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VERPACKUNGEN: Zwischen Wirtschaftlichkeit und Ökologie

Nachhaltige und kleinere Verpackungen sind im Trend. Der Detailhandel setzt allerdings immer stärker auf ausländische Produzenten. Innovative Verpackungen aus Schweizer Produktion sind im Ausland gefragt.
Andreas Lorenz-Meyer
Urs Bachmann, Geschäftsführer der Bachmann Forming AG, bei einer Produktionsmaschine, wo aus Granulat Material für nachhaltige Verpackungen produziert wird. (Bild: Pius Amrein (Hochdorf, 28. Juni 2017))

Urs Bachmann, Geschäftsführer der Bachmann Forming AG, bei einer Produktionsmaschine, wo aus Granulat Material für nachhaltige Verpackungen produziert wird. (Bild: Pius Amrein (Hochdorf, 28. Juni 2017))

Andreas Lorenz-Meyer

Filterkaffee? Das war einmal. Heute steckt das Gemahlene oft einzeln portioniert in Kapseln. Diese Mini-Verpackungen bestehen üblicherweise aus dem Kunststoff Polypropylen oder aus Alu­minium. Die Bachmann Forming AG, Verpackungsproduzent aus Hochdorf, brachte im Herbst 2016 etwas Neues auf den Markt: biologisch abbaubare Kaffeekapseln. Das verwendete Material: Polymilchsäure (PLA). PLA stellt man her, indem man aus Pflanzen – hauptsächlich Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Zuckerrohr – Stärke gewinnt und diese in Milchsäure umwandelt. «Unsere neuen Kapseln sind industriell kompostierbar», erklärt Geschäftsführer Urs Bachmann. Um ein solches Hightech-Produkt zu entwickeln, brauche es viel Know-how und langjährige Erfahrung. Die Kapsel sei die erste funktionierende Biokaffeekapsel-Lösung mit integrierter Aromabarrierefunktion.

«Gesamthaft setzen wir über 66 Prozent umweltfreundliches Rohmaterial ein», stellt Bachmann fest. Dazu gehö­ren recycelbare Kunststoffe aus Polystyrol (PS) oder Polyethylenterephthalat (PET). Hinzu kommen Bio-PET und eben PLA. Das Unternehmen produziert unter anderem Umverpackungen für Aufzucht und Transport von Pflanzen und Lebensmittelverpackungen für Pralinen oder Fertiggerichte. Neben dem Rohstoff geht es auch um Designoptimierung. «Ein optimales Design hat immer zum Ziel, mit möglichst wenig Material eine maximale Formstabilität zu erreichen und damit die vorgegebene Schutzfunktion zu erfüllen», so Bachmann. Dieser Vorgabe entsprächen alle Tiefziehteile, die in Hochdorf produziert werden. Tiefziehen oder Thermoformen nennt sich das Umformen thermoplastischer Kunststoffe. Die Firma stellt alle Werkzeugformen selbst her. Sie steuert die Folienverteilung zwischen Wand- und Bodenfläche oder baut materialsparende Verstärkungsrippen ein. «Dadurch sparen wir bis zu 50 Prozent beim Rohmaterialeinsatz und reduzieren den Verbrauch an Prozessenergie entscheidend», sagt Bachmann.

Dünne Verpackungen sind ein Problem

Hierzulande gibt es weit über 200 Verpackungsbetriebe. Ihr Umsatz pro Jahr: knapp 6,5 Millionen Franken (siehe Grafik). «Die Branche hat sich nach schwierigen Jahren erholt», stellt Andreas Zopfi fest, Geschäftsführer des Dachverbands der schweizerischen Verpackungswirtschaft. Einzelne Packstoffe profitieren von Trends, so die Wellkartonindustrie vom Zalando-Boom. Der Schweizer Detailhandel bediene sich jedoch immer stärker bei ausländischen Produzenten, was die hiesige Verpackungswirtschaft spüre. Andersherum exportieren Schweizer Firmen «ihre erstklassigen Produkte» auch ins Ausland. Innovative, gesundheitlich unbedenkliche Verpackungen seien dort gefragt.

