Mamagenda

Vorgesetzte schwangerer Frauen sollen Hilfe erhalten

Ist eine Frau schwanger, muss sie das dem Chef beichten. Nicht immer ein einfaches Unterfangen. Eine neue digitale Agenda fördert den Dialog zwischen Vorgesetzten und Schwangeren.

Karen Schärer
Drucken
Teilen
Mit der Mamagenda, ein Schwangerschafts-Management-Tool für Vorgesertze, soll ein gutes Arbeitsklima geschaffen werden.

Mit der Mamagenda, ein Schwangerschafts-Management-Tool für Vorgesertze, soll ein gutes Arbeitsklima geschaffen werden.

Keystone

Auf die Freude über die Schwangerschaft folgt bei vielen Frauen die Nervosität: Die Schwangerschaft muss bald dem oder der Vorgesetzten «gebeichtet» werden. «Viele Frauen befürchten schlechte Reaktionen, weil die Schwangerschaft Veränderungen am Arbeitsplatz mit sich bringt», sagt Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail Suisse.

Während grosse Firmen mit professionellen Personalabteilungen einen institutionalisierten Dialog mit den Schwangeren führen, fehlen bei kleinen und mittleren Unternehmen zuweilen praktische Informationen zur Begleitung einer Schwangerschaft. Vielerorts werde ein grosser Druck auf die Arbeitnehmerinnen ausgeübt, sehr schnell Entscheidungen zu treffen – etwa, was das gewünschte Pensum nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz betrifft, sagt Borioli vom Arbeitnehmerdachverband.

Travail Suisse hat deshalb gestern in Bern ein Instrument lanciert, welches Druck abbauen und ein gutes Arbeitsklima schaffen soll: die Mamagenda, ein Schwangerschafts-Management-Tool für Vorgesetzte. «Ein frühzeitiger Dialog zwischen Vorgesetzten und Schwangeren kann viele Probleme lösen», ist Borioli überzeugt.

Mehrere Gespräche vor der Geburt

Die Initiative zum Mamagenda-Dialog kann von der Schwangeren oder von der oder dem Vorgesetzten ausgehen. Die eine Partei eröffnet auf www.mamagenda.ch ein Konto und lädt die andere Partei per Mail zum Dialog ein. Sobald der errechnete Geburtstermin eingetragen ist, schlägt die Agenda einen personalisierten Zeitplan mit mehreren Gesprächsterminen vor – während der Schwangerschaft, des Mutterschaftsurlaubs und nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz. Für jeden Termin schlägt die kostenlose Agenda auch Gesprächsthemen vor.

Der Vorgesetzte erfasst Anpassungen wie eine Verlängerung der Abwesenheit und behält den Überblick über Schwangerschaften verschiedener Mitarbeiterinnen. Mamagenda erinnert den Arbeitgeber auch an die Gesetze, welche bezüglich der Schwangeren beachtet werden müssen.

Durch den intensivierten Dialog und die umfassende Information der Frauen soll es Unternehmen gelingen, mehr junge Mütter als Arbeitnehmerinnen zu behalten.

Informationen auch für Väter

Unter www.mamagenda.ch finden sich auch Merkblätter für Schwangere (etwa: «Schwanger am Arbeitsplatz – so schaffen Sie Vertrauen»), ihren Partner («Mein Kind ist krank und ich muss zur Arbeit – das sagt das Gesetz») und Vorgesetzte («Mutterschaftsurlaub – bleiben Sie in Kontakt»).

Bei der Entwicklung von Mamagenda arbeiteten Vertreterinnen von Arbeitgeberseite, Personalabteilungen, Unternehmen und des Hebammenverbands mit. Der Versicherungs-Broker AON und der Verband Angestellte Schweiz sind Partner des Projekts. Reto Liniger von Angestellte Schweiz ist vom Erfolg von Mamagenda überzeugt: «Mamagenda wird sich ebenso bewähren wie der Mutterschaftsurlaub», sagt er.