Vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank: Schweizer Börse crasht schon wieder

Die Aktienmärkte sind im freien Fall. Der Swiss-Market-Index (SMI) ist heute schon wieder tief im Minus. Aktuell hat der Schweizer Leitindex gegenüber dem Vortag über 6 Prozent eingebüsst.

Niklaus Vontobel
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Daraus wird erst Mal nichts: ein Händler trägt ein "Dow 30,000" Kappe. Der US-Leitindex befindet sich ebenfalls im Sturzflug

Daraus wird erst Mal nichts: ein Händler trägt ein "Dow 30,000" Kappe. Der US-Leitindex befindet sich ebenfalls im Sturzflug 

Richard Drew / AP

Spätestens jetzt ist dem Corona-Crash ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Seit Anfang Jahr hat der SMI nun bereits knapp 19 Prozent an Wert verloren. Im Vergleich zum Allzeitrekord vom 19 Februar steht der SMI bereits 23.5 Prozent tiefer. Damit sind alle Zugewinne seit dem Januar 2019 wieder ausgelöscht.

Zu den grössten Verlierern zählt auch heute wieder die Credit Suisse. Die Grossbank-Aktie ist heute noch wenig mehr als 8 Franken wert. Damit wird die Credit Suisse heute um rund 40 Prozent tiefer bewertet von den Investoren als Anfang des Jahres.

Die Investoren fürchten, die Banken könnten grosse Verluste erleiden auf ihre Kredite an Unternehmen. In der Schweiz, wie in Europa, hängt die Finanzierung von Unternehmen stark von den Banken ab. Wenn diese Unternehmen nun durch den Corona-Schock ins Trudeln kommen, dann werden die Banken Verluste haben auf diese Kredite. Sie werden Abschreibungen vornehmen müssen. Das wiederum geht zulasten ihres Eigenkapitals.

Luftfahrt-Aktien werden durchgeschüttelt

Der Absturzen an den Aktienmärkten ging weltweit unvermittelt weiter. Der deutsche Leitindex Dax lag zwischenzeitlich bei minus 6 Prozent. Grösster Tagesverlierer ist aktuell wenig überraschend der Luftfahrtkonzern Lufthansa, zu dem auch die Swiss gehört. Sie wird heute hart getroffen durch das amerikanische Verbot von Flügen aus Europa. Die Lufthansa hat seit Jahresanfang bereits 45,5 Prozent verloren.

Die Investoren dürften nun auf die Europäische Zentralbank hoffen. Diese wird heute Mittag bekannt geben, wie sie auf die Corona-Krise reagieren will. Die Finanzmärkte scheinen sich nicht viel von der neuen Präsidentin Christine Lagarde zu erhoffen. Auch die EZB hat ihren Leitzins bereits vor langer Zeit negativ gesetzt.

Zentralbanker geben die Verantwortung dieses Mal weiter

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Zentralbanken nicht mehr viel Spielraum haben, um die Corona-Krise zu bekämpfen. Ehemalige Zentralbanker geben den Ball weiter: in dieser Krise seien die Regierungen gefragt. Sie müssten mit Investitionen und Soforthilfemassnahmen die Wirtschaft stützen.

In der Schweiz stellt sich die Frage: was macht die Schweizerische Nationalbank. Der Euro stand zuletzt bei 1.055 Franken. Allem Anschein nach hat Präsident Thomas Jordan die Verteidigung der Marke von 1,06 bereits aufgeben müssen. Damit droht der Schweizer Wirtschaft neben dem Corona-Schock noch eine zusätzliche Belastung durch einen starken Franken. Diese zusätzliche Belastung könnte sich zu einem neuerlichen Frankenschock ausweiten.