Lohn
Verwirrung um Guy Lachappelle: Wie viel verdient der neue Raiffeisen-Präsident?

Der neue Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle soll keine Million verdienen – aber mehr als sein Vorgänger. Ein Grund dafür ist das höhere Arbeitspensum.

Beat Schmid
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Guy Lachappelle will neuer Raiffeisen-Präsident werden.

Guy Lachappelle will neuer Raiffeisen-Präsident werden.

Keystone

Der designierte Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle soll «knapp eine Million Franken» verdienen, schrieb die «Sonntagszeitung». Sein Salär würde damit doppelt so hoch ausfallen wie dasjenige seines Vorgängers Johannes Rüegg-Stürm. Auf Anfrage dementiert die Bank den Bericht: Das Honorar von Guy Lachappelle werde «ganz sicher nicht bei einer Million Franken liegen», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Wie viel es genau sein wird, lässt die Bank jedoch offen.

Die Höhe seiner Entschädigung wird derzeit offenbar intern verhandelt. Die Verhandlungen gleichen einem Hochseilakt. Der Hintergrund: Lachappelle verdiente als CEO bei der Basler Kantonalbank rund 1,2 Millionen Franken. Weil er nun zu einer Konkurrenzbank wechselt, wird ihm der Bonus fürs laufende Jahr gestrichen. Das ist in der Finanzbranche so üblich. Im Jahr 2017 betrug sein Bonus 376'900 Franken.

«Zahlungen nicht vorgesehen»

Meist kompensieren Banken entfallene Boni von Kaderleuten, die sie von der Konkurrenz abwerben. Letzte Woche gab die Genossenschaftsbank allerdings zu Protokoll, dass sie dies nicht tun werde. Eine Sprecherin sagte konkret: «Weder hat Guy Lachappelle eine Upfront-Zahlung verlangt, noch leistet Raiffeisen solche Zahlungen.» Auf die Nachfrage, ob Raiffeisen «in keiner Weise» die Boni kompensieren werde – weder durch «über mehrere Jahre verteilte Zahlungen» oder auf «irgendeine andere Weise», hielt Raiffeisen fest: «Solche und ähnliche Zahlungen sind nicht vorgesehen.»

Erst eine zweite Nachfrage brachte ein wenig Licht ins Dunkel. Lachappelle werde nicht wie sein Vorgänger mit einem 50-Prozent-Pensum beginnen, sondern das Mandat werde «in Übereinstimmung mit den Erwartungen der Finma als Hauptmandat ausgestaltet». Langfristig sei das Präsidium aber kein «Vollzeitmandat». Es ist also davon auszugehen, dass Lachappelle zunächst zu 100 Prozent arbeiten wird, später weniger. Genauso wie sein Arbeitspensum dürfte auch sein Salär variabel ausfallen. Die Bank bestätigt: «Das Arbeitspensum hat einen Einfluss auf die Höhe der Vergütung.»

Aber auf eine Millionen Franken, wie dies die «Sonntagszeitung» schrieb, werde sein Honorar nicht kommen. «Was stimmt, ist: Es ist ein Hauptmandat, welches in einem höheren Pensum als das des Vorgängers mündet. Infolgedessen dürfte die Vergütung auch etwas höher liegen, aber ganz sicher nicht bei einer Million.» Weitere Angaben konnte Raiffeisen nicht machen. Das Vergütungsreglement sei derzeit in Überarbeitung und werde erst an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung diskutiert.

Kein Vertrauensbonus

Es ist davon auszugehen, dass die Speziallösung für Lachappelle nicht bei allen Delegierten gut ankommen wird. «Der Verwaltungsrat macht hier eine sehr unglückliche Figur», sagt eine hochrangige Quelle. «Hier wird Vertrauen zerschlagen, das Lachappelle gar nicht hat.» Nach alldem was bei Raiffeisen geschehen sei, hätte man erwarten können, dass Lachappelle zu den Konditionen seines Vorgängers einsteigt, also mit einem 50-Prozent-Mandat – selbst wenn er zu Beginn mehr dafür arbeiten müsse, so die Quelle.