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Raiffeisen Banken: Der Fall Vincenz
verscheuchte bisher keine Kunden

Die Raiffeisen Schweiz hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Den Bankgeschäften der Genossenschaften in Luzern, Ob- und Nidwalden haben die schwerwiegenden Verdachtsmomente gegen Ex-Chef Pierin Vincenz indes nicht geschadet.
Rainer Rickenbach
Geniessen nach wie vor das Vertrauen der Kunden (von links): Bruno Polli (NW), Kurt Sidler (LU) und Oliver Britschgi (OW). (Bild: Dominik Wunderli)

Geniessen nach wie vor das Vertrauen der Kunden (von links): Bruno Polli (NW), Kurt Sidler (LU) und Oliver Britschgi (OW). (Bild: Dominik Wunderli)

Wie sie selbst seien viele Genossenschafter und Kunden verärgert über die mutmasslichen Machenschaften des früheren Raiffeisen-Schweiz-Chefs Pierin Vincenz. So skizzierten die drei Führungsleute des Raiffeisen-Genossenschaftverbundes der Kantone Luzern (Kurt Sidler), Nidwalden (Bruno Poli) und Obwalden (Oliver Britschgi) am Donnerstag an ihrem Medientermin die Stimmungslage an der Basis der drittgrössten Schweizer Bank.

«Doch die Kunden erkannten: Da hat eine Person an der Spitze nicht sauber gearbeitet. Die einzelnen Genossenschaften an der Basis aber kümmern sich seriös um die Kunden»,

sagte der Luzerner Verwaltungsratspräsident Sidler. Von bestehenden Kunden, die wegen der vermuteten Selbstbereicherungen und Klientelwirtschaft Vincenz’ den Genossenschaften den Rücken gekehrt haben, waren den Luzernern und Obwaldnern keine konkreten Fälle bekannt. Der Nidwaldner Verwaltungsratspräsident Poli sagte: «Bei uns brachen zwei Kunden ihre Geschäftsbeziehungen ausdrücklich mit dem Hinweis auf Vincenz ab.»

Kunden bringen mehr Geld zur Bank

Kein Vergleich also mit dem massiven Kundengeldabfluss, dem sich vor elf Jahren mehrere Banken bei der Finanzkrise ausgesetzt sahen und von dem ausgerechnet die Raiffeisen-Gruppe fortan profitierte. Bei der Genossenschaftsbank war trotz Vincenz zumindest in Luzern, Nid- und Obwalden sogar das Gegenteil der Fall: Die Kundeneinlagen stiegen im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent. Insgesamt 11,8 Milliarden Franken haben die Genossenschafter und weiteren Kunden den Raiffeisen-Geschäftsstellen der drei Kantone anvertraut. Sidler unterliess es nicht, den beachtlichen Zuwachs für Eigenwerbung zu nutzen: «Es handelt sich um einen Vertrauensbeweis.»

Leerstand heisst nicht leer

«Einen Immobilienmarkt Schweiz gibt es nicht», sagt Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff. Was er damit am Medientermin der Genossenschaften Luzern, Nid- und Obwalden zum Ausdruck brachte: Der Markt mit den Eigenheimen und Mietwohnungen ist stark fragmentiert. Er kann sich von Ort zu Ort, teilweise sogar von Quartier zu Quartier recht stark unterscheiden. Selbst die Leerstandquoten helfen bei Analysen nicht wirklich weiter. Sie geben zum Beispiel nicht zu übertriebener Sorge Anlass, wenn das Bevölkerungswachstum ordentlich und die Zahl der Baugesuche überschaubar ist. In Greppen oder Büron ist gemäss Neffs Zahlen die Angst vor leer stehenden Gründen indes berechtigt. In Rothenburg, Schwarzenberg oder Horw hingegen stehen die Chancen sehr gut, Mieter zu finden. Zu den Gemeinden mit guten Aussichten zählen auch Beckenried, Sarnen und Sachseln. Weniger gut kommen Hergiswil und Lungern weg. Neff bestätigt den Trend, dass wegen der sinkenden Angebotsmieten immer mehr Mieter Altbauwohnungen verlassen und in Neubauten umziehen (Ausgabe vom Mittwoch). «Dieser Trend nimmt in der ganzen Schweiz Fahrt auf und führt zu mehr leer stehenden Altwohnungen.»Der Preisunterschied zwischen Neu- und Altbauten beziffert er auf 20 bis 25 Prozent.

Auch die andern Zahlen des zurückliegenden Geschäftsjahres zeigen fast alle nach oben. So sehr, dass der Regionalverbund Luzern, Ob- und Nidwalden ein Jahresergebnis in der Höhe von 66 Millionen Franken erzielte – das sind 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie zuvor in der Geschichte des Verbundes. Der Jahresgewinn beläuft sich auf 16,3 Millionen Franken, was einem Wachstum von 6,1 Prozent gleichkommt.

Die Kundenausleihungen stiegen um 500 Millionen Franken auf 12,5 Milliarden Franken. Der Löwenanteil davon entfällt auf das Kerngeschäft mit den Hypothekarkrediten, bei dem die Genossenschaften um 4,4 Prozent zulegten und weitere Marktanteile gewonnen haben dürften. Die Risiken der Expansion schätzt Sidler als gering ein. «Die Neubildung von Wertberichtigungen für Ausfallrisiken von 0,1 Prozent ist im Verhältnis zu den Kundenbeziehungen sehr tief.» Der Genossenschaftsverbund hat 167 000 Mitglieder und beschäftigt in seinen 18 selbstständigen Genossenschaftsbanken gut 600 Mitarbeitende.

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