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VORSORGE: Kassen gehen mehr Risiken ein

Swisscanto rechnet damit, dass die künftigen Renten der Pensionskassen weiter sinken. Ihre Studie attestiert den Kassen einen finanziell robusten Zustand.
Interview Rainer Rickenbach
Wer bereits in Rente ist, hat es besser als künftige Pensionierte, die mit tieferen Zahlungen rechnen müssen. (Bild: Getty)

Wer bereits in Rente ist, hat es besser als künftige Pensionierte, die mit tieferen Zahlungen rechnen müssen. (Bild: Getty)

Interview Rainer Rickenbach

Wer sich nun in den Ruhestand verabschiedet, erhält von der Pensionskasse 14 Prozent weniger Rente, als es noch vor 14 Jahren der Fall war. Sinken die Rentenaussichten weiter?

Othmar Simeon: Ja, schweizweit sinken die Umwandlungssätze. Zum einen, weil wegen der steigenden Lebenserwartung das angesparte Alterskapital länger reichen muss. Zum andern machen die tiefen Zinsen den Pensionskassen zu schaffen, ihre Renditen werden kleiner.

Bringen die sinkenden Renten mehr Kapitalauszahlungen bei Versicherten mit sich, die in Rente gehen?

Simeon: Nein, einen Trend zu mehr Kapitalauszahlung beim Erreichen des Rentenalters stellen wir nicht fest. Die Leute sind sich bewusst, dass Anlagenotstand herrscht. Sie fragen sich: Wie lässt sich das Kapital renditeträchtig anlegen? Eine Antwort darauf zu finden, ist zurzeit sehr schwer. Es ist im Gegenteil sogar so, dass die Kassen bei sehr hohen Rentenansprüchen die angehenden Pensionäre zwingen, einen Teil des Kapitals zu beziehen. Die Credit Suisse zum Beispiel zahlt künftig keine Renten mehr, die sich im Jahr auf mehr als 98 700 Franken summieren.

Wegen des Anlagenotstands investieren die Pensionskassen vermehrt in alternative Anlagen. Was steht dabei im Vordergrund, und wie hoch sind die Risiken?

Simeon: Es handelt sich vor allem um Hedge Funds, Rohstoffe und Private Equities, also längerfristige Darlehen an Unternehmen. Natürlich sind die Risiken bei den alternativen Anlagen höher, und ihre Betreuung ist teuer. Doch die Zeiten sind vorbei, als sich mit risikolosen Bundesobligationen 4 Prozent Rendite erzielen liessen. Die Pensionskassen müssen neue Wege gehen. Der Anteil der alternativen Anlagen am gesamten Anlagevermögen liegt indes nur bei 6 Prozent.

Auch Immobilien gelten als Rettungsanker. Nur: Gute Lagen sind sehr teuer. Werfen die Immobilien genügend Rendite ab?

Simeon: Erstklassige Immobilien stehen nicht nur bei Pensionskassen hoch im Kurs. Die Preise sind daher gestiegen, und die Renditen fliessen spärlicher als früher. Einige Pensionskassen investieren darum in ausländische Immobilien. Dort sind die Preise zwar tiefer, doch für die Kassen kommt das Währungsrisiko hinzu. Zudem sind ausländische Liegenschaften nicht immer einfach zu kontrollieren.

Was kostete der Negativzins im vergangenen Jahr die Pensionskassen?

Simeon: Vom Negativzins betroffen sind lediglich etwa 100 Millionen Franken des Pensionskassen-Vermögens. Gemessen am Gesamtvermögen von 880 Milliarden Franken, hielt sich der Schaden in Grenzen. Jedenfalls fiel er geringer aus als nach dem 15. Januar 2015 zuerst befürchtet. Die meisten Kassen pflegen mit den Banken enge geschäftliche Beziehungen und konnten erreichen, dass die Negativzinsen nicht an sie weitergereicht wurden.

Die Guthaben der Rentner werden höher verzinst als diejenigen der noch Berufstätigen. Woher nehmen die Pensionskassen die Differenz?

Simeon: Nach unseren Berechnungen wurden im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Franken von den jüngeren Versicherten zu den Rentnern umverteilt. Das ist nicht als Vorwurf an die heutige Rentnergeneration zu verstehen, die Renditeaussichten waren früher einfach erfolgversprechender. Vor 15 Jahren ging man davon aus, 3 Prozent Rendite liessen sich stets erwirtschaften. Nun kam es anders. Für die Differenz greifen die Kassen auf die Reserven zurück. Dieses Geld fehlt bei der Verzinsung der Guthaben von den jüngeren Versicherten.

Hinweis: Othmar Simeon ist Leiter der Swisscanto Vorsorge AG

Pensionskassen haben finanzielle Reserven

Wer in den nächsten Jahren in den Ruhestand geht, erhält von den Pensionskassen nicht mehr so viel Rente wie die seit einigen Jahren Pensionierten. Grund: Die Vorsorgeeinrichtungen der zweiten Säule senken den Umwandlungssatz, der für die Rentenhöhe massgebend ist (siehe Grafik). Wer sich dieses Jahr mit 65 in den Ruhestand verabschiedet, erhält von der Pensionskasse durchschnittlich 14 Prozent weniger Rente als jemand, der vor vierzehn Jahren in Pension ging.
Wichtigste Ursache für die Rentenschmelze ist die steigende Lebenserwartung. Seit 1985 ist sie bei den Männern um 4,5 Jahre und bei den Frauen um 3,4 Jahre gewachsen. Für die zweite Säule bedeutet dies: Das in der Erwerbszeit angesparte Alterskapital muss länger ausreichen. Darum wird pro Jahr weniger Rente ausbezahlt.

Anlagenotstand

Erschwerend kommt der Anlagenotstand hinzu. Wegen den historisch tiefen und teilweise negativen Zinsen der Nationalbank fallen die Finanzmärkte als «dritter Beitragszahler» praktisch aus. Noch 2014 brummte die Börse, und die Pensionskassen erzielten eine Rendite von über 7 Prozent. 2015 war das nicht mehr der Fall, und die Rendite schmolz auf 1,13 Prozent. Das geht aus der diesjährigen Pensionskassen-Studie von Swisscanto hervor. Sie ist breit angestützt und gilt als massgebend für den Zustand der zweiten Säule.

Immerhin befinden sich die Schweizer Pensionskassen in einem robusten finanziellen Zustand. Der Deckungsgrad liegt bei durchschnittlichen 110 Prozent. Dieser Wert bedeutet ein finanzielles Polster von 10 Prozent. 2015 belief sich die systemwidrige Umverteilung von berufstätigen Versicherten zu den Rentnern gemäss Swisscanto auf 2,6 Milliarden Franken. Die Kassen halten, so gut es geht, dagegen und fahren die Verzinsung der Neurentner-Guthaben herunter, indem sie den sogenannten technischen Zinssatz auf Altersguthaben nach unten anpassen. Noch immer werden die Rentnerguthaben aber mit gut 0,7 Prozent höher verzinst als die Guthaben der Berufstätigen. «Die Vorsorgeinstitute haben den technischen Zinssatz und den Umwandlungssatz auf ein richtiges Mass gesenkt. Langfristig rechnen wir mit weiteren Anpassungen», sagt René Raths, Leiter Pensionskassen bei der Zürcher Kantonalbank. Die Swisscanto Vorsorge ist eine Tochtergesellschaft der Zürcher Kantonalbank.

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