Fashion Days

Vögele Mode: Viel Geld für Glamour, wenig für die Näherinnen

Aktivisten werfen Charles Vögele vor, Näherinnen in Bangladesch auszubeuten. Beim Schweizer Modehaus sei die Diskrepanz zwischen dem aufwändigen Marketing und dem mangelnden Einsatz für die Näherinnen besonders krass.

Sven Zaugg
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Selbst Modekritiker sind sich uneins, ob die Charles Vögele Fashion Days dem Schweizer Modehaus neuen Schub verleihen. Die Journaille durfte sich zwar mit der hübschen Mónica Cruz verlustieren, die, so sagt man, eigentlich Schauspielerin sei, allerdings ohne, dass man die Spanierin hierzulande wahrgenommen hätte. Indessen kennt der Kinogänger ihre Schwester Pénelope, die bereits diesen Sommer die Zürcher Vögele-Filiale beehrte. Die beiden entwarfen für den Textilhersteller eine Kollektion namens «Biaggi Violett». Für die Marketing-Kampgange mit den Cruz Schwestern - davon ist auszugehen - hat das Modehaus einiges springen lassen. Selbst Vögele-Chef André Maeder bezeichnet die Charmeoffensive als teuer.

Viel zu tiefe Löhne

Weniger Aufwand betreibt das Schweizer Modehaus offenbar, wenn es um die Herstellung ihrer Textilien in Indien, Bangladesch oder Kambodscha geht. Wie die Mehrheit der Kleiderfirmen zahlt Vögele in den Zulieferbetrieben nur die gesetzlichen Mindestlöhne, obwohl sie in ganz Asien kein menschenwürdiges Leben ermöglichten, schreibt die NGO «Erklärung von Bern» (EvB) in einer Pressemitteilung. «Näherinnen aus Zulieferbetrieben von Charles Vögele haben uns gesagt, dass sie regelmässig sehr lange Überzeit leisten müssen und viel zu tiefe Löhne erhalten», berichtet Anannya Bhattacharjee bei einem Arbeitsbesuch mit der NGO in Zürich. Sie fungiert als globale Koordinatorin der «Asia Floor Wage»-Allianz (AFW) (siehe Box).

Asia Floor Wage Campaign

Unter dem Dach der Asia Floor Wage Campaign (AFW) kommen Arbeitsrecht-Organisationen aus Indien, Bangladesch, Kambodscha, Indonesien, Sri Lanka, Thailand, China und Hong Kong zusammen. Auch NGOs und Gewerkschaften aus den USA und Europa haben sich angeschlossen, darunter die Clean Clothes Campaign (CCC). Gemeinsam haben die Organisationen einen Lohn ausgerechnet, der existenzsichernd ist - den Existenzlohn. Das Besondere: Er ist über die Ländergrenzen hin vergleichbar, gilt also für die gesamte asiatische Textilbranche. (sza)

Vögele delegiert die Lohnverantwortung

Am Hauptsitz des Modehauses in Pfäffikon wiegelt man ab. Charles Vögele erwarte von allen Lieferanten, dass soziale Mindeststandards bei der Erstellung der Ware eingehalten und die Mitarbeitenden geschützt würden, sagt Pressesprecherin Esther Fuchs auf Anfrage und fügt an: «Die Festsetzung von Lohngrenzen obliegt vollumfänglich den nationalen Behörden.» Mit anderen Worten: Vögele delegiert die Lohnverantwortung an Produktionsländer, deren Arbeitsrecht auf, gelinde gesagt, schwachen Beinen steht und die Sorgen der Näherinnen wohl kaum ernst nimmt.

Was die Arbeitsbedingungen in Bangladesch angeht, so ist es allerdings nicht das Schweizer Modehaus allein, das wegen einer zu geringen Bezahlung von Näherinnen in der Kritik steht. Auch grosse Modekonzerne wie Hennes & Mauritz, Zara, Levi Strauss und Tommy Hilfiger oder Handelsriesen wie Wal-Mart, Metro und Carrefour lassen in dem Billiglohnland fertigen. Die Textilbranche ist nach der Landwirtschaft der grösste Arbeitgeber und beschäftigt rund 2,5 Millionen Menschen, die meisten von ihnen sind Frauen.

Strassenschlachten in Bangladesch

Business Social Compliance Initiative

Die BSCI ist ein europäischer Zusammenschluss von Unternehmen aus dem Einzelhandel, der die Einhaltung sozialer Standards in allen Zuliefererländern gewährleisten soll. Im März 2003 wurde die Initiative durch den europäischen Außenhandelsverband Foreign Trade Association (FTA) ins Leben gerufen. Seit ihrer Entstehung ist die Initiative von der zuständigen EU-Kommission anerkannt und wird seit dem Jahr 2005 aktiv mit Fördergeldern unterstützt. (sza)

Derweil mündet der Kampf um gerechte Löhne in Bangladesch in heftigen politischen Auseinandersetzungen. Diesen August kam es in der Hauptstadt Dhaka immer wieder zu Strassenschlachten zwischen der Polizei und Textilarbeitern, die sich für höhere Löhne einsetzten.