VERSICHERUNG: Zurich Insurance im Windkanal

Der Zurich-CEO Mario Greco sucht die Idealform für den schwerfälligen Versicherungskonzern. Für sein Vorhaben lässt er sich genug Zeit.

Daniel Zulauf
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Zurich-CEO Mario Greco. (Bild: Walter Bieri/KEY (Zürich, 9. Februar 2017))

Zurich-CEO Mario Greco. (Bild: Walter Bieri/KEY (Zürich, 9. Februar 2017))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

«Die Zurich ist kein Sanierungsfall.» Die Überzeugung, mit der CEO Mario Greco vor weniger als einem Jahr als Chef des Schweizer Vorzeigeunternehmens angetreten war, hat er gestern mit Fakten untermauert. Mit einem Jahresgewinn von 3,2 Milliarden Dollar machte der Konzern den schweren Einbruch des Vorjahres wett und zeigte insbesondere im wichtigen Schadengeschäft, dass er nach wie vor im Stande ist, aus den weltweit guten Geschäftsbedingungen in diesem Markt Profit zu schlagen. 2,4 Milliarden Dollar verdiente die Zurich 2016 mit Sach- und Haftpflichtversicherungen und anderen Schadendeckungen. Das ist fast dreimal so viel wie 2015, als das mit Abstand ertragreichste Geschäft im zweiten Halbjahr sogar einen Verlust hinnehmen musste.

Einen besonderen Akzent legte Greco auf die 2016 gelungene Steigerung des operativen Betriebsgewinns um 55 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar. Diese Steuerungsgrösse stellt weit mehr noch als der Reingewinn die tatsächlich erreichten betrieblichen Verbesserungen dar, die 2016 unter anderem durch ein gutes Anlageergebnis aufpoliert wurden. Erwähnung verdient dabei auch die Verbesserung des Betriebsgewinns im Lebengeschäft, das aufgrund des Zinsumfeldes unter schwierigen Marktbedingungen leidet.

Wachstum durch Zukäufe

Ausschlaggebend für das gute Resultat war das Geschäft mit Schadendeckungen für Grossunternehmen. Das ist ein Steckenpferd des Konzerns – eines, in dem sich die Internationalität des Unternehmens offenbar besonders gut ausspielen lässt. Auf solche Stärken will Greco setzen, um der «unglaublich starken Marke» wieder mehr Glanz zu verleihen. In den letzten zehn Jahren war die Zurich zunehmend in eine gewisse Trägheit verfallen. Das sei eine «natür­liche Tendenz», der alle grossen Organisationen verfallen könnten, sagte Greco. Das Problem dabei sei, dass kompliziertere Gebilde eine immer grössere Distanz zu ihren Kunden schaffen. «Die Vereinfachung der Organisation ist deshalb eines unserer Hauptziele», sagt Greco. «Ich könnte stundenlang darüber reden.» Offensichtlich wurden diese Zusammenhänge in den vergangenen Jahren insbesondere im Schweizer Markt, wo die Zurich auch heuer wieder hohe Gewinne einfahren konnte. Just im Heimmarkt, der dem globalen Konzern bis zu einem Fünftel des Betriebsgewinns einbringt, hatte die Zurich in den letzten zehn Jahren Marktanteile eingebüsst. Auch ausserhalb der Schweiz hat die Zurich im Lauf der letzten Jahre etliche Kunden verloren.

Grösse sei kein Ziel an sich, sagt der 57-jährige Italiener. Und die Frage, ob er sich einen Kauf seiner ehemaligen Arbeitgeberin Generali vorstellen könnte, wenn der Triester Konzern dereinst tatsächlich auf den Markt kommen sollte, beantwortet er mit einem entschiedenen Nein. Dennoch hat die Zurich 2016 aber fast 1,5 Milliarden Dollar für diverse Zukäufe ausgegeben. Die Akquisitionen sind nicht zuletzt ein Ausdruck dafür, dass es den Versicherern generell schwerfällt, aus eigener Kraft zu wachsen. Die grössten Märkte sind von einer schwachen Nachfrage und von tiefen Preisen gezeichnet.

Das schwierige Branchen­umfeld dürfte Greco gar nicht ungelegen kommen. Zunächst muss er sich nämlich um die Umformung der eigenen Organisation bemühen. Der Konzern ist in den letzten zehn Jahren offensichtlich träge geworden. Die Kosten für Administration und Betrieb haben bei einem kaum gestiegenen Umsatz um mehr als 30 Prozent zugenommen. Greco will bis 2019 1,5 Milliarden Franken sparen. Nicht primär über Personalabbau, wie er betont, sondern über schlankere Prozesse und organisatorische Vereinfachungen.

Derweil hat Greco der Zurich eine Testphase im Windkanal verordnet. In drei Jahren soll das Gebilde die ideale Stromlinienform gefunden haben und eine höhere Geschwindigkeit erreichen. Die Aktionäre haben Greco schon viel Vorschusslorbeeren gegeben. Die Aktien sind 2016 um mehr als 40 Prozent gestiegen. Jetzt sollen sie mit einer Dividende von 17 Franken pro Titel entschädigt werden.