Krankenkassen
Verwaltungsrat macht mit Prämiengeldern Geschenke an Ex-KPT-Präsident

Der Verwaltungsrat der KPT kann neuerdings darüber entscheiden, ob abtretende Mitglieder über 60 von einem Rabatt in der Zusatzversicherung profitieren. Ex-KPT-Präsident René Jenny bekommt gleich mit mehreren 10'000 Franken.

Roman Seiler
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Ex-Präsident René Jenny (l.) und VR-Präsident Thomaas Zeltner.

Ex-Präsident René Jenny (l.) und VR-Präsident Thomaas Zeltner.

AZ

Die Wahl des Freiburger Pharmamanagers René Jenny zum Präsidenten des Verwaltungsrats (VR) der einstigen Berner Beamtenkasse KPT sorgte Ende 2011 für Aufsehen. Für das Teilzeitamt bezog Jenny 2012 eine Entschädigung von 160 000 Franken.

Intern war er umstritten, sickerte durch. Im vergangenen April trat er zurück. Erhalten bleibt Jenny dem Kassenkonzern mit 400 000 Grundversicherten jedoch als Mitglied der Kollektivversicherung.

Das ist unüblich. Zwar erhalten VR-Mitglieder wie alle KPT-Mitarbeiter einen 50-Prozent-Rabatt auf Zusatzversicherungen. Der Rabatt für die Angehörigen beläuft sich gemäss Geschäftsleitungsmitglied Reto Egloff auf 25 Prozent.

Diese Konditionen sind branchenüblich. Wer die Firma verlässt, tritt automatisch aus dem Kollektivvertrag aus. Drin bleibt nur, wer bei der KPT in Rente geht.

Drin bleibt auch René Jenny und damit möglicherweise auch Angehörige. Jenny profitiert von einer neuen Regel, die der VR der KPT laut Egloff im Frühjahr eingeführt hat.

VR-Mitglieder sind seit 2012 nicht mehr Mitglieder der KPT-Pensionskasse. Damit gelten sie nach ihrem Austritt nicht als Pensionierte und damit als Kollektivversicherte. Egloff sagt: «Neu entscheidet der Verwaltungsrat, ob ein austretendes Mitglied, das älter als 60 Jahre ist, weiter kollektivversichert bleiben darf.»

Einsparung in fünfstelliger Höhe

Jenny durfte dies gemäss Informationen der «Nordwestschweiz». Es darf wohl angenommen werden, dass es sich eher um eine Privat- als um eine Halbprivatversicherung handelt. Sie beinhalten die Behandlung im Einbett- respektive Zweibettzimmer im Spital nach freier Wahl. Das kommentiert Egloff nicht. Ob und wie Jenny versichert ist, dürfe er aus Datenschutzgründen nicht sagen. Jenny wollte sich gegenüber der «Nordwestschweiz» dazu auf mehrfache Nachfrage nicht äussern.

Einige 10'000 Franken sind geschenkt

Eine Halbprivatversicherung kostet laut KPT-Prämienrechner einen 62-Jährigen monatlich 208, ein Privatzusatz 310 Franken. Ab dem 66. und dem 71. Altersjahr erhöht sich die Prämie um mehr als 60 respektive 90 Franken. Eine Ermässigung um die Hälfte schenkt auf Dauer ein. Wird Jenny 80 Jahre alt, spart er einige Zehntausende Franken.

Der Verwaltungsrat hat wohl eine Art «Lex Jenny» geschaffen. Der Verbleib in der Kollektivversicherung versüsste Jenny den Rücktritt wohl etwas. Das kritisiert Krankenversicherungsexperte Felix Schneuwly vom Prämienvergleichsdienst comparis.ch: «Diesen Rabatt zahlt das Zusatzversicherungskollektiv der KPT, also die ganz normalen Prämienzahler.»

Das sei zwar legal, strapaziere aber den Versicherungsgedanken: «Der KPT-VR darf einem ehemaligen Kollegen Geschenke machen. Aber nicht mit den Prämien der Versicherten.

Er hat kein Gespür für die Befindlichkeit der Leute.» SP-Nationalrat Jean-François Steiert fordert deshalb Transparenz über sämtliche Formen der Vergütung bei Kassen, also auch über Rabatte auf firmeneigenen Produkten: «Das würde wohl dazu führen, dass der eine oder andere auf solche Vergünstigungen verzichtet.»

Ex-BAG-Chef Zeltner jetzt Präsident

Das hat ein «Gschmäckle». Die KPT erlitt vor Jennys Amtsübernahme wegen der Affäre um ein Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm einen Reputationsschaden. Es hätte VR-Mitgliedern und Top-Kadern einen Millionengewinn gebracht.

Der VR, der die neue Regel für den Verbleib von ausscheidenden Mitgliedern im Kollektivvertrag abgenickt hat, präsidiert Thomas Zeltner. Er sollte sich bewusst sein, dass sich die KPT in Sachen guter Geschäftsführung vorbildlich verhalten müsste.

Zeltner war als Direktor des Bundesamts für Gesundheit einst auch für die Kassenaufsicht zuständig. Im noch sensibleren Bereich der obligatorischen Grundversicherung.