Weihnachtsverkauf
Von Krise und Sparen keine Spur

Ein Krisenjahr hat die Wirtschaft durchgeschüttelt. Gehts aber um Weihnachten, denken die Leute nicht ans Sparen – zumindest in Langenthal nicht. Sie zeigen sich in diesem Jahr kauffreudig.

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Julian Perrenoud

Abendverkauf, Sonntagsverkauf, Weihnachtsverkauf: Über mangelnde Arbeit können sich die Geschäfte in den Adventswochen nicht beklagen. Obschon die «Stärne-Wiehnacht» vergangenes Wochenende etwas weniger Leute anlockte als 2008 (siehe Kontext), sind die Langenthaler Detailhändler mit den Umsätzen zufrieden, wie eine Umfrage an mehreren Standorten zeigt. Im Ochsner Sport spüren die Angestellten wenig von zurückhaltenden Kunden. Dies war eher im Herbst der Fall, sagt Joel Krähenbühl, Verantwortlicher Skiwerkstatt und Schuhe.

Mehr Häuschen in der Farbgasse

Das Organisationskomitee des Weihnachtsmarktes zieht ein positives Fazit: «80 Prozent des Märits werden als gut gewertet», sagt OK- und Stadtvereinigungspräsident Daniel Bader. Der Besucheraufmarsch bestätige, dass ein Markt erwartet werde. Die Besucherzahlen liegen laut dem OK allerdings leicht unter den letztjährigen Zahlen. Erstmals wurde dieses Jahr auch die Farbgasse in den Markt miteinbezogen. Gemäss Rückmeldungen der dortigen Ladenbesitzer sei die Frequenz dadurch verbessert worden. «Hingegen waren die Aussteller in der Farbgasse nicht zufrieden.» Das OK habe dort wohl zu wenige Häuschen eingeplant - dies habe zu einer schwächeren Frequenz als in der Marktgasse geführt, so Bader. Weiter stellte das OK fest: «Die Festzelte mit den Ständen sind zu wenig ansprechend. Diese müssen weihnachtlicher geschmückt werden.» Nach der Kritik einiger Detaillisten im Vorfeld des Weihnachtsmarktes, organisiert die Stadtvereinigung am 21. Januar ein Forum zum Thema. Bader: «Auch die Kunden sind eingeladen, mitzudiskutieren.» (tg)

«Die Leute wollen trotzdem Geschenke kaufen und sie wollen Skifahren.» Gerade Skis und die Skikleider verkaufen sich gut. Dazu Helme, Panzer und Handschuhe. Als Weihnachtsgeschenk wählen die Kunden auch Fussbälle oder Hockeystöcke. Lief der erste Sonntagsverkauf im Ochsner Sport verhalten, zog derjenige vergangenes Wochenende umso mehr. Krähenbühl führt dies darauf zurück, weil fast alle Läden geöffnet hatten.

«Bisher sind die Umsätze super»

In der Buchhandlung Buchzeichen verkaufen sich gerade Bücher aus der Bestsellerliste gut. Wie «Die Hütte» - ein Roman über Nahtodterfahrungen. Daneben sind auch die regionalen Themenwerke «Oberaargau 2010» und «Unterwegs im Oberaargau» beliebt. Den letzten Sonntagsverkauf bezeichnet Buchhändlerin Iris Jäggi als erfolgreich: «Gerade die Signierstunde hat uns viele Kunden beschert.»

Umsatz-Einbussen gegenüber vergangenem Jahr konnte Jäggi bisher keine feststellen. Im Gegenteil: Die Adventskalender waren heuer eine Woche früher ausverkauft. «Die Menge war dieselbe. Wahrscheinlich hat sich herumgesprochen, dass wir eine grosse Auswahl haben.» Für 2010 will sich die Buchhandlung nun entsprechend wappnen.

Viel Zeit, um Auskunft zu geben, hatte die stellvertretende Filialleiterin von Blackout, Gabi Leuthard, nicht. Seit Anfang Woche läuft der Rambazamba-Ausverkauf - entsprechend kauffreudig zeigen sich die Kunden. Von Krise und Sparen keine Spur. Trotzdem, findet Leuthard, kauften diesen Winter eher diejenigen eine Skijacke, die sie auch wirklich brauchen.

Viel davon merken die Angestellten in der Filiale aber nicht. Jacken, Blazer und bereits die Mode für nächsten Frühling laufen gut. Ebenso die Verkäufe des Wochenendes - und besonders jene vom ersten Sonntag, 13. Dezember. Ob ein Produkt schlecht laufe, wusste Leuthard nicht. Dafür sei das Sortiment zu gross. «Aber die Umsätze sind bisher super.»

Sie warten auf den letzten Drücker

Gar keine Zeit findet die Geschäftsführerin von Regalino, Marianne Herzig; auch nach drei Anrufen gibt sie keine Auskunft über den Weihnachtsverkauf. Zu viel zu tun, so die knappe Antwort. Ein Blick am frühen Nachmittag in den Laden zeigt: Die Leute stehen vor der Kasse Schlange. Die Angestellten kommen kaum nach, einzukassieren und die Waren zu Geschenken zu verpacken.

Ähnlich ist die Situation bei Manor: Die Kunden kommen in Scharen. Geschäftsführer Urs Vetsch ist aufgefallen, dass sie in den vergangenen Jahren immer später einkaufen: «Sie warten oft bis auf den letzten Drücker.» Für sein Geschäft sei dies aber problemlos zu meistern. Vetsch lobt den Weihnachtsmarkt, der erneut viele Leute aus dem Luzernischen, aus Solothurn und dem Aargau angelockt habe.

Bei den Sonntagsverkäufen konnte Manor das Vorjahres-Niveau halten. Gefragt sind heuer laut Vetsch Wintermode und Parfumerie. Ein grosser Erfolg waren bisher der Baumschmuck und Kerzen. «Die Kunden geben ihr Geld für ein schönes Zuhause aus.» Für ein wenig Besinnlichkeit in einer hektisch gewordenen Welt.