Medikamente
Versandapotheke wehrt sich gegen Korruptionsvorwürfe

Die Online-Apotheke «Zur Rose» verkauft immer mehr Medikamente. Dies trotz scharfer Angriffe der Konkurrenz. Jetzt wird der Versandhändler gar der Korruption bezichtigt.

Thomas Schlittler
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Die Versandapotheke «Zur Rose» ist etablierten Apothekern und Drogisten ein Dorn im Auge. Der Grund: Das Thurgauer Unternehmen liefert den Patienten viele Medikamente günstiger – und erst noch direkt ins Haus. Zunächst machte der Internethändler das nur bei rezeptpflichtigen Medikamenten, seit 2011 aber auch bei rezeptfreien Mitteln (sogenannten OTC-Produkten). Das hatte unzählige Gerichtsverfahren zur Folge. «Zur Rose» hat das nicht gebremst, das Unternehmen gewinnt weiter Kunden, steigert den Umsatz und treibt im Ausland die Expansion voran.

Wachstum: Kooperation mit Drogerie

Das erste Halbjahr 2013 hat für die «Zur Rose»-Gruppe einen grossen Wachstumsschub gebracht. Dank der seit dem 1. Dezember 2012 mitkonsolidierten DocMorris und der zu Jahresbeginn gestarteten Kooperation mit dem Drogeriemarkt dm in Deutschland erhöhte sich der Umsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode um 83 Prozent auf 453,4 Millionen Franken, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Die Initialaufwendungen in Deutschland belasten das Unternehmensergebnis im ersten Halbjahr 2013: Der Reingewinn schlägt mit minus 2,7 Millionen zu Buche. Für das Gesamtjahr erwartet die Firma aber schwarze Zahlen.
Im Markt Schweiz konnte «Zur Rose» volumenmässig um 8 Prozent zulegen. Die Marktführerschaft als Ärztegrossistin konnte von 23,5 auf 23,7 Prozent weiter ausgebaut werden. (TSC)

Das Heilmittelgesetz erlaubt den Versand von Medikamenten nur, wenn eine Verschreibung eines Arztes vorhanden ist – auch wenn das entsprechende Medikament in Apotheken und Drogerien frei erhältlich ist. Um den Internethandel mit rezeptfreien Medikamenten trotzdem attraktiv zu machen, hat «Zur Rose» folgendes System entwickelt: Nachdem ein Medikament online bestellt wurde, besorgt das Unternehmen die Verschreibung für den Kunden. Dafür arbeitet «Zur Rose» mit mehreren Ärzten zusammen, welche die Verschreibungen ausstellen. Sie tun das aufgrund eines Fragebogens, den der Kunde bei der Bestellung ausfüllen muss. Ein direkter Kontakt zwischen Arzt und Kunde ist nicht vorgesehen.

Die Verbände der Apotheker und Drogisten haben gegen dieses Vorgehen bereits in mehreren Kantonen geklagt. Sie sehen den Patientenschutz in Gefahr, da die Fachberatung wegfalle. Bis jetzt wurde das Geschäftsmodell von «Zur Rose» aber immer als rechtmässig bestätigt. Zuletzt mussten die Gegner vor dem Verwaltungsgericht Thurgau eine Niederlage einstecken. Weitere Verfahren in den Kantonen Zürich und Aargau sind offen. Walter Oberhänsli, Mitgründer und CEO von «Zur Rose», gibt sich zuversichtlich: «Wir sind von der Rechtmässigkeit des OTC-Versands überzeugt.»

Neuer Vorwurf: Korruption

Die Gegner geben ihren Kampf gegen «Zur Rose» trotzdem nicht auf. Sie nehmen nun die Zusammenarbeit des Unternehmens mit den Ärzten ins Visier. In der letzten Ausgabe von «Dosis», einer Publikation des Schweizerischen Apothekerverbands Pharmasuisse, wird «Zur Rose» implizit Korruption vorgeworfen. Dem Verband geht es um finanzielle Anreize, welche das Versandhaus Ärzten anbietet, wenn ihre Patienten über das Onlineportal ihre Medikamente kaufen. Für jeden Neukunden, den ein Arzt an «Zur Rose» vermittelt, kassiert er 40 Franken. Stellt er ein Rezept aus, erhält er für jede Zeile einen Franken als Erfassungsentschädigung. Ende Jahr winkt zudem eine Betreuungspauschale von 12 Franken pro Jahr und Patient.

Der Apothekerverband kritisiert, dass diese Anreize dafür sorgten, dass ein Arzt bei der Überweisung zur Versandapotheke «Zur Rose» nicht mehr ganz frei entscheide. «Das ist eine schlechte Entwicklung, die unbedingt korrigiert werden muss», so Pharmasuisse-Sprecher Karl Küenzi in der «Neuen Luzerner Zeitung». Mit einer «Anti-Korruptionsklausel» im zu revidierenden Heilmittelgesetz will der Verband solche Anreize verbieten.

«Zur Rose»-CEO Oberhänsli weist die Korruptionsvorwürfe zurück: «Mit Korruption hat das nichts zu tun. Unsere Entschädigungen sind transparent und seit Jahren bekannt.» Dies im Gegensatz zu echter Korruption, die im Versteckten ablaufe. Oberhänsli sieht hinter dem Angriff vielmehr wirtschaftliche Interessen der Apotheker: «Versandapotheken sind für diese ein unliebsamer, da preislich und bezüglich Leistung sehr attraktiver Mitbewerber, der das in vielen Kantonen herrschende Apotheker-Monopol aufweicht.»