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Abfahrt an die Börse: Der Ansturm auf Stadler kann beginnen

Binnen zweier Wochen will sich der Schienenfahrzeugbauer dem Publikum öffnen. Kleinanleger müssen sich darauf gefasst machen, dass sie nur einen Bruchteil der gewünschten Aktien zugeteilt bekommen.
Thomas Griesser Kym
Stadler mit Hauptsitz in Bussnang hat den Börsengang eingeläutet. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (19. März 2019))

Stadler mit Hauptsitz in Bussnang hat den Börsengang eingeläutet. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (19. März 2019))

Nun geht es schnell: In rund zwei Wochen, voraussichtlich am oder um den 12. April herum, soll die Aktie der Stadler Rail AG ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX haben. Gestern hat der Schienenfahrzeugbauer seinen angekündigten Börsengang (IPO) lanciert. Demnach bietet Inhaber und Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler aus seinen direkt gehaltenen Beständen und aus jenen seiner privaten Beteiligungsgesellschaft PCS Holding bis zu 40,25 Millionen Aktien zur Zeichnung an, was 40,25 Prozent aller Aktien entspricht.

Das Angebot besteht aus 35 Millionen Titeln plus einer Mehrzuteilungsoption von bis zu 5,25 Millionen Papieren. Analysten haben keine Zweifel, dass diese vollständig ausgeübt wird, weil mit überaus reger Nachfrage gerechnet wird. Die Preisspanne der auszugebenden Aktien ist auf 33 bis 41 Franken pro Titel festgelegt worden. Daraus errechnet sich eine Marktkapitalisierung (Börsenwert) Stadlers von 3,3 bis 4,1 Milliarden Franken.

Spuhler und seinen Verbündeten haben weiterhin die volle Kontrolle

Nach dem Börsengang beträgt bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption der Streubesitz (Free Float) 43,41 Prozent (siehe Grafik).

Dieser Anteil setzt sich zusammen aus den 40,25 Prozent, die ans Publikum verkauft worden sind, und aus jenen 3,16 Prozent der Aktien, die rund 150 Kadermitarbeitenden Stadlers gehören. Die Papiere im Streubesitz können an der Börse frei gehandelt werden, während jene Aktien, die bei Spuhler, den übrigen 17 Mitgliedern des Verwaltungsrats und der Konzernleitung sowie der deutschen RAG-Stiftung bleiben, Verkaufssperren (Lock-up) von 12 Monaten unterliegen. Spuhler hat ausserdem zugesagt, seine Beteiligung von noch 39,7 Prozent für weitere 24 Monate nicht zu verkleinern.

Stadler-Patron Peter Spuhler bleibt auch nach dem Börsengang der starke Mann im Unternehmen. (Bild: Andrea Stalder)

Stadler-Patron Peter Spuhler bleibt auch nach dem Börsengang der starke Mann im Unternehmen. (Bild: Andrea Stalder)

Für 2019 rechnet Stadler mit Aufträgen auf Vorjahreshöhe (4,4 Milliarden Franken). Die budgetierten Umsätze für dieses und nächstes Jahr von 3,5 und 4 Milliarden stehen bereits zu 85 Prozent in den Auftragsbüchern. Ab 2020 soll das Umsatzniveau von 4 Milliarden gefestigt und jährlich im mittleren einstelligen Prozentbereich gesteigert werden. Als operative Marge strebt Stadler 8 bis 9 Umsatzprozente an. An die Aktionäre sollen jeweils rund 60 Prozent des Jahresgewinns ausgeschüttet werden. Spuhler zeigt sich gewillt, auch weiterhin Mittel einzusetzen etwa für Zukäufe anderer Firmen oder neuer Technologien.

Der Experte ist sehr angetan vom Börsengang

Florian Keller, Leiter Private Banking Support bei der Acrevis Bank, beurteilt den Börsengang positiv: «Das Umfeld für Aktien ist gut.» Sollten die Finanzmärkte in den nächsten beiden Wochen von schweren Turbulenzen verschont bleiben, werde der Börsengang durchgezogen. Die Preisspanne von 33 bis 41 Franken beurteilt Keller als «etwas breit», und sollte der Emissionspreis am oberen Ende zu liegen kommen, «wäre die Aktie doch recht teuer». Aber genau damit rechnet der Experte, denn:

«Stadler ist eine spannende Investmentstory. Anleger lieben das.»

