Bossard: Vorsichtiger Ausblick trotz Rekordgewinn

Auch das letzte Jahr brachte der Bossard-Gruppe Rekordzahlen. Der Zuger Verbindungsspezialist spürt allerdings die Abkühlung der Wirtschaft in Europa. In den USA profitierte man derweil von der Massenproduktion von Tesla.

Livio Brandenberg
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Rekordgewinn trotz zuletzt leicht sinkender Marktdynamik: Im Bild das Bossard-Hochregallager in Steinhausen. (Bild: Stefan Kaiser (22. Februar 2018)

Rekordgewinn trotz zuletzt leicht sinkender Marktdynamik: Im Bild das Bossard-Hochregallager in Steinhausen. (Bild: Stefan Kaiser (22. Februar 2018)

Die gestrige Bilanzmedienkonferenz markierte für Bossard einen Neuorientierungspunkt in gleich zweierlei Hinsicht. Einerseits hat David Dean am Mittwoch zum letzten Mal die Geschäftszahlen des Schraubenhandels- und Logistikunternehmens präsentiert. Der langjährige CEO – er stieg 2005 nach sechs Jahren als Finanzchef auf – wird das CEO-Amt im April auf eigenen Wunsch hin abgeben und sich zur Wahl in den Verwaltungsrat stellen. Sein Nachfolger als operativer Chef wird Daniel Bossard, der die siebte Generation der Besitzerfamilie vertritt, die im Unternehmen tätig ist.

Die zweite «Neuorientierung» zeichnet sich erst ab: Nachdem Bossard in der nahen Vergangenheit Jahr für Jahr Rekordergebnisse verkünden konnte, dürfte die Dynamik nun abflauen. Dies ist auch an den am Mittwoch präsen­tierten Zahlen abzulesen – trotz erneuter Rekordwerte. So hat Bossard 2018 in allen drei Marktregionen – Europa, Amerika und Asien – überdurchschnittliche Umsatzwachstumsraten erreicht. Doch während im ersten Halbjahr das «bemerkenswert gute» Konjunkturumfeld geholfen habe, wie es am Mittwoch hiess, habe die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte zunehmend abgenommen.

Umsatzziel: 900 Millionen

So sprach auch Dean von zwei Seiten, die das letzte Jahr mit sich gebracht habe: Das erste Semester sei von einer enorm starken Nachfrage geprägt gewesen und habe zum besten Halbjahresergebnis der Unternehmensgeschichte geführt, doch im dritten Quartal habe eine deutliche Abkühlung eingesetzt, mit der man in diesem Ausmass nicht gerechnet habe.

Von einer Trendwende ist dennoch nicht auszugehen, so wuchs Bossard im vierten Quartal weiter und konnte auch für das Jahr 2018 einen Rekordgewinn von 85,4 Millionen Franken vorweisen (siehe Tabelle). Doch zweistellige Wachstumsraten dürfen in den kommenden Jahren nicht mehr mit Selbstverständlichkeit erwartet werden. Auch das Unternehmen selber rechnet für das laufende Jahr mit einer konjunkturbedingten Nachfrage auf deutlich tieferem Niveau als in den vergangenen zwei Jahren. Und auch beim Umsatz gibt man sich zwar optimistisch, doch genügend vorsichtig: Die 900-Millionen-Grenze werde angestrebt, was einem Anstieg von 3,3 Prozent entspräche. Zählt man die kürzlich getätigten Übernahmen dazu, dürfte ein Umsatz von rund 920 Millionen Franken erreicht werden. Dies würde einem Plus von immerhin noch rund 5,5 Prozent entsprechen. Vor zweieinhalb Wochen kaufte Bossard die deutsche Bruma Schraub- und Drehtechnik, und im November übernahmen die Zuger die Geschäfte der chinesischen Firma Linquan Precision.

Dividende wird erneut angehoben

Die eingangs genannte Abkühlung zeigte sich gegen Ende Jahr vor allem in Europa, der grössten Marktregion von Bossard. Hier nahm der Umsatz im vierten Quartal währungsbereinigt noch um knapp 5 Prozent zu. Besser lief es in der zweiten Jahreshälfte dagegen in den USA. Dort profitierte Bossard unter anderem von der Kooperation mit dem Elektroautohersteller Tesla, welcher die Produktion seiner dritten Modellreihe, genannt Model 3, stark hochfuhr. Der Amerika-Umsatz stieg um 9,4 Prozent, in Lokalwährungen waren es 10,1 Prozent.

Dass die präsentierten Zahlen den Erwartungen der Analysten nicht vollends gerecht wurden, störte die Anleger nicht: Die Bossard-Aktie legte am Mittwoch um knapp 1 Prozent zu und schloss bei 165.40 Franken. Damit erholt sich der Titel weiter, nachdem er im Januar 2018 begann, an Wert einzubüssen. Seit Jahresbeginn notieren die Aktien über 18 Prozent im Plus. Weiter freuen wird die Investoren, dass die Gewinnsteigerung eine Dividendenerhöhung zur Folge hat. Bossard schüttet jeweils 40 Prozent des Gewinns an die Aktionäre aus. Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung darum eine Erhöhung der Dividende von 4.20 Franken auf 4.50 Franken pro Aktie vor.