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Aktionäre schmettern Antrag ab: Aufstand bei Meyer Burger ist gescheitert

Die Eigentümer von Meyer Burger verwehren der grössten Aktionärin den Einzug in den Verwaltungsrat. Vor dem Votum ging es heiss her.
Fabian Hock
Remo Lütolf, kurz vor Beginn der ausserordentlichen GV. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Remo Lütolf, kurz vor Beginn der ausserordentlichen GV. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Am Mittwochmittag um 20 nach 12 im Stade de Suisse riecht es für einen Moment nach einem handfesten Skandal. Die monatelange Schlammschlacht zwischen Meyer Burger und ihrer grössten Aktionärin Sentis steht unmittelbar vor ihrem Höhepunkt: der Wahl von Sentis-Co-Chef Mark Kerekes in den Verwaltungsrat der Solarfirma aus Thun. Die 391 anwesenden Aktionäre sind aufgefordert, ihr Votum per Tastendruck auf einem elektronischen Gerät abzugeben. Die Meinungen sind gemacht, es bleiben zehn Sekunden für das Votum – da ruft Anton Karl, der andere Co-Chef des Investors, aus der Mitte des Raumes: „Mein Gerät funktioniert nicht!“

Zu spät, die Abstimmung ist durch, das Ergebnis liegt vor: Mit einer Zweidrittelmehrheit schmettern die anwesenden Aktionäre den Antrag ab. Der Verwaltungsrat um Präsident Remo Lütolf hat sich durchgesetzt. Karl stürmt nach vorne und wechselt ein paar Worte mit Lütolf. Raunen im Saal. Auf Nachfrage des Rechtsberaters von Meyer Burger klärt sich die Sache dann aber rasch auf: Falscher Alarm, Sentis akzeptiert das Votum der Aktionäre. Kerekes wird nicht Teil des Verwaltungsrats. „Sie versuchen es mit allen Mitteln“, kommentiert ein Aktionär, der offensichtlich im Sinne des Verwaltungsrats votierte, den kurzzeitigen Protest Karls.

Tatsächlich mussten sich die Vertreter der Aktionärsgruppe um Sentis einiges anhören an diesem Vormittag. „Hören sie doch auf, Sie machen Gehirnwäsche“, raunte ein Aktionär Sentis-Mann Karl nach dessen Redebeitrag im Vorbeigehen an. Ein anderer war weniger diplomatisch: „Gang heim du Arschloch!“, brüllte er in Richtung eines Vertreters der Aktionärsgruppe.

Fürsprecher hatte Sentis allerdings auch. Etwa den Berner Wirtschaftsprofessor Peter V. Kunz, der mit Vollmacht von Sentis drei Minuten lang zu den Aktionären sprach. Länger durfte er nicht, hatte Lütolf verfügt. Im Sinne der guten Unternehmensführung, meinte Kunz, sei die Wahl von Kerekes zu empfehlen. Auch aktienrechtlich gebe es keine Bedenken. Der Verwaltungsrat habe aber offensichtlich Angst vor Diskussionen.

Die Stimmung bei Meyer Burger ist aufgeheizt. Nicht nur auf der von Sentis verlangten ausserordentlichen Generalversammlung in Bern, sondern bereits seit langem. Unternehmensleitung und Verwaltungsrat liegen spätestens seit diesem Sommer mit ihrer grössten Aktionärin über Kreuz. Sentis hält gemeinsam mit Verbündeten rund elf Prozent am Solarunternehmen – und habe nicht nur völlig unvermittelt zwei Sitze im Verwaltungsrat verlangt, sondern auch die Absetzung von Firmenchef Brändle, sagt Lütolf. Das bekräftigte er bereits vor rund zwei Wochen im Gespräch mit dieser Zeitung und bestätigte es erneut in Bern.

Sentis bestreitet das. Die Investoren fordern vom Verwaltungsrat des seit Jahren kriselnden Unternehmens mehr Transparenz. In dieser für Meyer Burger kritischen Phase brauche es zwingend einen Aktionärsvertreter in dem Gremium, so die Sentis-Position.

«Hoffe, dass wir eine gemeinsame Gesprächskultur finden»

Firmenchef Brändle seinerseits beklagt, von Sentis-Vertretern immer wieder persönlich angegriffen worden zu sein. Er war im Vorfeld der Generalversammlung „All-in“ gegangen: Wird Kerekes gewählt, trete er als CEO zurück, so Brändles umstrittene Ankündigung. Dazu kommt es nun zwar nicht. Porzellan zerschlagen wurde jedoch trotzdem. Und das nicht zu knapp. Beide Seiten deckten sich mit Vorwürfen ein. Nun will man aber irgendwie zusammenfinden.

Ein sichtlich zufriedener Remo Lütolf meinte am Rande der Veranstaltung, er freue sich über die Deutlichkeit des Resultats und hoffe, «dass Sentis ihre Stellung nun neu kalibriert». Der Tag habe gezeigt, dass Sentis nicht so wichtig sei, wie sie sich zuletzt gegeben hätten. Gleichwohl könne Sentis künftig eine wichtige Rolle spielen. «Ich hoffe, dass wir eine gemeinsame Gesprächskultur finden», so Lütolf.

Auch der nichtgewählte Kerekes gibt sich versöhnlich: Es habe ein klares Votum gegeben, sagte er zu dieser Zeitung. «Es war ein demokratischer Prozess, der ist zu respektieren.» Sentis werde weiter Aktionärin bleiben und «die weitere Entwicklung konstruktiv und kritisch verfolgen». Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung hätten um mehr Zeit gebeten, um Erfolge zu erzielen. «Die haben sie jetzt», so Kerekes. «Wir hoffen, dass sie diese Zeit auch nutzen können.»

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