Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

VORSORGE: Die Pensionskassen-Renten schrumpfen

Wer heute 55 Jahre alt ist, wird deutlich weniger Altersrente aus der Zweiten Säule erhalten, als die bereits heute Pensionierten. Es gibt Auswege. Doch die haben ihre Tücken.
Rainer Rickenbach
Je näher das Pensionsalter rückt, desto intensiver sollte man sich mit der Frage der Rentenauszahlung beschäftigen. (Bild: Getty)

Je näher das Pensionsalter rückt, desto intensiver sollte man sich mit der Frage der Rentenauszahlung beschäftigen. (Bild: Getty)

Rainer Rickenbach

Die Zinsen sind im Keller. Die Lebenserwartung steigt. Beide Entwicklungen sind für Otto und Emma Normalverbraucher an und für sich erfreulich. Wohneigentum zum Beispiel lässt sich so günstig finanzieren wie noch nie zuvor und das Leben in den eigenen vier Wänden kann man dank dem steigenden Durchschnittalter erst noch länger geniessen. Wer bereits in Rente ist, hat in der Regel tatsächlich viel davon. Wer aber erst in den nächsten Jahren in den Altersruhestand geht, wird nicht mehr über so viel Renteneinkommen von den Pensionskassen verfügen wie die heute bereits Pensionierten (siehe Tabelle rechts).

50- bis 65-Jährige erhalten weniger

Denn die Kombination von Niedrigstzinsen und steigender Lebenserwartung bringt die Pensionskassen in arge Bedrängnis. Verkürzt gesagt: Sie zahlen ihren Versicherten im dritten Lebensabschnitt immer länger Renten. Gleichzeitig kommt es für sie in Zeiten mit Negativzinsen und unberechenbaren Finanzmärkten einem Kunststück gleich, für das heutige Rentenniveau genügend Renditen zu erwirtschaften. Die kapitalgedeckten Vorsorgeeinrichtungen stecken schon seit Jahren in der Klemme. Neu hingegen ist, dass die heute 50- bis 65-Jährigen die Folgen der misslichen Lage der Kassen direkt zu spüren bekommen. Sie müssen auf den jährlichen Pensionskassen-Bescheinigungen Jahr für Jahr mitverfolgen, wie ihre Renten-Aussichten schrumpfen. Unser Beispiel des VZ-Vermögenszentrums in der Tabellen-Grafik verdeutlicht es am Beispiel eines 55-jährigen Mannes mit einem stattlichen Jahres-Einkommen von 120 000 Franken und einem angesparten Alterskapital von 250 000 Franken.

Weniger Zinsen – kleinere Renten

Noch vor 14 Jahren waren die Renten-Aussichten mit einer solchen Ausgangslage erfreulich. Das angesparte Kapital warf stolze 4 Prozent Zinsen ab, was unabhängig von den Finanzmärkten schon ein schönes Sparkapital-Wachstum verhiess. Gleichzeitig lag der Umwandlungssatz bei über 7 Prozent. Dieser Satz bestimmt die Rentenhöhe. Im Falle unseres Beispiels von 2002 sind es 7,2 Prozent von einem Guthaben mit 639 800 Franken. Dabei heraus kam eine Jahresrente von 46 100 Franken aus der Pensionskasse. Von solchen Zahlen können die heute 55-Jährigen nur träumen. Ihr Guthaben wird mit dem Mindestzins von 1,25 Prozent verzinst – was immerhin klar mehr ist, als jede Bank auf den Sparkonti gewährt, doch wesentlich weniger als die Versicherten früher erhielten. Gleichzeitig ist der Umwandlungssatz in unserem Beispiel um 1 Prozent tiefer, was weniger Rente mit sich bringt. Der Grund: Das angesparte Kapital muss wegen der steigenden Lebenserwartung länger reichen. Unter dem Strich schauen dieses Jahr 14 200 Franken weniger PK-Rente heraus als noch vor 14 Jahren. Mit dem Umwandlungssatz von 6,2 Prozent ist der Mann aus dem Beispiel noch gut bedient, denn grosse Arbeitgeber wie die SBB oder der Bund (Publica) senken ihre Umwandlungsquote schrittweise auf einen Wert, der deutlich unter 6 Prozent liegt.

