Games: Ein Augenschein der neuen Konsole

Am 3. März erscheint Nintendos neuste Konsole namens Switch. Jetzt konnte man sich einen ersten Eindruck davon verschaffen.

Federico Gagliano, Berlin
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Das Kampfspiel «Arms» erscheint im Frühling 2017 für die Switch. (Bild: Ronald Wittek/EPA (Offenbach, 13. Januar 2017))

Das Kampfspiel «Arms» erscheint im Frühling 2017 für die Switch. (Bild: Ronald Wittek/EPA (Offenbach, 13. Januar 2017))

Passender könnte der Name nicht sein – Switch (Englisch für wechseln) steht genau dafür: ein Wechsel bei Nintendo. Und zwar nicht nur im buchstäblichen Sinn, da man die Konsole von der Heimversion in eine portable Variante umwandeln kann, sondern auch im übertragenen: Mit der Switch versucht Nintendo, Fehler aus der Vergangenheit vergessen zu machen.

Unter anderem sollen zwei Dinge geändert werden, die dem Vorgängermodell Wii U zum Verhängnis wurden: zu wenige Spiele und schlechter Online-Service. Um das erste Problem zu bekämpfen, hat sich Nintendo die Unterstützung von grossen Videospielfirmen wie Activision, Electronic Arts und Bethesda geholt. Das zweite Problem soll mit einem bezahlten Service gelöst werden, der Online-Features auf dem Niveau der Konkurrenz liefern soll. Ob Nintendo die Lektionen wirklich gelernt hat, bleibt aber offen. Vergangenen Mittwoch wurde die Konsole in Berlin der Presse zugänglich gemacht – gezeigt wurden aber nur die Hardware und eine Handvoll Spiele. 

Individuell und innovativ

Der erste Eindruck beweist, dass zwei Grundkonzepte von Nintendos Philosophie nach wie vor vorhanden sind: Innovation und Individualität. Die Switch versucht gar nicht erst, mit den Konkurrenten Playstation und Xbox mitzuhalten, sondern fährt eine eigene Schiene. Statt auf hoch auflösende Grafiken zu setzen, wird auf besondere Spielerlebnisse gesetzt. Erlebnisse, die neu auch vom Wohnzimmer nach draussen mitgenommen werden können. Steckt man die beiden Controller, Joy-Cons genannt, an den dazugehörigen Bildschirm, wechselt das Geschehen innert Sekunden vom Heimfernseher auf den portablen Screen. Diese Schnelligkeit wurde zwar erwartet, da es sich um eines der Hauptfeatures der Switch handelt, bleibt aber trotzdem bemerkenswert.

Wechsel der Switch von der Heimkonsole zum portablen Modus. (Bild: Federico Gagliano / LZ)

Wechsel der Switch von der Heimkonsole zum portablen Modus. (Bild: Federico Gagliano / LZ)

Die beiden Joy-Cons können getrennt als separate Controller fungieren, sowohl zu Hause als auch unterwegs. Der portable Screen kann mit einem Fuss aufgestellt werden. Zwar liefert der 6,2 Zoll grosse 720p-Bildschirm nicht die gleiche Qualität wie ein HD-Fernseher, ist aber ein klarer Fortschritt gegenüber Nintendos letzter portablen Konsole, der 3DS. Ein Makel ist die Grösse der Joy-Cons – die winzigen Controller liegen über längere Zeit unbequem in der Hand. Alternativen wie der separat erhältliche Pro Controller kosten rund 75 Franken.

Mario Kart 8 Deluxe im portablen Modus der Switch. (Bild: Federico Gagliano / LZ)

Mario Kart 8 Deluxe im portablen Modus der Switch. (Bild: Federico Gagliano / LZ)

Ein Feature der Switch, welches bisher fast gänzlich ignoriert wurde, ist die neue HD-Vibrationstechnologie. Während man sich bisher nur darauf beschränkte, Spielern kleine Feedbacks mittels Vibrationen zu geben, können die Joy-Cons sehr differenzierte Eindrücke vermitteln. Eines der Minispiele in der Spielesammlung «1,2 Switch», einer der Starttitel der Konsole, veranschaulichte dies besonders gut. Ziel ist es, die Anzahl Kügelchen innerhalb einer Holzbox zu erraten. Dabei simuliert der Joy-Con die Box. Durch sorgfältiges Drehen spürt der Spieler jedes einzelne der Kügelchen, die eigentlich gar nicht da sind – ein fast surreales Erlebnis. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Konkurrenz diese Technik kopiert – gerade im Bereich der virtuellen Realität ist grosses Potenzial vorhanden. Noch offen ist, ob die Switch auch für längere Trips geeignet ist. Nintendo schraubt die Erwartungen zurück: Die Switch sei primär als Heimkonsole konzipiert.

Demonstration der Switch HD-Vibrationstechnologie. (Bild: Federico Gagliano / LZ)

Demonstration der Switch HD-Vibrationstechnologie. (Bild: Federico Gagliano / LZ)

Düsterer sieht es bei der Software aus – zumindest beim Start: Rund ein Dutzend Spiele erscheinen am 3. März. Nur zwei davon stammen von Nintendo selbst: «1,2 Switch» und «The Legend of Zelda: Breath of the Wild». Ersteres besteht aus einer Sammlung Minispiele, in denen die Joy-Cons verschiedene Rollen übernehmen: Mal geht es darum, Revolver zu ziehen, mal darum, Kühe zu melken. Als Kinderbeschäftigung oder für feuchtfröhliche Abende unter Freunden sicher geeignet, aber an sich kein Titel, um den sich Spieler reissen werden.

Anders sieht es bei Zelda aus: Neben Mario geniesst diese Reihe eine treue Fangemeinde, die sehnsüchtig auf das nächste Kapitel der Saga wartet. Die 20-minütige Demo beim Event bewies, dass Nintendo auch hier den Mut hat, die Formel etwas neu durchzumischen. Die Einflüsse anderer erfolgreicher Rollenspiele wie «Minecraft» oder «Skyrim» lassen sich nicht von der Hand weisen. Ausserdem scheint das Spiel in Grösse und Umfang ganz neue Dimensionen zu erreichen. Den meisten Fans reicht dieser Titel als Kaufgrund.

Abwarten lohnt sich

Am Event in der Motorwerk-Halle waren die Meinungen gespalten. Gamer, die sich mehrere Konsolen leisten können, werden nicht zögern. Für Gelegenheitsspieler bietet die Switch beim Start aber noch zu wenig, um zum Kauf zu überzeugen. Für sie lohnt es sich, die wenigen Monate bis zum Start von Titeln wie «Mario Kart 8 Deluxe» oder «Arms» zu warten. Empfehlenswert ist die Konsole sicherlich für Familien: Wie schon ihre Vorgänger ist die Switch eine der zugänglichsten Konsolen, unabhängig von der Erfahrung mit Videospielen.