Vincenz-Rücktritt: Schritt kommt viel zu spät

Redaktor Stefan Borkert über den Rücktritt von Pierin Vincenz bei Helvetia.

Stefan Borkert
Merken
Drucken
Teilen
Stefan Borkert (Bild: PD)

Stefan Borkert (Bild: PD)

Pierin Vincenz hat der Versicherung Helvetia ein Weihnachtsgeschenk gemacht. Seit die Finanzmarktaufsicht gegen ihn ermittelt, ist er in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, musste sich Kritik anhören, teils berechtigt, teils nicht. Formal gesehen hat er sich wohl kaum etwas zuschulden kommen lassen, sind die Weichen richtig gestellt worden. Doch der einstige Rockstar der Bankenszene hat an Glanz stark ein­gebüsst. Vincenz hat sich als Raiffeisen-Chef mutig, inno­vativ und zugleich volksnah gezeigt. Ganz im Sinne der Raiffeisen-Philosophie war er ein Bankdirektor, der bodenständig daherkam, aber auch Visionen entwickelte und tatkräftig, manchmal auch hemdsärmelig in Angriff nahm.

Das private Engagement von Vincenz mit einer 15-prozentigen Beteiligung an der Raiff­eisen-Tochter Investnet wird von der Finma unter die Lupe genommen. Die Aduno-Gruppe hat vor einem Monat ebenfalls eine Untersuchung zu Geschäften von Vincenz in die Wege geleitet. Längst hätten bei ihm also die Alarmglocken läuten müssen, wenn er noch sein viel beschworenes Ohr für Volkes Stimme gehabt hätte. Denn die Vorgänge, und mögen sie formaljuristisch noch so einwandfrei sein, haben einen schalen Beigeschmack.

Spätestens als die Finma ihre Untersuchung angekündigt hat, hätte Vincenz seine Ämter ruhen lassen müssen. Der jetzige Schritt kommt deshalb zu spät und vermittelt den Eindruck einer Salamitaktik. Der Rücktritt des ehemals hoch gelobten Vincenz fällt in eine Zeit, in der auch andere sich schwertun, einfach den Rücken durchzustrecken und erhobenen Hauptes ihre Ämter zu Gunsten der Glaubwürdigkeit, Integrität und Verantwortung abzugeben.

Stefan Borkert

wirtschaft@luzernerzeitung.ch