Verspätung
Zugtickets für internationale Reisen in der SBB-App? Schon wieder Fehlanzeige – diesmal ist Corona schuld

Das Buchen von Zugtickets über die Grenzen hinaus ist vergleichsweise kompliziert. Die SBB kündigen seit längerem Verbesserungen an. Nun verzögern sie sich weiter.

Stefan Ehrbar
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Bleibt ein Buchungs-Horror: Internationale Züge sind via App nicht buchbar.

Bleibt ein Buchungs-Horror: Internationale Züge sind via App nicht buchbar.

SBB

«Verbindungsangebote fehlgeschlagen»: Diese Fehlermeldung in der SBB-App illustriert das Problem des öffentlichen Verkehrs bei Reisen ins Ausland. Noch immer sind Tickets für solche Verbindungen nicht in der App lösbar, sondern nur auf der Internetseite.

Selbst dort ist das direkte Buchen aber in die meisten Nachbarländern nur für Direktverbindungen möglich. Wer etwa ein Ticket von Zürich nach Napoli kaufen will, erhält die Meldung, dass die Bahn nicht die komplette Reise berechnen und ausstellen könne.

SBB-Chef Vincent Ducrot ist das Problem bekannt. «Das Buchungssystem ist im internationalen Verkehr unsere Achillesferse», sagte er im Dezember im Gespräch mit CH Media – und gelobte Besserung:

«Wir haben ein Projekt namens «Aruba», welches das Buchen einfacher machen soll. Bis Frühling 2021 können wir Deutschland und Österreich vollständig einbinden, bis Ende 2022 wollen wir alle europäischen Länder in unserem Buchungssystem eingebunden haben. Hoffentlich.»

Erneute Verzögerung

Nun zeigt sich: Diese Hoffnungen erfüllen sich nicht. Die SBB verschieben das Projekt erneut. In einem Interview mit dem Portal «Watson» sagte Ducrot diese Woche: «Das Ticketing im internationalen Verkehr ist unser Schwachpunkt. Wir arbeiten hart daran, dies zu ändern.

Im Inland möglich: Ticketkauf per App.

Im Inland möglich: Ticketkauf per App.

Keystone

Richtung Deutschland und Österreich wird es voraussichtlich bis Ende Jahr möglich sein, mobil respektive via App zu kaufen. Heute ist das nicht der Fall. Wir beginnen dort.» Frankreich und Italien seien wegen der obligatorischen Ticketreservierung eher geschlossene Märkte. «Das macht uns das Leben schwer.»

Damit verschiebt sich die vollständige Integration um ein paar Monate. Mittlerweile handelt es sich schon fast um einen Running Gag. Schon 2015 sagte eine SBB-Sprecherin dieser Zeitung: «Wir sehen bei der Auffindbarkeit und bei der Buchung internationaler Billette Handlungsbedarf.»

Bis Ende 2017 würden die Verkaufssysteme saniert, ab dann solle es internationale Tickets auch via App geben. Im Mai 2019 kündigten die SBB dann gegenüber der NZZ an, im Jahr 2020 werde das neue Buchungssystem für alle Nachbarländer definitiv eingeführt.

Corona verzögerte Projekte

Wie begründet die Bahn die erneute Verzögerung? Eine Sprecherin sagt: «Wir sind im internationalen Verkehr tatsächlich noch nicht dort, wo wir sein möchten. Wir wollen das Projekt aber vorantreiben und sind überzeugt, in Zukunft eine gute Lösung präsentieren zu können.»

Bereits umgesetzt sei die Anbindung des Deutschland- und des Frankreich-Verkehrs im Onlineshop. Danach folgten Österreich und Italien. Das heisst: Auch komplizierte Reisen nach Deutschland und Frankreich können mittlerweile im Online-Shop der Bahn gekauft werden, aber weiterhin nicht in der App.

«Bis spätestens Ende 2023 werden alle Nachbarländer über den Webshop und die verschiedenen Verkaufsstellen vollumfänglich in unserem Buchungssystem eingebunden sein», so die Sprecherin. Dann könnten Reisen in diese Länder auch auf dem Handy gebucht werden – allerdings nur im bisher nicht für Handys optimierten Webshop, nicht in der App.

Ausbau des Angebots

Schon vor der Krise war das Projekt weniger schnell unterwegs als geplant. «Wegen Corona verzögerte sich die Anbindung der Vertriebssysteme anderer Bahnen weiter», so die Sprecherin. Das liege unter anderem an fehlenden Ressourcen und daran, dass andere Bahnen ihre IT-Projekte neu priorisiert hätten.

Derzeit liegt der internationale Verkehr darnieder. Allerdings könnte sich das schnell ändern – etwa mit einer genügend grossen Durchimpfung oder der Einführung des EU-Impfpasses, an welchem sich die Schweiz beteiligen will. Dann täte die Bahn gut daran, ein einfaches Buchungssystem vorzuhalten.

Denn das Angebot stimmt: Die SBB haben schon vor der Krise bekanntgegeben, ihre internationalen Verbindungen auszubauen. So fahren etwa seit diesem Jahr ICE-Züge der neuesten Generation auf Verbindungen zwischen Deutschland und der Schweiz. Die TGV-Züge auf den Verbindungen nach Frankreich wurden erneuert und das Platzangebot erhöht, in Richtung Italien fahren die neuen Fernverkehrszüge Giruno von Stadler.

Die Anzahl an Direktverbindungen zwischen der Schweiz und Deutschland soll ab 2026 von 26 auf 35 täglich steigen, die Reisezeit zwischen Zürich und Frankfurt sich um 20 Minuten auf 3 Stunden 40 Minuten reduzieren und zwischen Hamburg, Basel und Lugano sollen zwei neue Direktverbindungen täglich angeboten werden. Seit dem Dezember fahren SBB-Züge zudem direkt in die italienischen Städte Bologna und Genua.