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Vorsicht beim Euro-Rabatt: Es ist nicht immer alles Gold, was glänzt

Die Marketingabteilungen laufen mit der Frankenstärke auf Hochtouren. Überall versprechen sie Euro-Rabatte. Zum Teil lassen sie ihrer Kreativität aber etwas gar zu freien Lauf.

Fabian Hock
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Selber Gefrierschrank, selber Rabatt: Das Angebot vom letzten Jahr (links) ist identisch mit dem Angebot im aktuellen Prospekt (rechts).

Selber Gefrierschrank, selber Rabatt: Das Angebot vom letzten Jahr (links) ist identisch mit dem Angebot im aktuellen Prospekt (rechts).

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Der tiefe Fall des Euro im Vergleich zum Franken bereitet der Finanzabteilung in vielen Schweizer Unternehmen Kopfzerbrechen. Eine andere Abteilung scheint sich derweil vor Freude nicht mehr auf den Stühlen halten zu können: Die Marketingleute jubeln. BMW gibt «Euro-Advantage-Prämien» aus, bei Aldi ist der «Euro-Vorteil inklusive» und Spar «bringt Produkte zu Euro-Tief-Preisen».

Die Migros zeigt in ihrer aktuellen Firmenzeitung gleich auf der ersten Doppelseite, wo der Kunde vom Währungsvorteil profitiert. Und bei der Discount-Tochter Denner herrscht seit dem Frankenschock «€uphorie». Auch Coop wirbt mit dem Wechselkurs: Über 2300 Artikel seien bereits im Preis gesenkt worden.

Nicht immer gerechtfertigt

Zur Menge der Euro-Rabatt-Aktionen sagt Thomas Meier vom Dachverband der Werbebranche SW Schweizer Werbung: «Man muss genau schauen, wo die Wertschöpfung liegt. Grundsätzlich ist die Euro-Werbung gerechtfertigt. Allerdings wäre es nicht sehr lauter, wenn jemand versucht, Kapital daraus zu schlagen und einfach auf den fahrenden Zug aufspringt.»

Neues Jahr, selber Rabatt

Dass nicht jedes Euro-Rabatt-Angebot auch wirklich mit dem Wechselkurs zu tun hat, zeigt ein Blick in den neuesten Werbeprospekt des Elektronikhändlers Fust.
Gelbe und rote Prozentzeichen, dazwischen ein blaues Schild mit eindeutigem Hinweis auf den schwachen Euro, machen deutlich: «Fust gibt laufend alle Währungsvorteile weiter.» Direkt unter dem Euro-Rabatt-Schild findet sich schon das erste Angebot: ein 65 Liter fassender Gefrierschrank der Fust-Hausmarke Primotecq. Modell TF 080.4-IB. Für 199 statt 249 Franken. Dem tiefen Euro sei Dank. Oder nicht?

Die Archive offenbaren Spannendes: In der «SonntagsZeitung» vom 26. Januar 2014 bewirbt Fust einen Gefrierschrank. 65 Liter Fassungsvermögen. 199 statt 249 Franken. Modellnummer: siehe oben. Das ist über ein Jahr her. Von Frankenschock und schwachem Euro war damals keine Spur — im Gegenteil: Für einen Euro gab es 1.22 Franken. Von Fust selbst war dazu gestern keine Stellungnahme zu bekommen.