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VORSORGE: Verhaltener Ausblick für Renten

Die Negativzinsen sind für die Pensionskassen zwar ein Ärgernis. Doch die meisten Kassen bleiben ihrer Anlagestrategie treu. Sie hat sich seit der Finanzkrise ausbezahlt.
Sorglos im Ruhestand: Pensionskassen müssen künftig ihre Gelder innovativer verwalten. (Bild: Ex-Press/Christine Bärlocher)

Sorglos im Ruhestand: Pensionskassen müssen künftig ihre Gelder innovativer verwalten. (Bild: Ex-Press/Christine Bärlocher)

Rainer Rickenbach

Rund 400 Millionen Franken dürften den Pensionskassen dieses Jahr durch die Nationalbank-Negativzinsen entgehen. «Es ist störend, wenn Sozialabgaben auf diese Weise verloren gehen. Doch die Summe ist aus meiner Sicht verkraftbar», sagt René Raths, Leiter Pensionskassen und berufliche Vorsorge bei Swisscanto.

Zum Vergleich: Allein den beiden Branchen-Schwergewichten Axa Winterthur und Swiss Life fliessen für die zweite Säule jährlich Prämieneinnahmen in der Höhe von insgesamt mehr als 15 Milliarden Franken zu.

Verluste mehr als wettgemacht

Die meisten Stiftungsräte, die für die Spargelder der rund 2000 Pensionskassen verantwortlich sind, beurteilen die Lage offenbar gleich wie Raths. Aus der breit angelegten, gestern veröffentlichten Swisscanto-Umfrage geht hervor, dass nur jede fünfte Vorsorgeeinrichtung wegen der Strafzinsen ihre Anlagestrategie über den Haufen wirft.

Die grosse Mehrheit hingegen verfolgt schon seit über zehn Jahren einen gleichmässigen Kurs. Sie sind mit ihrem Mix aus Anlagen in Obligationen, Aktien und Immobilien sowie ein paar weiteren Positionen (siehe Grafik) nicht schlecht gefahren. Die gewaltigen Kapitalverluste, die vor sieben Jahren mit der Finanzkrise auch über die Vorsorgeeinrichtungen hereinbrachen, liessen sich dank der darauffolgenden starken Börsenjahre sogar mehr als nur wettmachen. Den Kassen der Privatunternehmen ist es gelungen, ein stattliches Kapitalpolster anzulegen. Und selbst die meisten Kassen für die Angestellten der öffentlichen Hand verfügen heute zumindest über einen vollen Deckungsgrad (siehe Kasten).

Die historische Tiefzinsphase hinterliess im Portefeuille der Vorsorgeeinrichtungen gleichwohl geringfügige Spuren. Auf tiefem Niveau verdoppelt hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren der Anteil alternativer Anlagen. Zu ihnen zählen unter anderem der Rohstoffhandel, das ausserbörsliche Beteiligungsgeschäft oder spezielle Anlageprodukte wie Hedge Funds. Sie geben überdurchschnittliche Renditen her, bergen aber auch schwer voraussehbare Risiken in sich und machen darum gut gemanagt einen recht grossen Verwaltungsaufwand notwendig.

Mehr Fokus auf Immobilien

Ähnlich verhält es sich mit den Wertpapieren in Fremdwährungen. Ein grosser Teil der Kassen beugt vor und sichert gemäss Swisscanto 70 bis 95 Prozent der Währungsrisiken ab. Das kommt sie teuer zu stehen. «Die Kosten für die Absicherung haben sich seit der Einführung der Negativzinsen teilweise mehr als verdoppelt», sagt René Raths. Die Pensionskassen dürfen von Gesetzes wegen weniger als einen Drittel in ausländische Währungen investieren.

Tiefe Zinsen veranlassen die Kassen auch immer stärker, ihr Heil in Immobilien zu suchen. Der Vorteil: Sie garantieren Wertzuwachs und beständige Mieteinnahmen. Der Nachteil: Gut gelegenes Bauland ist teuer und der Verwaltungsaufwand von Mietwohnungen im Vergleich zu anderen Anlagen aufwendig.

Nicht der Nationalbank verpflichtet

Die Trendverschiebung weg von den renditelosen Obligationen hin zu den Immobilien, Aktienmärkten und alternativen Anlagen dürfte in sanftem Tempo anhalten. Denn die Umfrage von Swisscanto macht deutlich, dass die grosse Mehrheit der Kassenverantwortlichen von einer länger anhaltenden Zeit mit Minuszinsen ausgeht. Zwar sehen sie keine «japanischen Verhältnisse» mit einer gefühlt endlosen Deflationsphase auf die Schweiz und Europa zukommen. Doch an eine schnelle Zinswende glaubt kaum jemand im Pensionskassen-Geschäft.

Noch mehr ins Ausland ausweichen würden die Kassen aber nicht, stellte Christoph Ryter, Präsident des Schweizerischen Pensionskassenverbands (Asip), gestern am Swisscanto-Anlass klar. Denn die Pensionskassen seien nicht der Schweizerischen Nationalbank verpflichtet, sondern ihren eigenen Zielgruppen mit den Beitragszahlern und Rentnern und die verdienen und zahlen in Schweizer Franken.

Bild: Grafik Neue LZ

Bild: Grafik Neue LZ

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