Immer mehr Angestellte auf gleicher Fläche: Vor der Coronakrise wurde es in Büros immer enger

Im Jahr 2017 mussten sich im Vergleich zum Jahr 2011 25 Prozent mehr Erwerbstätige die gleiche Fläche teilen. Verliert nun Dichte und Nähe durch die Coronakrise an Bedeutung?

Niklaus Vontobel
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In Grossraumbüros kann es teilweise etwas eng werden. Ein Unding in Corona-Zeiten.

In Grossraumbüros kann es teilweise etwas eng werden. Ein Unding in Corona-Zeiten.

Keystone

In Coronazeiten wird soziale Distanz hochgehalten. Doch Städte sind «das Gegenteil von sozialer Distanz», wie es der US-Ökonom Edward Glaeser sagt. Sie stehen für Nähe und für Dichte. Daraus leiten sich ihre Vorteile gegenüber ländlichen Regionen ab. Durch örtliche Nähe verbreiten sich Wissen und Fertigkeiten schneller. Wie es ein britischer Ökonom schon Ende des 19. Jahrhunderts ausdrückte, liegt das Wissen geradezu «in der Luft».

Auch die Schweiz wird von derlei Effekten geprägt, die Ökonomen sprechen in ihrem Kauderwelsch von Agglomerationsvorteilen. Wie die Immobilienberater von Wuestpartner in einer Studie festhalten, ist ein starker Trend zu beobachten: Büroflächen ballen sich in den grossen Städten und ihren Agglomerationen.

Mittlerweile finden sich von allen Servicesektor-Jobs rund die Hälfte in den Grossstädten und ihren Agglomerationsgemeinden. Dort wiederum arbeiten die Erwerbstätigen nochmals enger beisammen als vor wenigen Jahren. Im Jahr 2017 mussten im Vergleich zum Jahr 2011 darum 25 Prozent mehr Erwerbstätige sich die gleiche Fläche teilen.

Verliert nun Dichte und Nähe durch die Coronakrise an Bedeutung? Wird dafür Arbeit auf Distanz wichtiger? Und damit das Homeoffice, auf Kosten von Büros in den Zentren? Noch weiss keiner die Antwort, diskutiert wird viel. Wie US-Ökonom Glaeser sagt, gibt es zwei Positionen.

Auf der einen Seite herrscht die Ansicht vor, Arbeiten auf Distanz sei immer eine gute Sache gewesen. Dank der Krise setzt sich diese Erkenntnis endlich durch. Homeoffice würde sich demnach so oder so verbreiten. Egal, ob nun Pandemien weiter unseren Alltag prägen oder nicht.

Diesem Lager kann man den Facebookgründer Marc Zuckerberg zuordnen. Er gab diese Woche einen Richtungswechsel bekannt. Früher sollten die Mitarbeiter des Sozialmediengiganten nahe am Arbeitsort wohnen. Nun geht er davon aus, dass in zehn Jahren ungefähr 50 Prozent aller Mitarbeitenden daheim arbeiten.

Facebook könne auf diese Weise besser Mitarbeiter in ländlichen Regionen einen Arbeitsplatz anbieten. Es erhalte Zugang zu einem grösseren Pool an Mitarbeitern. Und man müsse die Menschen nicht mehr zwingen, in die Städte zu kommen. Neu könne man Karrierechancen besser über das Land verteilen.

Auf der anderen Seite der Debatte wird das Homeoffice bloss als notwendiges Übel gesehen. Diesem Lager gehört US-Ökonom Glaeser selber an. Gehörten Pandemien zur neuen Normalität, werde sich Arbeiten auf Distanz gezwungenermassen verbreiten. Ein solcher Trend wäre problematisch für die Städte. Sie wären nicht mehr die Ballungszentren von einst. Büros würden öfter leer stehen.

Auf lange Frist würden weniger Büros gebaut. Es würden zig Servicearbeitsplätze verloren gehen, weil Cafés und Restaurants weniger Kunden hätten. Doch es gäbe eine Gegenreaktion. Man werde investieren, um weitere Pandemien zu verhindern. Dafür gebe es in der Weltgeschichte zahlreiche Beispiele. Wie Glaeser sagt, kämpfen Städte schon seit Tausenden von Jahren gegen Pandemien.

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