VERWALTUNG 4.0: «Grossartige Chancen, furchterregende Risiken»

An einer Tagung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO in Luzern ging es um die digitale Transformation, die Herausforderungen für die Gemeinden – und um die Grenzen des staatlichen Handelns.

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Wie weit ist die digitalisierte Gemeinde entfernt? Sind es Lichtjahre? Oder ist es bloss ein «Digi-Tal»? Und: Welcher Weg ist bis zur Verwaltung 4.0 zu gehen? Dorthin, wo der Wandel gleichsam eine Revolution ist?

TV-Moderatorin Gabriela Amgarten sagte es an der Gemeindetagung 2017 von BDO AG im Kultur- und Kongresszentrum Luzern so: «Ich finde es super, dass ich den Abfallplan meiner Wohngemeinde Meggen mit zwei Klicks über die App abrufen kann.» Gut gemacht, kann man die Megger dafür nur loben. Nur: Mit Verwaltung 4.0 hat das bloss ansatzweise etwas zu tun. Dieser Eindruck jedenfalls drängte sich den gewählten, lehrenden und ausführenden Politik- und Verwaltungsexponenten bei den Expertenreferaten auf.

Zentrale Erkenntnis dabei: Die digitale Transformation wird nicht nur die Verwaltungslandschaft, aber diese auch fundamental verändern. Reinhard Riedl, Professor für E-Government und Leiter des Zentrums Digital Society an der Berner Fachhochschule, brachte es auf den Punkt: «Es geht nicht um Wollen oder Nichtwollen, sondern um Können oder Nichtkönnen.» Riedl spielte sich dabei nicht als Prediger einer schönen neuen Welt auf, sondern legte den Finger auf die wunden Punkte der E-Society. «Es handelt sich um einen disruptiven Wandel» – um einen also, der Bestehendes mehr oder weniger sanft ablöst oder ersetzt. «Er bietet grossartige Chancen, aber auch furchterregende Risiken», meinte Riedl. Und schob beschwörend nach: «Wir dürfen nicht zu blossen Datenproduzenten werden.»

Das wäre auch nicht im Sinn des Bundesrats. Jedenfalls lässt die Strategie «Digitale Schweiz» der Landesregierung keine solchen Züge erkennen. Philippe Horisberger, stellvertretender ­Direktor des Bundesamts für Kommunikation, stellte vielmehr die Anstrengungen ins Zentrum, um die Schweiz als attraktiven Lebensraum, Wirtschafts- und Forschungsstandort zu entwickeln. Das ist schwer genug. Noch schwerer dürfte es sein, den technologischen Wandel und die Rechtsetzung zu harmonisieren. Oder müssen wir uns etwa damit abfinden, dass es mehr bringt, sich der eigenen «Gläsernheit» bewusst zu sein (und damit umgehen zu können), als auf den Datenschutz zu vertrauen?

 

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch