VERWALTUNGSRAT: LZ-Medien-Präsidentin: «Keinen Einfluss auf die Redaktion»

Die Luzerner Anwältin und LZ-Medien-Präsidentin Doris Russi Schurter wird im Mai 2017 das Präsidium der Luzerner Kantonalbank (LUKB) übernehmen. Sie sieht keine Interessenkonflikte.

Interview Roman Schenkel
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LZ-Medien-Präsidentin Doris Russi Schurter (60). (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (St. Gallen, 24. April 2015))

LZ-Medien-Präsidentin Doris Russi Schurter (60). (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (St. Gallen, 24. April 2015))

Interview Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Kann die Luzerner Zeitung nach wie vor die Qualität des LUKB-E-Banking kritisieren, wenn Sie gleichzeitig Präsidentin der LUKB und der LZ-Medien sind?

Selbstverständlich. Sie muss sogar. Das ist ja die ureigenste Aufgabe einer Zeitung, dass sie das Zeitgeschehen begleitet und kommentiert. Die LZ wird auch in Zukunft die LUKB kritisieren können, falls es etwas zu kriti- sieren gibt.

Sie präsidieren gleichzeitig die grösste Bank und das grösste Medium in Luzern. Haben Sie keinen Respekt vor Interessenkonflikten?

Nein, ich befürchte keine Interessenskonflikte. Als Verwaltungsrätin bewege ich mich ja ausschliesslich auf strategischer Ebene. Die publizistische Leitung bei der Zeitung wird von Pascal Hollenstein zusammen mit der Chefredaktion der LZ wahrgenommen. Zu den Medien, also auch zum Radio und Fernsehen habe ich keine Be­rührungspunkte und schon gar keine Einflussmöglichkeiten. Das bestehende Redaktionsstatut schreibt auch klar vor, dass der Verwaltungsrat sich nicht in die Publizistik einmischen darf. Und übrigens war ich ja bereits zuvor in beiden Verwaltungs­räten. Bei den LZ-Medien seit 2001, bei der LUKB seit 2010.

Operativ werden Sie also nicht in Erscheinung treten?

Nein, sowohl bei den LZ-Medien, wie auch bei der LUKB nicht. Bei der Kantonalbank ist dafür die Geschäftsleitung zuständig, die mit Daniel Salzmann einen starken CEO hat. Ich bin auch nicht Vollzeit für die beiden Unter- nehmen tätig.

Sie sind Anwältin mit einem starken Bezug zur Finanzwelt. Neben der LUKB sind Sie ja Vizepräsidentin der Helvetia Versicherung. Wie kommt das?

Ich habe längere Zeit für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gearbeitet. Dabei habe ich mich stark mit Governance-, ­Audit- und Rechnungslegungsfragen auseinandergesetzt. Deshalb bin ich prädestiniert für den Prüfungsausschuss (Audit), den grössere Verwaltungsräte haben müssen. Unternehmen suchen heute nicht einfach einen Ver­waltungsrat, sondern sie suchen nach einem bestimmten Profil. Bei den meisten Firmen, in denen ich im Verwaltungsrat bin, sitze ich auch im Audit-Ausschuss. Das ist der gemeinsame Nenner meiner Engagements.

Zu Ihren weiteren Mandaten gehören unter anderem die Fluggesellschaft Swiss oder die nationale Netzgesellschaft Swissgrid. Wo sehen Sie die Prioritäten?

Mein Fokus liegt stark auf der Zentralschweiz, wo ich mich seit vielen Jahren engagiere. So war ich bereits einmal Präsidentin der zentralschweizerischen Handelskammer (heute IHZ), und ich habe mich stark für die Universität Luzern eingesetzt. Für mich sind aber auch die Engagements bei nationalen und internationalen Firmen bereichernd. Dabei kann ich immer viel lernen und dieses Know-how für meine anderen Mandate nutzen.

Es gibt also keine Änderung bei Ihren Mandaten?

Doch, weil das Präsidium bei der LUKB doch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, habe ich meinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat von Swissgrid angekündigt. Dadurch erhöhen sich meine zeitlichen Kapazitäten.