Die globale Schuldenspirale dreht schneller – die Schweizer Flughäfen sind mittendrin

Im Zug des Konjunktureinbruchs nimmt die globale Verschuldung von Unternehmen weiter zu – auch in der Schweiz.

Daniel Zulauf
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Der Flughafen Genf musste 600 Millionen Franken aufnehmen.

Der Flughafen Genf musste 600 Millionen Franken aufnehmen.

Keystone

Im Zug des Konjunktureinbruchs nimmt die globale Verschuldung von Unternehmen weiter zu – auch in der Schweiz. Wer den Job verliert macht besser keine neuen Schulden. Dieses Prinzip ist in der Unternehmenswelt schon länger aufgeweicht worden. Viele Firmen nehmen grosse Mengen an zusätzlichem Fremdkapital, auf obwohl ihr Umsatz stockt – auch in der Schweiz.

Damit sind nicht nur die gegen 130’000 Schweizer KMU gemeint, die sich in den vergangenen Monaten fast 14 Milliarden Franken an bundesstaatlich garantierten Gratiskrediten auszahlen liessen, um in der Corona-Flaute wenigstens die dringendsten Kosten decken zu können oder mindestens einen Liquiditätsreserve auf der hohen Kante zu wissen. Auch vielen Grossunternehmen fällt das Schuldenmachen in der Krise leichter denn je.

Notenbanken ermuntern zu Schulden

Eine Studie von Janus Henderson Investors geht davon aus, dass die globale Unternehmensverschuldung im laufenden Jahr um eine Billion Dollar oder um mehr als zwölf Prozent auf über neun Billionen Dollar zunehmen wird. Die Analyse der Anleihenmärkte belege einen steilen Anstieg der Kredite, damit die Firmen die Pandemie bewältigen können.

Die grossen Notenbanken ermuntern die Unternehmen mit ihrer Ultratiefzinspolitik den Schuldenstand zu erhöhen und dafür möglichst wenig Personal zu entlassen. Was in der aktuellen Krise nach einer vernünftigen Güterabwägung aussieht, hat allerdings schon viel länger Bestand. 2019 war die globale Verschuldung der Unternehmen gemäss Janus Henderson um über acht Prozent gestiegen.

Immer mehr «Zombie»-Firmen

Zu den Hauptmotiven gehörte die Fremdfinanzierung von Übernahmen oder die Finanzierung von Aktienrückkäufen und Rekorddividenden. Ein Beispiel dafür ist Nestlé. Der Konzern hat seine Nettoverschuldung in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt und die Erlöse aus dem Verkauf von Unternehmensteilen fast vollumgänglich an die Aktionäre ausgeschüttet.

Doch wenn Firmen mehr auf den Zins als auf den Umsatz schauen, dann riskieren sie die Akzente falsch zu setzen. So hat eine aktuelle Untersuchung der Bank of America eine dramatische Zunahme sogenannter «Zombie»-Firmen in Europa festgestellt. Zombie-Firmen sind Unternehmen, die zu wenig verdienen, um bei einer normalen Zinssituation am Leben zu bleiben. Eine von zehn Firmen aus dem Euro Stoxx 600 Index erfüllt die Kriterien.

Flughäfen Genf und Zürich brauchten Geld

Man findet die Unternehmen vornehmlich im Automobil-, Energie und im Versorgungssektor. Das Phänomen ist so alt wie die Ultratiefzinspolitik der Notenbanken selbst, also mehr als zehn Jahre. Die Pandemie hat die Krise allerdings deutlich verschärft – auch in der Schweiz. Die Flughäfen Genf und Zürich sahen sich im Frühjahr zur Aufnahme von 600 Millionen Franken auf dem Kapitalmarkt gezwungen. Dafür zahlen sie zwischen 0,7 Prozent und 1,05 Prozent pro Jahr – das Dreifache aus der Zeit vor der Krise.

«Die Risiken von Covid-19 haben die Aufnahme von Fremdkapital stark verteuert, allerdings auf einem sehr tiefen Niveau», relativiert Daniel Rupli, leitender Kreditanalyst der Credit Suisse. Für die einzelne Firma mag dies ein beruhigende Feststellung sein. Für die gesamte Volkswirtschaft bergen Ultratiefzinsen das Risiko, dass unproduktive Firmen den zukunftsweisenden Branchen das Geld für wichtige Investitionen streitig machen.

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