. Franken.

Im Rahmen des Finanzierungsmodells profitiert SBB Cargo International, indem sie dank der exklusiven Miete der Loks kein Kapital bindet und stabile Finanzierungskosten hat. Ausserdem kann sie die Loks nach 15 Jahren an Lok­Roll zurückgeben. Für LokRoll geht es laut Hasenböhler darum, mit der Investition «eine moderate Rendite» über den Zeitraum des «langfristigen Mietvertrags» zu erwirtschaften. Nach Ablauf der 15 Jahre seien die Loks aber noch nicht am Ende ihres Lebenszyklus angelangt. Dann werde LokRoll das Risiko der Wiedervermietung tragen, aber auch deren Chancen.