Konjunktur
Von wegen Rezession: Bund-Experten wagen keine Prognose

Nach dem Mindestkurs-Aus verzichten die Konjunkturexperten des Bundes vorläufig darauf, ihre Prognose für die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft anzupassen. Zu gross sei die Unsicherheit. Der Frankenschock hat aber die Konsumenten verunsichert.

Merken
Drucken
Teilen

Der Gesamtindex der Konsumentenstimmung sei zwar von -11 Punkten im Oktober auf -6 Punkte im Januar gestiegen , erklärte das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) zu der am Donnerstag publizierten Umfrage bei 1200 Haushalten.

Drei Viertel der Befragungen wurden allerdings vor dem 15. Januar, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs aufhob, durchgeführt. Gemäss diesen Antworten erreichte der Stimmungsindex eine Verbesserung auf -3 Punkte.

Bei den Befragungen ab dem 15. Januar stellte das SECO hingegen eine Verschlechterung auf -17 Punkte fest. Die grössten Unterschiede gab es bei den Antworten zu den zukünftigen Wirtschaftsaussichten und zur Preisentwicklung. Auch wurde die Frage, ob momentan ein guter Zeitpunkt für grössere Anschaffungen sei, nach dem Entscheid der SNB negativer beantwortet.

Nicht vom Mindestkurs-Ende beeinflusst schienen hingegen die Einschätzung der finanziellen Situation der Haushalte sowie die Erwartungen, sofort oder in den kommenden Monaten Geld auf die Seite legen zu können, wie das SECO erklärte.

Entwicklung der Wechselkurse abwarten

Während sich die Konsumenten verunsichert zeigen, ist für die Konjunkturexperten des Bundes das Ausmass einer möglichen Konjunkturabkühlung derzeit noch schwierig abzuschätzen.

Würde sich der Euro-Kurs wieder in Richtung von 1,20 Fr. bewegen oder etwas darunter zu liegen kommen, könnten die Bremseffekte laut der Expertengruppe im Sinne einer Konjunkturdelle "relativ eng begrenzt bleiben".

Würde hingegen der Franken gegenüber dem Euro für mehrere Monate unter die Parität fallen und auch gegenüber anderen Währungen wie dem US-Dollar auf dem aktuell hohen Niveau verharren, wäre dies ein markanter Aufwertungsschock, schreibt die Expertengruppe des Bundes in einem Communiqué vom Donnerstag.

Dies würde "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zu sinkenden Exporten führen und dann auch die Binnenwirtschaft schwächen und die Arbeitslosigkeit erhöhen.

Auch Rezession möglich

Als Folge davon wäre laut der Expertengruppe mindestens für dieses und nächstes Jahr mit einem stark abgebremsten Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) zu rechnen. Das Wachstum würde höchstens noch knapp im positiven Bereich liegen. "Auch ein Rückgang des BIP wäre unter diesem Szenario denkbar", hiess es.

Im Dezember war die Expertengruppe noch von einem BIP-Wachstum von 2,1 Prozent im Jahr 2015 und von 2,4 Prozent im Jahr 2016, sowie von einem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit ausgegangen.

Die Expertengruppe verweist darauf, dass die in den letzten Tagen von verschiedenen Instituten publizierten Konjunkturprognosen ein sehr uneinheitliches Bild zeigten. So reichten die Erwartungen für das BIP-Wachstum im laufenden Jahr von -0,5 bis knapp +1 Prozent. Die Expertengruppe will nun am 19. März eine umfassende Einschätzung der Wirtschaftslage und der Aussichten publizieren.