Assekuranz
Versicherungen sind die besseren Banken

Zum ersten Mal in seiner neuen Rolle als Verwaltungsratpräsident der Zurich-Versicherungsgruppe äusserte sich Josef Ackermann öffentlich zu den wichtigsten Aufgaben und zur Regulierung der Versicherungswirtschaft.

Matthias Niklowitz
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Joe Ackermann: Durschnittliche Haushalte schlecht für Umgang mit Risiken vorbereitet.

Joe Ackermann: Durschnittliche Haushalte schlecht für Umgang mit Risiken vorbereitet.

Keystone

«Man braucht nicht Verhaltensökonom zu sein, um zu begreifen, dass der durchschnittliche Haushalt schlecht vorbereitet ist, etwa mit Anlagerisiken umzugehen.» So sprach Josef Ackermann, ehemaliger Chef der Deutschen Bank und seit März 2012 Verwaltungsratspräsident der Zurich-Versicherungsgruppe, letzte Woche an einem Vortrag der Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft der Humboldt Universität in Berlin zum ersten Mal öffentlich in seinem neuen Job als Versicherungsmanager.

Nicht nur Privathaushalte, auch Banken haben ein Problem mit Risiken, wie während der Finanzkrise deutlich wurde. Im Gegensatz zu den Banken konnten Versicherungen die Verluste der Finanzkrise – von wenigen Ausnahmen abgesehen – aus eigener Kraft absorbieren. «Im Gegensatz dazu blieben viele Banken auf staatliche Beihilfen angewiesen», konstatierte Ackermann.

Versicherungen sind besser

Offenbar sind Versicherungen einfach die besseren Finanzdienstleister. «Sie haben den Einbruch nicht nur aus eigener Kraft überstanden, sie trugen auch wesentlich zur Stabilisierung der Finanzmärkte bei», schwärmte Ackermann über seine neue Branche, und klärte gleich auch noch über die Gründe auf: «Der stabilisierende Effekt der Assekuranz kann zum einen ihrem längeren Anlagehorizont, zum anderen aber auch ihrem Anlageverhalten zugeschrieben werden.» Allerdings sei auch die Versicherungsbranche vom Reputations- und Vertrauensverlust des ganzen Finanzsektors betroffen. Dieses Vertrauen liesse sich nur mit «überzeugenden Leistungsangeboten und transparentem Marktgebaren» zurückgewinnen, sagte Ackermann.

Gefragt sind solche Angebote zunehmend auch in einem Bereich, wo der Staat an seine Grenzen gelangt, weil die traditionellen Pfeiler der Altersvorsorge nicht mehr tragen. Versicherungen sollen hier zukünftig einen wichtigen Beitrag leisten. Das setze allerdings voraus, dass Lösungen auf Versicherungsprinzipien aufbauen und marktkonform ausgestaltet sind. Marktwidrig seien Eingriffe des Staates wie garantierte Mindestzinsen oder nicht risikogerechte Umwandlungssätze.

«Regulierung mit Augenmass»

Nur risikogerechte Preise würden Versicherungsnehmer zu risikobewusstem Verhalten anhalten. «Dies verlangt nach einer Regulierung mit Augenmass und dem Ausschluss von sachfremden Auflagen», forderte Ackermann. Die Versicherungen seien weiter auf liquide Kapitalmärkte angewiesen. «Wir verstehen darunter Märkte, die eine ausreichende Vielfalt von Anlageprodukten mit einem umfassenden Spektrum von Laufzeiten haben», erläuterte Ackermann.

Das sind traditionell die Märkte für Staatsanleihen. Aber diese werfen aufgrund der Geldschwemme der Notenbanken kaum die Erträge ab, welche die Versicherungen benötigen.

Auch dafür verspricht der Ex-Banker eine Lösung. «Auf die Dauer wird man innovative Lösungen, etwa in Form von synthetischen Wertpapieren mit ähnlichen Risikoeigenschaften finden.»

Die wenigen Versicherungen, die wie AIG oder Swiss Re während der Finanzkrise in grosse Schwierigkeiten gekommen waren, hatten solche Papiere gehalten.