Da hilft es auch wenig, dass die Stimmberechtigten vor sechs Jahren den Mindest-Umwandlungssatz bei 6,8 Prozent beliessen. Dieser Wert ist nur für den obligatorischen Bereich verbindlich. Im überobligatorischen Bereich sind die Kassen-Stiftungsräte frei bei der Festlegung des Umwandlungssatzes. Die 6,8 Prozent sind nicht in Stein gemeisselt; sie sollen mit der bundesrätlichen Rentenreform 2020 auf 6 Prozent fallen.

Was Jüngere unternehmen können

Die jüngeren Kassen-Versicherten sehen also noch tieferen Kassen-Renten entgegen. Immerhin bleibt ihnen im Gegensatz zu den älteren Erwerbstätigen mehr Zeit, sich darauf einzustellen und sie dürfen auf Zeiten hoffen, in denen die Zinsen wieder mehr zu ihrem Sparprozess beitragen. Die Vorsorgeexperten Patrick Schobinger von der Schwyzer Kantonalbank und Philipp Heer vom VZ Vermögenszentrum Luzern (siehe Kasten unten) raten ihnen, mit Pensionskassen-Einkäufen und der freiwilligen Vorsorge 3a steuersparend zusätzlich zu den obligatorischen Beiträgen zu sparen. Philipp Heer rechnet die Wirkung an einem Beispiel vor: Bei einem Umwandlungssatz von 6,5 Prozent und einem Altersguthaben von 100 000 Franken eines 40-Jährigen ergibt sich theoretisch eine Rente von 6500 Franken pro Jahr. Wird der Umwandlungssatz auf beispielsweise 5,5 Prozent gesenkt, braucht es für die gleiche Rente knapp 120 000 Franken Altersguthaben. Mit einem freiwilligen Einkauf von 20 000 Franken lässt sich die Rentenkürzung weit im Voraus abwenden.

Kapital auszahlen lassen oder Rente beziehen?

Welche Möglichkeiten bieten sich den heute 50- bis 65-Jährigen, aus ihrem Pensionskassenkapital das Beste herauszuholen? Es gibt Möglichkeiten. Doch ob sie sich unter dem Strich rechnen, hänge stark von der individuellen Situation der Pensionskassen-Versicherten ab, sagen die Vorsorge-Experten Patrick Schobinger (Bild oben) von der Schwyzer Kantonalbank und Philipp Heer (Bild unten) vom VZ Vermögenszentrum Luzern. Sie empfehlen zudem: nicht überhastet handeln, gut planen und die Sache vom Ende her denken. Das Geld muss für den ganzen dritten Lebensabschnitt reichen.

Wer sich bei Rentenantritt das Pensionskassenkapital voll oder zu einem schönen Teil auszahlen lässt, kann sinkenden Umwandlungssätzen gelassen entgegensehen. Nur: Die Rente entfällt dann ganz oder schrumpft auf einen sehr kleinen Betrag.

«Wichtige Weichenstellung»

Beim Entscheid Rente oder Kapital handle es sich um eine der «wichtigsten Weichenstellungen» für die Zeit nach der Pensionierung, sagt Patrick Schobinger von der Schwyzer Kantonalbank. Er müsse gut überlegt sein. «Einzig wegen reduzierten Umwandlungssätzen ausschliesslich Kapital zu beziehen, ist keine sinnvolle Lösung», sagt Patrick Schobinger. Philipp Heer vom VZ Vermögenszentrum warnt vor voreiligem Handeln: «Es ist wichtig, die Vor- und Nachteile eines Kapitalbezugs sorgfältig abzuwägen. Zudem lassen nicht alle Pensionskassen einen vollen Kapitalbezug zu.»

