Nationalbank schreibt im ersten Quartal 38,2 Milliarden Franken Verlust - Müssen Bund und Kantone jetzt auf eine Gewinnausschüttung verzichten?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat heute ihre Zahlen um ersten Quartal 2020 bekannt gegeben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Verlust.

Niklaus Vontobel
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Auch die Nationalbank ist von der Coronakrise betroffen. Im Bild reinigt ein Putztrupp den Bundesplatz vor dem Gebäude der Schweizerischen Nationalbank.

Auch die Nationalbank ist von der Coronakrise betroffen. Im Bild reinigt ein Putztrupp den Bundesplatz vor dem Gebäude der Schweizerischen Nationalbank.

Urs Lindt / freshfocus

Mit den Zahlen zum ersten Quartal liegen erstmals harte Zahlen dazu vor, welche Folgen die Coronakrise auf die SNB-Bilanz hat. Die Nationalbank weist einen Verlust von 38,2 Milliarden Franken aus. Die Nationalbank erklärt den Verlust mit der «weltweiten Ausbreitung des Coronavirus». Die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie hätten ab der zweiten Quartalshälfte starke Folgen auf die Finanzmärkte gehabt und sich entsprechend auch auf den Erfolg der SNB ausgewirkt. Welche Rolle spielte der starke Franken? Und können Bund und Kantone trotzdem mit einer Gewinnausschüttung rechnen? Nachfolgend finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Welchen Einfluss hatte der weltweite Einbruch an den Börsen?

Die Nationalbank erlitt auf ihren Fremdwährungspositionen total einen Verlust von 41,2 Milliarden Franken. Davon ist der Löwenanteil, nämlich 31,9 Milliarden Franken, auf Verluste auf Aktien und aktienähnlichen Instrumenten zurückzuführen. Die Aktienbörsen sind nach einem Allzeitrekord im Februar weltweit eingebrochen, teils in einem rekordschnellen Tempo. An den amerikanischen Börsen kamen mehrere Tagesrekordverluste hinzu. Der europäische Leitindex EuroStoxx50 hatte bis Ende März rund 26 Prozent verloren. Der globale Aktienindex MSCI World büsste gut 22 Prozent ein. Die Erholung an den Börsen nahm hingegen erst im April richtig Fahrt auf und beeinflusste damit das 1. Quartal der Nationalbank weniger.

Welche Rolle spielt der starke Franken?

Als traditionelle Fluchtwährung wertete sich der Franken auch in der Coronakrise auf. Seit Jahresanfang betrug beispielsweise die Aufwertung gegenüber dem Euro rund 2,5 Prozent. Dadurch haben die Euro-Positionen der Nationalbank weniger wert. Durch diesen Mechanismus resultieren wechselkursbedingte Verluste von total 17,1 Milliarden Franken. Zusammen mit den Verlusten auf Beteiligungspapieren kam so ein Verlust von rund 49 Milliarden zusammen.

Gab es auch Lichtblicke in der SNB-Bilanz?

Die Kurse von Anleihen, die die SNB hält, werteten sich auf. So kam ein Kurserfolg von rund 5 Milliarden zustande. Dieser Trend erklärt sich mit den weltweiten Zinssenkungen von Notenbanken. Dadurch werteten sich die Kurse von bestehenden Anleihen tendenziell auf. Zudem wertete sich der Goldbestand der SNB um 2,8 Milliarden Franken auf. Und Grundsätzlich gilt, was die SNB immer wieder betont: starke Schwankungen in ihrem Ergebnis sind die Regel. Die riesigen Fremdwährungspositionen von 781,4 Milliarden Franken führen dazu, dass hohe Gewinne wie aber auch hohe Verluste unvermeidlich sind. Im Vorjahr hatte die SNB einen Gewinn von 49 Milliarden Franken erzielt.

War der Verlust so zu erwarten?

Ja und Nein. Ja, weil allgemein bekannt ist, dass das Ergebnis der Währungshüter von den Finanzmärkten abhängig ist. Bis Ende März hatten die Börsen weltweit im Vergleich zum Jahresanfang hohe Verluste erlitten. Nein, weil der Verlust der SNB zumindest in der Höhe überraschend ist. Die Ökonomen der UBS hatten einen Verlust von maximal 30 Milliarden Franken erwartet.

Können Bund und Kantone dennoch mit einer Gewinnausschüttung rechnen?

Vermutlich ja. Die Nationalbank hat nach der Gewinnverwendung für das Jahr 2019 noch immer eine Reserve von 84 Milliarden Franken zur Verfügung. Erst wenn die Reserven unter die Grenze von 20 Milliarden Franken fallen würden, ginge die öffentliche Hand leer aus. Die Regelung sieht aktuell so aus: Oberhalb der Grenze von 20 Milliarden Franken erhalten Bund und Kantone eine Ausschüttung von 2 Milliarden Franken. Oberhalb der Grenze von 30 oder 40 Milliarden Franken kommt jeweils noch eine Milliarde Franken an Ausschüttungen dazu.

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