Pensionskasse
Vorbezug-Stopp: Soll ich jetzt noch schnell ein Haus kaufen?

Vorbezüge aus der Pensionskasse sind bald nicht mehr möglich. Was bedeutet das für diejenigen, die von den eigenen vier Wänden träumen? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum umstrittenen bundesrätlichen Plan.

Marc Fischer
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1. Um was geht es?

Der Bundesrat will die Altersarmut bekämpfen. Pensionskassenvermögen sollen nicht mehr vorbezogen werden können. Weder zur Finanzierung des Hauskaufs, noch für die Gründung einer eigenen Firma, noch bei der Pensionierung.

2. Wieso?

Weil die Vorbezüge dann nicht mehr für die Altersvorsorge zur Verfügung stehen. Der Bund muss verarmten Senioren, die ihre PK-Gelder verschleudert haben of mit Ergänzungsleistungen unter die Arme greifen. Das soll verhindert werden. Bern will künftig mehr sparen.

3. Ist mein ganzes Pensionskassenvermögen betroffen?

Nein. Betroffen ist nur das sogenannte Obligatorium. Das Überobligatorium, also jene Sparbeträge, die ein versicherter Lohn von mehr als 84 240 Franken abwerfen. Gemäss der neusten Pensionskassenstatistik des Bundes betrugen die Altersguthaben der aktiven Versicherten 2012 342 Milliarden Franken. Im Obligatorium befanden sich 56 Prozent davon oder 192 Milliarden Franken. Im Überobligatorium befanden sich 44 Prozent oder 150 Milliarden Franken.

4. Wo kann ich nachschauen, was ich im Obligatorium und Überobligatorium habe?

Im Vermögensausweis der Pensionskasse. Es gibt verschiedene Darstellungen. Meist wird das Altersvermögen aus dem obligatorischen und überobligatorischen Bereich zusammen ausgewiesen und separat dasjenige auf Basis der gesetzlichen Minimalleistungen. Die Minimalleistungen entsprechen dem Obligatorium und sind häufig mit dem Hinweis «gemäss BVG» versehen.

5. Welche Folgen hätte ein Vorbezugsverbot für den Häusermarkt?

Die Preise würden sinken. Gemäss Daten der Schweizerischen Nationalbank und des Bundesamts für Statistik finanzierten Privathaushalte die beim Hauskauf nötigen Eigenmittel in den vergangenen Jahren mit 25 bis 50 Prozent mit Pensionskassenvermögen. Geht man davon, das 30 Prozent aus dem Obligatorium stammen, so werden künftig 9 bis 15 Prozent der Immoblienkäufe nicht mehr möglich sein und die Preise entsprechend sinken. Im unteren Preissegment könnte die Nachfrage um bis zu 30 Prozent fallen.

6. Wann wird die Preiserosion einsetzen?

Das ist schwer zu sagen. Einige Beobachter gehen davon aus, dass die Preise bei den Liegenschaften im unteren Preissegment zunächst steigen könnten. Das drohende Verbot könnte zu vorgezogenen Käufen und einem vorübergehenden Run auf Wohneigentum führen. Demzufolge wäre erst in einem zweiten Schritt mit fallenden Preisen zu rechnen.

7. Ab wann ist denn mit einem Verbot zu rechnen?

Beobachter rechnen frühesten in zwei Jahren, also 2016 mit einer Umsetzung. Apropos zwei Jahre: So lange dauert es im Schnitt auch, bis ein Kaufinteressent ein passendes Objekt gefunden hat.

8. Muss ich jetzt noch schnell kaufen?

Banken stehen wegen der Überhitzungserscheinungen auf dem Häusermarkt schon auf der Bremse: Sie verlangen seit Juni 2012 beim Hauskauf mindestens 10 Prozent Eigenkapital, das nicht aus der Pensionskasse stammt. Diese Massnahmen haben insofern Wirkung gezeigt, als das Preiswachstum in den letzten Monaten bereits zurückgekommen ist. Wer davon profitieren will, braucht also mehr Bargeld als früher. Wer das nicht hat, muss sich nicht beeilen. Das gilt aber auch für Leute, die genug Bares auf der hohen Kante haben. Denn die Preise sind im langfristigen Vergleich immer noch recht hoch, auch wenn das Wachstum zuletzt zurückgekommen ist. Der Markt könnte sich aufgrund der neuen selbstregulierenden Massnahmen aber auch ohne das bundesrätliche Verbot weiter abkühlen. Eile ist also für niemanden geboten – Hektik ist sowieso immer ein ganz schlechter Berater.

9. Was macht der, der nicht 10 Prozent in bar hat?

Der ist schon jetzt vom Immobilienkauf ausgeschlossen. Denn die Selbstregulierungsmassnahmen der Banken fordern mindestens 10 Prozent Bargeld. Zudem hat die Branche die Vorschriften bei der Amortisation der Kredite erst grad verschärft: So muss die Schuld neu in 15 statt wie bisher in 20 Jahren auf zwei Drittel des Belehnungswertes reduziert werden. Und gemäss den Richtlinien sollte nur ein Kredit bekommen, wer den Schulddienst auch bei einem Zinssatz von 5 Prozent leisten kann. Derzeit liegen die Kosten für einen Hauskredit deutlich tiefer.

10. Und künftig braucht es 20 Prozent Eigenkapital in Cash?

Ja, das gilt für all jene, die keinen Lohn über 84 240 Franken erhalten und auch keine freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse getätigt haben. Gemäss der Pensionskassenstatistik betrifft dies 56 Prozent der aktiven Versicherten.