Im Urteil Kellers zeigt das Unternehmen eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte, ist sehr gut geführt, hat sich einen sehr guten Namen erarbeitet und wartet mit positiven Aussichten auf. Die geplante Dividendenausschüttung von mindestens 120 Millionen Franken für das laufende Geschäftsjahr ergebe selbst bei Ausreizen der Preisspanne eine Dividendenrendite von 3 Prozent. «Das ist eine attraktive Rendite, auch im Vergleich mit anderen Industriefirmen», sagt Keller.

Kleinanleger erhalten kaum mehr als einen Bruchteil der gewünschten Aktien zugeteilt

Er erwartet denn auch, dass die Aktienemission aus Spuhlers Beständen mehrfach überzeichnet wird. «Wie ich am Markt und von Kunden höre, ist das Interesse an Stadler sehr gross», sagt Keller. Wie etwa bei früheren Börsengängen der SFS Group oder der Thurgauer Kantonalbank, die ebenfalls mehrfach überzeichnet waren, dürfte auch bei Stadler die Nachfrage privater Anleger nach Aktien in der Region riesig sein. Auch institutionelle Investoren dürften Interesse zeigen, zumal ein Preissprung der Aktie nach oben am ersten Handelstag «nicht verwundern würde», wie Keller sagt. Das biete dann auch die Möglichkeit, die Aktien umgehend mit Gewinn wieder zu verkaufen. Eher auf weniger Anklang stossen dürfte Stadler indessen bei angelsächsischen Grossinvestoren, weil das Unternehmen nicht zu den ganz grossen Industriefirmen zählt.

Wer als Privatanleger Stadler-Aktien zeichnen möchte, kann sich an seine Hausbank wenden. Wegen der erwarteten mehrfachen Überzeichnung dürfte allerdings den Kunden jeweils nur ein Bruchteil der gewünschten Anzahl Titel zugeteilt werden. Wer Kunde einer der federführenden Banken beim Börsengang ist, habe bessere Chancen als ein Kunde einer Bank, die nicht in den IPO involviert ist.

Visualisierung des Stadler-Fahrzeugs für die Metro in Atlanta. (Bild: PD)

Visualisierung des Stadler-Fahrzeugs für die Metro in Atlanta. (Bild: PD)

Metro-Auftrag aus Atlanta: «Ein weiterer Meilenstein»

Für über 600 Millionen Dollar liefert Stadler 127 Metro-Fahrzeuge nach Atlanta. Gemessen an der Anzahl Fahrzeuge, ist es der grösste Auftrag, den Stadler je erhalten hat, und es ist der erste Metro-Auftrag in den USA. Stadler spricht von «einem weiteren Meilenstein». Das Unternehmen hat in Amerika seit 2002 nunmehr neun Aufträge erhalten, darunter im Sommer 2016 die prestigeträchtige Bestellung von Caltrain für Doppelstöcker durch das Silicon Valley.

Doch auch Atlanta hat Weltgeltung: Stadlers Züge sind für den Einsatz am Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport vorgesehen, dem gemäss Passagieraufkommen (2018: 107,4 Millionen) weltgrössten Flughafen. Atlanta ist in Amerika die Stadt mit den drittmeisten Hauptsitzen von Unternehmen, die zu den 500 umsatzstärksten der Welt zählen. Konzerne wie Coca-Cola, CNN, UPS oder Delta Airlines sind in der Metropole im Staat Georgia ansässig.

Arbeit für Stadlers neues US-Werk im Staat Utah

Stadler montiert die zweiteiligen Metro-Fahrzeuge in seinem US-Werk in Salt Lake City. Damit erfüllt das Unternehmen die vertragliche Vorgabe, wonach mindestens 60 Prozent der Wertschöpfung in den USA zu erbringen sind. Teil des Vertrags sind zudem zwei Optionen für je 25 weitere Fahrzeuge.

Die Züge für Atlanta erweitern Stadlers Metro-Palette. In diesem Segment hat Stadler bisher Aufträge aus Barcelona. Berlin, Glasgow, Liverpool und Minsk erhalten. Die Me­tro in Minsk erwägt unterdessen, ihrem Auftrag über zehn Züge von Anfang 2017 einen weiteren folgen zu lassen. (T. G.)

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