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Hobbykicker kosten Versicherungen jährlich über 190 Millionen Franken

Eine Baloise-Studie zeigt: Wird ein verunfallter Hobbykicker arbeitsunfähig, bleibt er 32 Tage von der Arbeit fern. Die Versicherung dieses Risikos ist eine Knacknuss für die Assekuranz.
Daniel Zulauf
Im Verhältnis gefährlich, weil populär – König Fussball. (Bild: Samuel Truempy/Keystone (Oberbüren, 17. Mai 2014))

Im Verhältnis gefährlich, weil populär – König Fussball. (Bild: Samuel Truempy/Keystone (Oberbüren, 17. Mai 2014))

Am gefährlichsten leben die Handballer. In keiner anderen Sportart in der Schweiz ist das Verletzungsrisiko pro Trainingseinheit höher als im Spiel mit dem klebrigen Lederball. Selbst die Eishockeyspieler leben gesünder als die Handballer (vgl. Grafik). Weit schlimmer ist – mindestens für die Versicherungswirtschaft – aber der Fussball. Der König des Sports ist nicht nur gefährlich, sondern auch so populär, dass er mit grossem Abstand die meisten Unfälle produziert. 45000 sind es schweizweit aktuell, wie der ­Unfallstatistik der Suva zu entnehmen ist. Daraus erwachsen der Assekuranz jährliche Kosten von 190 Millionen Franken.

Die Baloise hat das Problem genauer unter die Lupe genommen und ihre eigene Fallstatistik der vergangen drei Jahre analysiert. Fussgelenk- und Knieverletzungen treten demnach mit je 25 Prozent am häufigsten auf. Führt ein Unfall zur Arbeitsunfähigkeit, dauert diese im Mittel volle 32 Tage. Weniger überraschend ist das Profil der Verunfallten: Es sind zu 88 Prozent Männer im Alter von durchschnittlich 31 Jahren. Die Baloise-Daten zeigen: Der Spass mit dem Fussball kann die Allgemeinheit teuer zu stehen kommen.

Fussball – einst unmoralisch und verwerflicher Sport

Das Problem ist nicht neu. Bereits 1912 setzten die Gründerväter der Suva den Fussball auf eine ­Liste von «unmoralischen, verwerflichen oder verbrecherischen Handlungen», für die der Versicherungsschutz gegen Unfallrisiken nicht gelten sollte. Erst 1929 erkämpften sich die Fussballer auf gerichtlichem Weg die Aufnahme in die obligatorische Unfallversicherung. Die Suva investiert inzwischen einen Haufen Geld in die Prävention. Schliesslich erwachsen der 100-jährigen Unfallversicherung schon seit den 1970er-Jahren mehr Kosten aus Unfällen bei Freizeitaktivitäten als aus Berufsunfällen. Und offenbar lohnt sich die Prävention. Das Unfallrisiko an Grümpelturnieren sei durch die Suva-Kampagnen in den vergangen zehn Jahren nachweislich um 75 Prozent gesenkt worden, sagt Mediensprecherin Gabriela Hübscher. Trotzdem ist der Fussball nach wie vor eines der grössten Risiken im Suva-Portefeuille. Da kann es sich lohnen, jeden Fall genauer anzusehen. Genau dies tut die Suva seit August des vergangenen Jahres. «Sportvereine aufgepasst. Versichert eure Sportler richtig», warnte die Versicherung damals in einer Mitteilung an die Medien. Mit gutem Grund: Auch Amateurvereine brauchen eine eigene Unfalldeckung für ihre Mitglieder, wenn sie diesen AHV-pflichtige Entschädigungen auszahlt. Trotzdem sind nur wenige Vereine korrekt versichert. Dafür gibt es zwei Gründe.

Teure Policen für einfache Vereine

Erstens zeigte sich die Suva lange Zeit grosszügig und übernahm im Rahmen der obligatorischen Berufsunfallversicherung auch die Schäden kritischer Sportunfälle, für die sie nach der genannten Regel eigentlich nicht zuständig gewesen wäre. Und zweitens sind Unfallversicherungspolicen für viele Amateurvereine schlicht kaum finanzierbar. Der wichtigste Kostentreiber ist dabei das sogenannte Unfalltaggeld, das den Lohnausfall versichert. Fällt ein Hobbyfussballer, der 3000 Franken Prämien und Spesenentschädigung im Jahr erhält, durch einen Sport­unfall während 30 Tagen am Arbeitsplatz aus, muss die Versicherung des Vereins nicht nur den anteiligen Ausfall der 3000 Franken, sondern auch den Lohnausfall des Spielers im Hauptberuf decken. Eine solche Police kann je nach Höhe des Lohnes schnell einige hundert oder gar tausend Franken kosten.

Die Versicherungswirtschaft zeigt dabei offensichtlich nur ­wenig Mitleid. Die Ombudsstelle der Schweizer Versicherer bestätigt jedenfalls den Eingang diverser Anfragen von Vereinen, die nirgends Unterschlupf gefunden hätten und an die Ersatzkasse verwiesen werden mussten. Doch die Unfallversicherung ist obligatorisch. Deshalb kümmert sich nun auch der Versicherungsverband um das Problem. Man prüfe derzeit zwei Varianten: Einerseits die Möglichkeit von Rahmenverträgen mit Sportvereinen zur Streuung der Risiken oder anderseits, mit dem gleichen Ziel die Preise zu senken, ein Pooling der Schäden nach Marktanteilen, sagt Sprecherin Sabine Alder.

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