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VIDEOSPIELE: Star unter Schweizer Game-Entwicklern

Die 27-jährige Zürcherin Philomena Schwab ist laut «Forbes» eines der 30 wichtigsten Tech-Talente Europas. Ein Jobangebot aus dem Silicon Valley hat sie abgelehnt – ganz bewusst.
Michael Benzing
Szene aus dem von Philomena Schwab entwickelten Spiel «Niche». (Bild: PD)

Szene aus dem von Philomena Schwab entwickelten Spiel «Niche». (Bild: PD)

Interview: Michael Benzing

Philomena Schwab, Sie wurden vom US-Magazin ­«Forbes» zu einem der 30 wichtigsten Jungtalente Euro­pas im Tech-Bereich gewählt. Was bedeutet Ihnen das? Brachte Ihnen das bereits Vorteile oder Veränderungen?

Ich habe mich sehr über die ­Ehrung gefreut. Es gab einen Medienrummel, und ich habe sogar ein Jobangebot aus dem Silicon Valley erhalten.

Werden Sie es annehmen?

Nein. Ich werde auf jeden Fall in der Schweiz bleiben, um unser frisch gegründetes Game-Studio weiter aufzubauen.

Wer hat Sie für die «Forbes»-Nominierung vorgeschlagen?

Nach einem offiziellen Aufruf von «Forbes» haben sich einige meiner Freunde und Bekannte die Zeit genommen, mich zu nominieren. Danke dafür. Der Hauptgrund für die zahlreichen Nominationen ist vermutlich auf meine zahlreichen Projekte zurückzuführen. Ich versuche, die lokale und die internationale Game-Entwickler-Szene voranzubringen.

Sie gehören zu den Aushängeschildern der Schweizer Spieleentwickler-Szene. Wie kamen Sie selbst zum Gamen?

Angefangen hat alles, als ich zu meinem neunten Geburtstag ­einen Gameboy mit Pokémon geschenkt bekommen habe. Seither bin ich durch viele digitale Welten geflogen, gefahren, geschlichen, gesprungen und geritten.

Sie entwickeln Games, halten Vorträge, initiieren Events und sind ausserdem im Vorstand der Swiss Game Deve­lopers Association aktiv. ­Kommen Sie überhaupt noch selbst zum Spielen?

Ab und zu schon, ja. Ich tarne das dann gerne als Recherche.

Was muss ein Videogame haben, um Sie zu überzeugen?

Es muss auf irgendeine Art einzigartig sein. Sei es durch eine einzigartige Story, eine spannende neue Game-Mechanik oder einen speziellen Controller.

Mit «Niche» haben Sie ein Spiel entwickelt, bei dem es um Ressourcenverschwendung geht. Die Spieler müssen sich der Natur anpassen und nicht umgekehrt. Gehört eine gesellschaftliche Botschaft für Sie mit dazu?

Ich würde es eher eine Philosophie nennen. Spielwelten gefallen mir zu Beginn eines Spiels oft am besten. Zum Beispiel die Anno- und Siedlerspiele. Nachdem ich einige Stunden mein ­Unwesen darin getrieben habe, fange ich lieber nochmals von vorne an und geniesse wieder eine frische, schöne Welt.

Woher holen Sie sich die Inspiration für die Handlungen Ihrer Spiele?

«Niche» ist ein Biologiespiel. Die meisten unserer Inspirationen kommen direkt aus der Natur. Wir schauen uns sehr viele Dokumentarfilme an und übersetzen spannende Inhalte in Game-Inhalte.

Die Schweizer Spieleentwickler-Szene ist sehr aktiv und auch sehr kreativ. Ausser dem überaus erfolgreichen Landwirtschaftssimulator schaffte aber kaum ein Titel den internationalen Durchbruch. Warum ist das so?

Es gab in den letzten Jahren einige Studios, die es international geschafft haben, so etwa Blindflug Studios und Urban Games. Ich stimme allerdings zu, dass es noch öfter passieren dürfte. Vielen Schweizer Game-Entwicklern geht es vor allem darum, etwas Besonderes zu schaffen. Markttauglichkeit ist dann oft weniger das Thema.

Wo sehen Sie die Probleme der Schweizer Entwickler?

Es fehlt an Geld und Erfahrung. Schweizer Investoren scheuen sich noch vor Game-Projekten, und es bräuchte dringend mehr Fördergelder, die direkt in Projektentwicklung fliessen. Ausserdem brauchen wir mehr erfahrene Leute, die in Produktions- und Vermarktungsfragen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wie ist das in Ihrem «Niche»-Projekt?

Wir haben zu Beginn unserer Arbeit an «Niche» einen kleinen Förderbetrag erhalten, danach einen Kickstarter lanciert und eine kaufbare Vorversion ver­öffentlicht.

Sie selbst haben im vergangenen Sommer an der Zürcher Hochschule der Künste den Studiengang Game Design abgeschlossen. Welche Rolle spielen die Hochschulen im Prozess?

Eine wichtige. Es ist sehr inspirierend, von Gleichgesinnten umgeben zu sein. «Niche» entstand ursprünglich als Bachelorarbeit.

Die Schweiz besitzt mit der Ludicious und der Basler Fantasy bereits zwei Branchenshows. Im Herbst kommt erstmals die Zurich Games Show hinzu. Was bedeutet das für die Schweizer Szene?

Je mehr Aufmerksamkeit und Goodwill von der Bevölkerung, desto besser. Games werden ­dadurch immer salonfähiger und stärker als Medium wahrgenommen. Hoffentlich merken so auch die Politiker, dass es sich um eine unterstützenswerte Branche handelt.

Sie rechnen sich der Indie-Szene zu. Wird das weiterhin der Weg in der Schweiz sein, Spiele zu entwickeln?

Aktuell auf jeden Fall. Es kann aber gut sein, dass es in Zukunft mehr grössere Studios geben wird. Ich weiss allerdings nicht, ob ich möchte, dass unseres eines davon wird.

Warum?

In einem kleinen Team seine eigenen, experimentellen Visionen umzusetzen, hat seinen eigenen Charme. Grosse Studios können oft keine zu grossen Risiken eingehen und halten sich darum an Bekanntes.

Wie wird sich die Schweizer Szene in Zukunft entwickeln?

Auf jeden Fall wird sie weiterwachsen und neue Erfolge verzeichnen. Virtual Reality wird wahrscheinlich weiterhin ein Fokus bleiben, aber auch die Entwicklung von Mobile Games.

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