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VERMÖGENSVERWALTUNG: Luzerner Privatbank eröffnet Niederlassung in St. Gallen

Dank der Sirius Wealth Management setzt die Luzerner Reichmuth & Co. einen Fuss in die Ostschweiz. Das in einer Branche, die zunehmend unter Kosten- und Margendruck steht.
Christof Reichmuth (48), Verwaltungsratspräsident von Reichmuth & Co. (Bild: Roman Beer)

Christof Reichmuth (48), Verwaltungsratspräsident von Reichmuth & Co. (Bild: Roman Beer)

Privatbankiers gibt es nur noch wenige in der Schweiz. Um sich so nennen zu dürfen, muss mindestens einer der Teilhaber der Bank unbeschränkt mit seinem Privatvermögen haften und darüber hinaus Schweizer Staatsbürger sein. Bevorzugte Rechtsform ist die Kommanditgesellschaft. 1945 gab es noch rund 80 davon. Heute sind es noch ein halbes Dutzend, nachdem es 2012 noch doppelt so viele waren. Prominentes Beispiel eines Untergangs in jüngerer Zeit: die St. Galler Wegelin & Co., die Anfang 2012 am US-Steuerstreit zerbrach.

In Kürze aber gibt es in der Ostschweiz bald wieder Privatbankiers: Die Luzerner Reichmuth & Co. eröffnet auf Anfang 2017 eine Niederlassung in der Stadt St. Gallen. Die Basis bildet das Kundenportfolio der Sirius Wealth Management, das an Reichmuth übertragen wird. Sirius-Gründer und Geschäftsführer Ernst Eisenhut (63) regelt damit seine Nachfolge. Er wird die neue Reichmuth-Niederlassung an der Schmiedgasse leiten, bis Überführung und Aufbau abgeschlossen sind. St. Gallen gilt nicht als eine der ersten Adressen in der Vermögensverwaltung für betuchte Kunden. «Wahrscheinlich wird der Standort unterschätzt», sagt Christof Reichmuth, Verwaltungsratspräsident von Reichmuth & Co. und mit seinem Vater Karl und Geschäftsleiter Jürg Staub unbeschränkt haftender Gesellschafter. «Wir sehen hier ein gutes Potenzial.»

Laut Reichmuth ist es ein Vorteil, dass man dank des Sirius-Portfolios «einen Warmstart hinlegen» könne, also nicht von null auf beginnen müsse. Sirius hat drei Mitarbeitende: Neben Eisenhut sind Partner Frank Burri und eine Assistentin dort tätig. Das verwaltete Kundenvermögen gibt Eisenhut mit einem «schönen dreistelligen Millionenbetrag» an. Zum Vergleich: Reichmuth hat 85 Mitarbeitende in Luzern, Zürich und München, und die Kundenvermögen betragen über 8 Milliarden Franken. Reichmuth & Co. bietet ihren Kunden, vor allem reichen Privatpersonen, Familien, Unternehmern und Topkadern, laut eigenen Angaben eine integrale Vermögensverwaltung samt Anlageberatung und Vorsorgeplanung. Und dann sagt Christof Reichmuth noch, seine Bank pflege «eine liberale und eigenverantwortliche Grundhaltung – gerade in der Ostschweiz sehen wir diese Werte gut verankert». Die Wurzeln der meisten verbliebenen Privatbankiers reichen zurück ins 19. oder gar 18. Jahrhundert. Nicht so bei Reichmuth & Co., von der «Handelszeitung» «der rebellische Youngster» genannt. Dies einerseits wegen der Rechtsform als Kommanditaktiengesellschaft, andererseits wegen des relativ späten Gründungsjahres 1996. Damals startete das Bankhaus mit 700 Millionen Franken Kundenvermögen.

Banken stehen unter zunehmendem Druck

Die Bankbranche steht unter Druck, auch im Private Banking. Dies einerseits auf der Kostenseite, wo die aufwendigere Kundenbetreuung, die Digitalisierung und die schärfere Regulierung mehr Mittel verschlingen. Andererseits zerbröseln die Margen, weil die zunehmende Transparenz dank des Internets den Preiswettbewerb verschärft und Auslandkunden wegen der härteren Gangart vieler Staaten im Steuerwesen Vermögen in ihre Heimat repatriieren. Seit 2007 sind die Bruttomargen der Privatbanken um 0,33 Prozentpunkte auf 0,85 Prozent gefallen, und eine Berenberg-Studie schätzt, dass eine Privatbank mindestens 20 Milliarden Franken Kundenvermögen braucht, um langfristig profitabel sein zu können. Und selbst dieses Volumen garantiert keinen Erfolg, wie das Beispiel der Raiffeisen-Tochter Notenstein La Roche zeigt, die mit ihren 21 Milliarden Franken nicht vom Fleck kommt und eine Restrukturierung eingeleitet hat.

Christof Reichmuth mit seinen 8 Milliarden Franken ficht das an. Er verweist darauf, sein Bankhaus habe alles an den IT-Dienstleister Avaloq outgesourct, «was nicht mit Markt und Kunden zu tun» habe. «Deshalb haben wir relativ tiefe Fixkosten.» Ausserdem konzentriere sich Reichmuth & Co. auf drei Zielmärkte: die Schweiz, Deutschland und Grossbritannien. Das mache die Compliance, die Einhaltung von Richtlinien, «relativ einfach». Im US-Steuerstreit musste Reichmuth & Co. 2015 ans amerikanische Justiz­departement eine Busse von 2,6 Millionen Franken bezahlen.

Thomas Griesser

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