Wie ausbezahltes Kapital anlegen?

Wer sich sein Kassenkapital auszahlen lässt, findet sich im allgemeinen Anlagenotstand wieder. Es sei zurzeit schwierig, an den Märkten eine anständige Rendite zu erzielen, erklärt Philipp Heer vom VZ Vermögenszentrum. Allerdings sollte man den Entscheid, ob man sein Altersguthaben als Rente oder als Kapital bezieht, nicht von der aktuellen Börsenlage abhängig machen, ist er überzeugt. «Schliesslich soll ja das Kapital im Ruhestand für 25 bis 30 Jahre reichen. In dieser langen Zeitspanne wird es auch deutlich freundlichere Marktphasen geben.»

Patrick Schobinger betont, Sicherheit müsse beim Alterskapital oberste Priorität haben. Er rät zu einer professionellen Diversifikation der Anlagewerte. «Durch ein Vermögensverwaltungsmandat beispielsweise lassen sich die Renditechancen langfristig optimal nutzen», sagt der Vorsorgeexperte der Schwyzer Kantonalbank.

Frühzeitige Pensionierung

Senkt eine Pensionskasse den Umwandlungssatz schnell, kann es lohnenswert sein, sich bereits mit 62 oder 63 mit dem alten Rentenniveau aus der Arbeitswelt zu verabschieden.
«Gerade bei einer substanziellen Kürzung des Umwandlungssatzes, wie sie im Moment viele Pensionskassen umsetzen, lohnt es sich, diese Option zu prüfen. Eine Frühpensionierung ist aber ein grosser Schritt, den man auf alle Fälle sorgfältig planen sollte», sagt Heer vom VZ Vermögenszentrum. Sein Kollege von der Schwyzer Kantonalbank ist da skeptischer. Schobinger: «In den meisten Fällen wiegt der durch die vorgezogene Pensionierung verursachte Einkommenswegfall deutlich schwerer als die auf dem bisherigen Umwandlungssatz beruhende höhere Altersrente.»

Schritt um Schritt in Rente gehen

Wer früher in Rente geht, muss bei den ohnehin sinkenden Umwandlungssätzen zusätzliche Abstriche hinnehmen. Pro Jahr können sie 0,25 bis 0,5 Prozent ausmachen. Vermeiden lässt sich das mit einer Teilpensionierung, wenn die Versicherten in den letzten Erwerbsjahren bis 64 (Frauen) oder 65 (Männer) ihr Arbeitspensum schrittweise auf beispielsweise 50 Prozent reduzieren.
Schritte in die Teilpensionierung seien oft keine schlechte Idee, findet Patrick Schobinger von der Schwyzer Kantonalbank. «Als zusätzliche Option bieten einige Pensionskassen ihren Versicherten die Möglichkeit, auf eigene Kosten den bisherigen Lohn weiter zu versichern, um das Renten-Leistungsniveau erhalten zu können», sagt er. Doch: «Der durch die Lohnreduktionen verursachte Einkommenswegfall darf nicht unterschätzt werden.»

Verschiedene Varianten

Philipp Heer vom VZ Vermögenszentrum nennt eine Möglichkeit, wie sich der Verdienstausfall kompensieren lässt. «Wer zum Beispiel mit 60 Jahren sein Arbeitspensum von 100 auf 70 Prozent reduziert, kann bereits dann 30 Prozent seiner Altersleistungen in der Regel in Form von Rente oder Kapital beziehen», sagt Heer. Bei einer schrittweisen Senkung des Umwandlungssatzes mache der vorzeitige Rentenbezug allenfalls Sinn, um noch von besseren Rentenkonditionen profitieren zu können. Nur: Auch mit dieser Variante wird das Kapital geschmälert, das nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters zur Verfügung steht.

Bild: Grafik Neue LZ

Bild: Grafik Neue LZ

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.