Baubranche
Von Bauboom profitieren nicht alle gleich

Bauunternehmen haben noch volle Bücher. Ob und wie gut sich die Schweizer Baufirmen vom Boom eine Scheibe abschneiden können, hängt auch davon ab, wie zyklisch ihr Geschäft ist.

Matthias Niklowitz
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Vor einem Jahr war hier noch eine Wiese: Neubauten von Wohnungen in Aarau. Mathias Marx

Vor einem Jahr war hier noch eine Wiese: Neubauten von Wohnungen in Aarau. Mathias Marx

Aargauer Zeitung

Kräne, so weit das Auge reicht: Die Baubranche in der Schweiz boomt. Die Produktion im Baugewerbe stieg um 1,9 Prozent, der Umsatz gar um 2,8 Prozent. Der milde Winter dürfte die erhöhte Bautätigkeit vielerorts begünstigt haben, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte.

Allerdings profitieren nicht alle Unternehmen gleich vom Boom. Der Raumklima-Spezialist Zehnder beispielsweise meldete gestern einen Rückgang beim Radiatorengeschäft in der Schweiz und in Deutschland. Dabei waren diese beiden Länder gemäss Marktstudien die einzigen Boommärkte in Europa bei Privatimmobilien. Oder Holcim: Der Marktdruck in der Schweiz war unvermindert hoch. Grund waren laut dem Unternehmen Importe aus den Nachbarländern sowie der Preisdruck.

Viele Faktoren im Spiel

Umgekehrt meldete Arbonia Forster, ebenfalls spezialisiert auf Gebäudetechnologie und in einem Umbauprozess stehend, im Kerngeschäft mit Schwerpunkt Schweiz und Deutschland einen gehaltenen Umsatz und leicht verbesserte Margen. Oder Sika: Das Management sah diese Woche kaum Anzeichen einer Abschwächung auch in den aufstrebenden Märkten, die seit letztem Spätsommer von Währungsturbulenzen betroffen sind. Laut Sika-Chef Jan Jenisch waren die Turbulenzen ein Phänomen der Finanzmärkte – und weniger der Bauwirtschaft.

Ob und wie gut sich die Schweizer Baufirmen vom Boom eine Scheibe abschneiden können, hängt neben der regionalen Ausrichtung einerseits davon ab, wie zyklisch ihr Geschäft ist. Das heisst, wie stark sie die Auf- und Abschwungphasen mitmachen. Andererseits gibt es Unternehmen, die früh vom Bauboom profitieren und damit «Frühzykliker» sind. Andere sind dafür «Spätzykliker».

Zehnder, Metall Zug (Haushaltapparate) und der Lift- und Rolltreppenkonzern Schindler zählen laut Analysten zu den schweizerischen Unternehmen, die wenig von den Boomphasen betroffen sind. Neue Heizradiatoren – Zehnder beschränkt sich nur auf solche Radiatoren, obwohl bei 90 Prozent der Neubauten Bodenheizungen eingebaut werden – werden meist im Rahmen von Renovationsarbeiten gebraucht. Und die unterliegen nicht dem Neubauzyklus. Auch Haushaltapparate werden nicht nur dann gekauft, wenn ein Neubau fertiggestellt wird. Und Schindler ist mit dem wachsenden Service-Geschäft in einer Spezialsituation.

Immobilienfirmen schwächeln

Metall Zug, Schindler, Geberit (Sanitäranlagen) oder Kaba (Schliesssysteme) gelten gleichzeitig auch als «Spätzykliker». Ihre Produkte sind später in Boomphasen gefragt. Früh im Zyklus dran sind Holcim- und Sika-Produkte. Wobei: Diese Konzerne dämpfen mit ihrer weltweiten Präsenz nicht nur das Auf und Ab. Sie profitieren auch davon, wenn Staaten in Krisen Konjunkturprogramme starten und Strassen bauen.

Aufschluss über die Baukonjunktur gibt der Baukonzern Implenia. Der meldete für dieses Jahr volle Auftragsbücher. Etwas beunruhigende Signale kommen von anderer Seite: Immobiliengesellschaften melden Probleme bei der Vermietung von teuren Wohnungen. Und Ledermann Immobilien, das im Oktober seinen Börsengang mangels Interesse absagen musste, verkaufte knapp die Hälfte des Portfolios an Swiss Life. Die Lebensversicherung schnappte sich aber vorwiegend die Perlen.