Optikermarkt
Visilab nimmt mit neuer Billigkette Fielmann ins Visier

Der Westschweizer Brillenverkäufer Visilab will mit dem neuen Hauptaktionär aus Holland 76 neue Filialen eröffnen und 400 Stellen schaffen.

Benjamin Weinmann
Drucken
Die Optiker-Gruppe Visilab hat im Geschäftsjahr 2018 einen Bruttoumsatz von 264 Millionen Franken erzielt. (Archiv)

Die Optiker-Gruppe Visilab hat im Geschäftsjahr 2018 einen Bruttoumsatz von 264 Millionen Franken erzielt. (Archiv)

KEYSTONE/URS JAUDAS

Visilab-Chef Daniel Mori hat eine klare Vision: Er will dem deutschen Billigoptiker Fielmann hierzulande Kunden abjagen. Heute betreibt die Genfer Gruppe, zu der auch der Linsenverkäufer Linsenmax und die Premiumkette Koch Optik gehört, 100 Verkaufsstellen. Fielmann bringt es auf rund 40. Doch dieser Vorsprung reicht Mori nicht. Er möchte das Visilab-Netz ausbauen – und zwar massiv. «In den nächsten fünf Jahren haben wir uns zum Ziel gesetzt, 76 neue Filialen zu eröffnen.»

Davon sollen 19 unter dem Namen Visilab entstehen und 21 unter dem Namen Koch Optik. Der Löwenanteil – 36 Geschäfte – entfällt auf die neu gegründete Discountkette «+Vision», die mit kompletten Brillen ab 49 Franken wirbt. «Damit konkurrieren wir natürlich Fielmann», sagt Mori. In Genf hat Visilab zuletzt zwei «+Vision»-Filialen getestet, die laut Mori erfolgreich waren. Noch dieses Jahr sollen erste Geschäfte der neuen Kette in der Deutschschweiz eröffnet werden.

Hinter dem neuen Fünfjahresplan steht auch die holländische Optikerfirma Grandvision, die Nummer eins im europäischen Brillenmarkt. Sie übernahm 2017 die Mehrheit an der Visilab-Gruppe von der Genfer Familienholding PP, die Mori vertritt. Die PP Holding behält bis heute eine Minderheitsbeteiligung. An dieser wolle man auch in Zukunft festhalten, sagte Mori bei der gestrigen Präsentation der Jahreszahlen. 2018 konnte Visilab mit seinen knapp 960 Mitarbeitern den Umsatz um 5 Prozent auf 264 Millionen Franken steigern. Mit der Expansionsstrategie sollen rund 400 zusätzliche Stellen geschaffen werden.

Um an neue Standorte zu gelangen, schliesst Mori nicht aus, auch Übernahmen bestehender Optikergeschäfte zu tätigen. In erster Linie plane man aber eigene Neueröffnungen, auch weil die aktuelle Situation günstig sei. «Seit rund zwei Jahren beobachten wir, dass es einfacher geworden ist, gute Lagen zu bezahlbaren Mietpreisen zu erhalten.» Der Onlineboom mache sich zunehmend bemerkbar, da viele Geschäfte aufgeben müssten. Ein Trend, der bisher den Optikermarkt mehrheitlich verschont hat.

Möglicher Stolperstein

Allerdings hat der deutsche Online-optiker Mister Spex kürzlich angekündigt, mehr als 100 Filialen im deutschsprachigen Raum eröffnen zu wollen. Auch der Markteintritt in die Schweiz wird ins Auge gefasst, wie die Redaktion CH Media berichtete. Mori gibt sich gelassen. Er verweist auf die Eigenschaften der Schweiz mit anspruchsvollen Regulierungen und den verschiedenen Landessprachen, die einen Markeintritt erschweren dürften.

Allerdings sieht Mori einen Stolperstein für die eigenen Expansionspläne. Denn der Markt ist mit einem Fachkräftemangel konfrontiert. Bis 2012 anerkannte der Bund gleichwertige Optikerdiplome aus Deutschland und Frankreich. Doch in den letzten Jahren wurde die Anerkennung verweigert. Beim Bundesverwaltungsgericht sind Berufungen der hiesigen Optiker hängig.