Verpackungen sind vor allem dazu da, den Inhalt zu schützen. Sie werden zwar immer dünner, ohne dass die Schutzfunktion beeinträchtigt wird, so dass weniger Material gebraucht wird. Jedoch gibt es ein Problem dabei: Dünne, nur ein paar Gramm schwere Verpackungsfolien bestehen oft aus mehrlagigen Kunststoffbahnen. «Solche Folien kann man stofflich nicht mehr wiederverwerten», sagt Zopfi. Sie dienen dann nur noch der Energiegewinnung in der Kehrichtverwertungsanlage. Zudem besteht ein Dilemma beim Recyclingkarton. Ökologisch und technisch gesehen ein sehr wertvoller Packstoff, nur kommt es beim Recyclingprozess zu Verunreinigungen im Material. Diese «gesundheitlich bedenklichen» Verunreinigungen können chemisch in das Füllgut übergehen. «Wir befinden uns hier in einem Spannungsfeld zwischen Ökologie und Gesundheit», stellt Zopfi fest.

In der Schweiz gibt es immer mehr Singlehaushalte, die viel weniger Lebensmittel konsumieren als vierköpfige Familien. Auch das verändert die Verpackungslandschaft. Es gibt den Trend zu kleineren Portionierungen. Die Migros etwa bietet Rucola in Beuteln à 100 Gramm an, und auch Landrauchschinken ist in Single-Dimension erhältlich. Der Nachteil: Kleinere Portionierungen bedeuten mehr Verpackungsmaterial. Christine Gaillet vom Detailhändler betont jedoch, dass die Verpackung eines Lebensmittels nur zu einem sehr geringen Teil zur Umweltbelastung des gesamten Produktes beiträgt. In der Regel liegt der Anteil bei unter 4 Prozent. Betrachte man den gesamten Lebenszyklus eines Produktes, so belaste der Anbau und die Produktion die Umwelt am stärksten. Es sei oft sinnvoll, kleinere Portionen für Kleinhaushalte anzubieten, denn die Verpackung habe unter anderem die wichtige Funktion, das Produkt vor Verderb zu schützen.

Zopfi sieht es genauso. «Kaufe ich eine grössere Portionierung, die mir dann verdirbt, ist es klar nachhaltiger, die kleine Verpackung zu nehmen. Verpackungen verlängern die Mindesthaltbarkeit von Lebensmitteln – das ist viel stärker zu gewichten als ein paar Gramm mehr Verpackung.» Am schlimmsten sei es doch, ein Lebensmittel gar nicht zu verpacken und so dem schnellen Verderb freizugeben. Verpackungen seien oft eine Gratwanderung zwischen Schutz, Logistik und Marketingfunktionen und auch ein Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und Ökologie.

PET von Plastik trennen

Jährlich etwa 1 Million Tonnen Kunststoffe wird hierzulande verbraucht. Das sind 125 Kilogramm pro Kopf. 780 000 Tonnen werden als Abfall entsorgt, der Grossteil davon, 650 000 Tonnen, in Kehrichtverwertungsanlagen verbrannt. 80 000 Tonnen recycelt man. Ein Ort, an dem eine Menge Plastikabfall anfällt: der Supermarkt. 2013 weitete die Migros das Recycling aus. Seitdem nimmt man nicht mehr nur PET-Milchflaschen, sondern alle Plastikflaschen aus dem Haushaltsbereich zurück: Shampoos, Duschgels, Wasch- und Reinigungsmittel. «Wichtig ist, dass die Plastikflaschen getrennt von den PET-Getränkeflaschen gesammelt und nicht vermischt werden», sagt Christine Gaillet vom Detailhändler. Nur so sei ein hochwertiges Recycling möglich. (alm)

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