Abgas-Skandal
VW holt Staranwalt: Kenneth Feinberg soll den Schaden begrenzen

US-Staranwalt Kenneth Feinberg soll den finanziellen Schaden von VW in dessen Abgasskandal in Grenzen halten und Verfahren vermeiden. Am Donnerstag erklärte VW, dass Feinberg rund 500'000 Beschwerden von Autobesitzern bearbeiten solle.

John Dyer
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Kenneth Feinberg, amerikanischer Staranwalt

Kenneth Feinberg, amerikanischer Staranwalt

Keystone

Die US-Behörden hatten den Skandal im September aufgedeckt. Bei 11 Millionen Autos soll eine Technologie eingebaut sein, welche den Ausstoss von Treibhausgas verschleiert. Das Engagement von Feinberg verdeutlicht, wie ernst die Lage für VW ist.

Feinberg hat Erfahrung
Feinberg hatte bislang meist mit Fonds zu tun, aus denen Leidtragende bezahlt wurden. So zum Beispiel nach den Anschlägen vom 11. September 2001, der Ölkatastrophe auf einer Plattform von BP im Golf von Mexiko 2010 oder auch im Fall von General Motors. Dort hatten fehlerhafte Autokomponenten zu 124 Todesfällen und 275 Verletzten geführt. «Seine umfangreiche Erfahrung in solch komplizierten Fällen wird uns dabei helfen, mit der Entschädigung unserer Kunden voranzukommen», sagte der US-Chef von VW, Michael Horn.

Feinberg erklärte gemeinsam mit seiner Kollegin Camille Biros gegenüber Medienvertretern, es würde drei Monate in Anspruch nehmen, gemeinsam mit den Geschädigten, Behörden und Unternehmensvertretern herauszufinden, ob das Beschwerdemanagement von VW wirksam ist. «Es ist offensichtlich, dass Volkswagen es ernst meint», sagte Feinberg. Er ergänzte, dass die meisten Führungspersonen in Unternehmen gar nicht wüssten, wie ein Entschädigungsfonds funktioniert, da sie es gewohnt seien, solche Probleme vor Gericht zu lösen.

Es sei denkbar, dass geschädigte VW-Kunden Geld erhalten, ein neues Auto oder eine andere Form der Entschädigung. Im Gegenzug geben sie dafür ihr Recht auf, VW zu verklagen. So könnte Volkswagen die finanziellen Konsequenzen eindämmen, aber «es wird eine Herausforderung», so Feinberg. Da durch das Vergehen von VW keine Todesopfer zu beklagen sind, muss nun herausgefunden werden, inwiefern die höheren Abgase Menschen Schaden zugefügt haben. «Wir werden alles untersuchen, nichts wird aussen vor gelassen», meinte Biros.

Klagen wird es trotzdem geben, nicht jeder Kunde wird eine Entschädigung akzeptieren. Aktuell liegen bereits rund 500 Klagen vor einem Bundesrichter in Kalifornien. Zudem hat die Arbeit Feinbergs keinen Bezug zu den Vorwürfen der Regierung. So ermitteln die Umweltbehörde EPA und das Justizministerium.

Auch Tesla macht Druck
Druck gibt es für VW aber noch von ganz anderen Seiten. So hat der Chef des Elektroautounternehmens Tesla, Elon Musk, gemeinsam mit anderen Unternehmern und Umweltaktivisten einen offenen Brief an die kalifornische Behörde für Luftreinhaltung geschrieben, die an der Aufdeckung des Skandals beteiligt war. Musk fordert, dass VW umweltschonendere Autos baut, statt die bisherigen zu reparieren.

Es werde sonst eine gigantische Menge Geld verschwendet, um ein Problem zu beheben, das wohl gar nicht behoben werden kann. Die Behörde hat dem Anliegen nicht zugestimmt, es aber auch nicht ausdrücklich abgelehnt.

Wie lange Feinberg für VW arbeiten wird, konnte er noch nicht abschätzen. Im Falle der Opfer des 11. September waren es drei Jahre, bei GM 18 Monate. Nach seiner Aussage nehmen normalerweise 92 Prozent der Geschädigten eine Entschädigung an.