Tourismus
Verkehrsbüro: Schon etabliert, aber steigerungsfähig

Die Verantwortlichen des vor einem Jahr eröffneten Büros für Tourismus und Mobilität ziehen eine positive erste Bilanz, wollen aber den Billettverkauf weiter ausbauen.

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Aargauer Zeitung

Fritz Thut

Vor einem Jahr wurde am Lenzburger Kronenplatz das Büro für Tourismus und Mobilität eröffnet. Die Verantwortlichen der wichtigsten Trägerorganisationen zogen eine erste Bilanz: Der Start ist geglückt, weiteres Steigerungspotenzial aber vorhanden.

Genau seit einem Jahr hat Lenzburg ein Verkehrsbüro, das hier mit vollem Namen Büro für Tourismus und Mobilität heisst. Damit ist die Mehrzweckfunktion dieser neuen Institution bereits angedeutet: Im Försterhaus am Kronenplatz 24 kann man nicht nur sämtliche Tickets und Abos des öffentlichen Verkehrs beziehen, sondern erhält Auskünfte über alle Belange des Tourismus in der Region Lenzburg-Seetal.

Mit dem Auftaktjahr zeigten sich die Hauptverantwortlichen der vier Trägerschaftsorganisationen - Verein Seetaltourismus, Regionalbus Lenzburg AG (RBL), Stadt Lenzburg und Verkehrsverein Lenzburg - in einem Mediengespräch zufrieden. Für René Bossard als RBL-Geschäftsführer und Seetaltourismus-Präsident ist allerdings klar, dass «noch kein abschliessendes Fazit» gezogen werden kann, habe man sich doch von Anfang an «zwei bis drei Jahre Zeit gegeben».

Es fehlen Ferienwohnungen: Überraschende Erkenntnis nach einem Jahr Verkehrsbüro

In der Region Lenzburg-Seetal gibt es zu wenige Ferienwohnungen. Diese doch eher überraschende Erkenntnis haben die Verantwortlichen im ersten Jahr des Verkehrsbüros gewonnen. «Es gibt viele Anfragen für Ferienwohnungen, aber wir können die Nachfrage nicht befriedigen, weil es hier schlicht und einfach keine Ferienwohnungen gibt», so die Tourismus-Verantwortliche Fabienne Vollenweider. Das Parahotellerie-Angebot beschränkt sich im Seetal auf einige Bed-and-Breakfast-Anbieter und die Campingplätze. Vermieter von klassischen Ferienwohnungen haben sich auf einen ers-ten Aufruf von Seetaltourismus keine gemeldet. Anderseits gibt es offensichtlich Interessenten dafür. Dabei handelt es sich nicht nur um klassische Touristen, sondern auch um Temporärarbeiter, die einige Zeit hier tätig sind, aber der üblichen Hotelzimmer überdrüssig sind. (tf)

Richtige Tendenz beim Umsatz

Beim einzigen messbaren Parameter, dem Umsatz der verkauften öV-Billette, liegt man zwar noch deutlich hinter jener Million Franken zurück, die man als Endziel des Jahresumsatzes formuliert hat. «Doch die Tendenz geht in die richtige Richtung», halten Bossard und Thomas Hofstetter als Vertreter von Stadt und Verkehrsverein Lenzburg unisono fest.

Man müsse der Bevölkerung noch mehr bekannt machen, dass man hier wirklich alle Bus- und Bahntickets erhalten und auch alle Abonnements beziehen oder verlängern könne; hier hat man gewisse Kommunikationsschwächen ausgemacht. Mit einer Marketing- und Kommunikationsstudie durch eine Aarauer Fachhochschulklasse will man hier Gegensteuer geben.

«Wir sind ein vollwertiger SBB-Bahnhofschalter, einfach ohne Gleisanschluss», so Hofstetter. Dies bringt laut Bossard «Vor- und Nachteile»: «Hier kann man ohne Stress, ohne Schlange von Ungeduldigen im Rü-cken, auch Fragen zu Abos stellen.» Dem immer wichtiger werdenden Online-Verkauf will man mit innovativen Lösungen in den nächsten Wochen Rechnung tragen.

«Tourismus deckt alles ab»

Rundum zufrieden sind die Verantwortlichen mit dem Startjahr im Bereich Tourismus. Während man «am Anfang eine vornehme Zurückhaltung der Leistungsanbieter in der Region» (Bossard) beobachtet habe, steige die Anerkennung hier deutlich spürbar an.

Gemäss Fabienne Vollenweider, die seit dem 1. Februar die 100-Prozent-Stelle als Tourismusfachfrau besetzt, macht die grosse Bandbreite der Tätigkeiten einen besonderen Reiz aus: «Wir versuchen hier wirklich alles abzudecken.» Erfolgreich war man in den letzten Wochen mit der Unterstützung von Lehrern beim Zusammenstellen von Schulreiseprogrammen gewesen. Vereine und Firmen wenden sich mit Fragen zu Ausflügen und Seminaren ans Büro.

Hier kann man sich mittlerweile auch mit Tickets für verschiedene Anlässe in der Region eindecken. Für die Open-Air-Oper «Die verkaufte Braut» im Schloss Hallwyl hat das Büro beispielsweise sogar eigene «Päckli» mit passenden Übernachtungen geschnürt, die auf gutes Echo stossen.

Ab nächstem Monat ist das Verkehrsbüro zudem zentrale Anlaufstelle für Lenzburger Stadtführungen. Solche Engagements werten die Verantwortlichen immer noch als Startinvestition. Bossard: «Viele Dienstleistungen erbringen wir noch gratis oder günstig. Wir mussten unsere Daseinsberechtigung erarbeiten und müssen uns nun unentbehrlich machen.»