VERSANDHÄUSER: Die Ausnahme in einer serbelnden Branche

Während andere Versandhändler der Reihe nach schliessen, wächst die Lehner Versand AG in Schenkon unbeirrt weiter. Ihr Schlüssel zum Überleben: Bettwäsche.

Maurizio Minetti
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Ein Lehrling füllt Dirndl im Logistik-Lager der Lehner Versand AG auf. (Bild: Nadia Schärli (Schenkon, 28. Dezember 2016))

Ein Lehrling füllt Dirndl im Logistik-Lager der Lehner Versand AG auf. (Bild: Nadia Schärli (Schenkon, 28. Dezember 2016))

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Sie scheinen aus einer längst vergangenen Zeit zu kommen: dicke Kataloge mit bunten Fotos von Modeartikeln, Bettwäsche, Hardware und Elektronik. Obwohl der Online-Handel einen Boom erlebt, werden solche Versandkataloge in der Schweiz weiterhin zu Millionen gedruckt. Einer der grössten Versandhändler hierzulande ist Lehner Versand aus Schenkon. Der Familienbetrieb hat sich in dieser Branche nicht nur behauptet – Lehner ist in den letzten Jahren gar kometenhaft aufgestiegen.

«Seit 2010 haben wir über 100 Arbeitsplätze geschaffen», sagt Thomas Meier (41), der seit 2008 im Familienbetrieb tätig ist und 2013 die Leitung mit Bruder Philipp von seinem Vater Gerold übernommen hat. Druckte Lehner 2006 noch zehn Millionen Kataloge, werden es dieses Jahr 23 Millionen sein. Hatte Lehner vor zehn Jahren bloss die eine Filiale in Schenkon, sind es heute schweizweit sieben. Der Umsatz kletterte nach oben. Genaue Zahlen will Meier nicht nennen. Nur so viel: «Der Umsatz bewegt sich im hohen zweistelligen Millionenbereich.» Die Firma mit 186 Angestellten gehört zu 100 Prozent der Familie und ist gemäss Meier profitabel.

Online-Anteil über 50 Prozent

Doch wie schafft man ein solches Wachstum als Kataloghändler, während in den letzten Jahren (siehe Box) viele Mitbewerber die Segel streichen mussten? Eine Antwort lautet: Lehner ist gar kein reiner Versandkataloghändler mehr. 54 Prozent des Umsatzes generiert die Firma mittlerweile über den eigenen Online-Shop, 35 Prozent mit den Katalogen. Der Rest kommt über die Filialen herein. Vor 12 Jahren lag der Online-Umsatz noch bei 7 Prozent. «Wir haben viel in unsere Logistik und in den Online-Shop investiert, der laufend erweitert wird», sagt Meier.

Lehner Versand ist vor allem auf Bettwäsche spezialisiert. Bei der Gründung Anfang der Achtzigerjahre spielten aber auch Arbeitskleider eine grosse Rolle. Heute verkauft Lehner auch Mode für Damen und Herren, Haushaltsartikel, Gartenmöbel oder Fitnessgeräte. 80 Prozent der Kunden sind Frauen. Der Fokus auf die Bettwäsche ist ein weiterer Grund dafür, dass es Lehner heute so gut geht: «Wir haben in der Schweiz andere Bettmasse als etwa in Deutschland. Dadurch haben Anbieter aus dem Ausland Mühe, in der Schweiz Fuss zu fassen», erklärt Meier. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist, dass Lehner nicht nur handelt, sondern Kleider und Bettwäsche auch selber herstellen lässt. Die Produkte werden in Schenkon kreiert und dann in Asien von Partnerfirmen produziert. «Das macht uns nicht austauschbar», so Meier.

Lehner will nun weiter in die Offensive gehen. Meier wittert im stationären Handel Chancen: «Es gibt sehr günstige Flächen, weil der Detailhandel in einer Krise steckt und viele Läden schliessen müssen.» Zum Teil seien die Preise für einen Quadratmeter an guter Lage um zwei Drittel günstiger geworden. Dieses Jahr hat Lehner in Visp und Spiez neue Filialen eröffnet.

Doch Lehner möchte in naher Zukunft nicht nur Ladenfläche kaufen, sondern eventuell auch einen Mitbewerber. Seit der Gründung der Firma im Jahr 1983 hat Lehner noch nie eine Firma übernommen. «Wir haben in den letzten Jahren aber viele Angebote erhalten, die wir geprüft haben», sagt Meier. Darunter seien auch diverse Online-Shops gewesen. Bislang habe es aber nie gepasst. «Mit der jetzigen Konsolidierung sehen wir aber Chancen, auch durch Akquisitionen zu wachsen», sagt der Lehner-Chef.