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Bayer und Monsanto: Vorwärts in die Vergangenheit

Bayer und Monsanto finden nun definitiv zusammen. Der neue Weltmarktführer in der Agrochemie geht mit einem Geschäftsmodell an den Start, das sich bald als überholt erweisen könnte.
Daniel Zulauf
Ein neuer Pflanzenschutzroboter soll ermöglichen, bis zu 70 Prozent weniger Pestizide einzusetzen. (Bild: A. Anex/Keystone (Galmitz, 1. Juni 2018))

Ein neuer Pflanzenschutzroboter soll ermöglichen, bis zu 70 Prozent weniger Pestizide einzusetzen. (Bild: A. Anex/Keystone (Galmitz, 1. Juni 2018))

«Unser Geschäftsmodell basiert auf wissenschaftlichen Fakten.» Zwar trat Bayer-Chef Werner Baumann in der vergangenen Woche bloss im normalen Anzug und nicht in der weissen Laborschürze vor seine Aktionäre. Doch der Manager war offensichtlich darum bemüht, die von der amerikanischen Wettbewerbsbehörde eben erst zugelassene Übernahme des US-Agrochemieriesen Monsanto als Intervention von einer nahezu naturwissenschaftlichen Präzision darzustellen.

Ein rundes Bild hinterliess Baumann in seiner Rede trotzdem nicht. «Fakten bilden die Basis für gesellschaftliche und unternehmerische Entscheidungen. Sie sorgen für Berechenbarkeit statt Beliebigkeit», behauptete der CEO, nur wenige Sätze nachdem er auf die in Deutschland offenbar eminente Gefahr verwiesen hatte, dass sich die Gesellschaft in ihrem Hang zu übertriebener Vorsicht vermehrt grosse Chancen entgehen lasse.

«Diejenigen von uns, die gesellschaftliche Verantwortung tragen – sei es in der Politik, in der Wirtschaft oder in anderen Bereichen –, dürfen nicht nur auf das schauen, was heute den Vorstellungen und Umfragen entspricht, sondern vor allem auf das, was morgen und übermorgen gesellschaftlichen Fortschritt und wirtschaftlichen Wohlstand verspricht», erklärte der Unternehmensführer im Wissen, dass der 62 Milliarden Euro teure Einkauf vielen auch durchaus rational denkenden Aktionären wenig geheuer ist. Die Fakten, die sich Baumann im Mai 2016 zusammengereimt hatte, als er das erste Gebot für den grössten Firmenkauf in der 155-jährigen Bayer-Geschichte auf den Tisch legte, stellen sich zwei Jahre später weniger vorteilhaft dar als damals.

Investoren zweifeln an den Prognosen des Konzerns

Geschäfte mit einem Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von 550 Millionen Euro muss Bayer an die Konkurrenz weitergeben, um die grössten Bedenken der Wettbewerbshüter vor der Geburt des neuen Weltmarktführers zu zerstreuen. Im Kapitalmarkt ist der Nutzen von Baumanns wissenschaftlichem Geschäftsmodell nicht angekommen. Während die Bayer-Aktien seit Mai 2016 kaum vorangekommen sind (2 Prozent), haben die Titel des lokalen Konkurrenten BASF um mehr als 20 Prozent und der Dax sogar um fast 25 Prozent zugelegt.

Offenbar zweifeln die Investoren an den Wachstumsprojektionen des Superkonzerns. Während internationale Organisationen wie die UNO dem Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut ein überdurchschnittliches, langfristiges Wachstum von mehr als 4 Prozent im Jahr voraussagen, entwickeln sich die Verkäufe seit einiger Zeit seitwärts oder sogar rückwärts. Das ist in den Projektionen aber nicht vorgesehen. Denn die Weltbevölkerung wächst. Bei gleichzeitig abnehmender landwirtschaftlich bebaubarer Fläche sollte das eigentlich zu einer ständig zunehmenden Nachfrage nach Pestiziden und Powersaaten führen.

Zwar wird die produktivitätssteigernde Wirkung von chemischen Schutzmitteln weitgehend anerkannt. Die Produkte werden mit Blick auf die Erhaltung der Ernährungssicherheit von vielen als notwendiges Übel akzeptiert. Doch in manchen Regionen, insbesondere in den alten Industrieländern, nimmt der Widerstand gegen den chemischen Grosseinsatz in der Landwirtschaft seit Jahren spürbar zu. In Europa ist die Haltung von Behörden und Politik klar restriktiver geworden. Nicht nur deshalb investiert die Industrie hinter den Kulissen kräftig in neue technische Geräte, die mit Hilfe von Sensorik und Robotertechnik auf einen effizienteren Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln abzielen.

Roboter, die Unkräuter erkennen und vernichten

EcoRobotix, ein Westschweizer Start-up, will einen mit Solarstrom betriebenen Roboter auf den Markt bringen, der die Felder autonom abfährt und die Unkräuter mit einer Kamera selber erkennt und zunichtemacht. Am Freitag hat auch der Verband Schweizer Gemüseproduzenten den Start einer zweijährigen Testphase mit einem Pflanzenschutzroboter angekündigt, der eine Reduktion von Pestiziden um bis zu 70 Prozent ermöglichen soll. In Erwartung solcher Trends investieren die Agrochemieriesen schon seit einigen Jahren unter dem Schlagwort Digital Farming in den Aufbau von Datenbanken, die eine Optimierung der Leistungsangebote möglich machen sollen. Während die Firmen den Kundennutzen dieser Systeme herausstreichen, sehen Wettbewerbshüter die Gefahr, dass die Landwirte in eine allzu grosse Abhängigkeit der Agroriesen geraten könnten. Die US-Behörden haben Bayer deshalb zum Verkauf des Digital-Farming-Geschäfts verknurrt. «Jetzt geht die Arbeit erst richtig los», sagte Baumann seinen Aktionären vergangene Woche mit Blick auf die nun beginnende Integration von Monsanto.

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