Abgas-Skandal
VW will vom Abgas-Skandal betroffene Autos ab Januar zurückrufen

Volkswagen wird nach Einschätzung des neuen Chefs Matthias Müller rund ein Jahr brauchen, um alle vom Abgas-Skandal betroffenen Autos weltweit in die Werkstätten zu rufen.

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Wegen der manipulierten Diesel-Motoren will VW die Autos ab Januar 2016 zurückrufen. (Themenbild)

Wegen der manipulierten Diesel-Motoren will VW die Autos ab Januar 2016 zurückrufen. (Themenbild)

KEYSTONE/EPA DPA/JULIAN STRATENSCHULTE

"Wenn alles läuft wie geplant, können wir im Januar den Rückruf starten", sagte Müller der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom Mittwoch.

Bis Ende 2016 "sollten dann alle Autos in Ordnung sein". Für "die meisten Motoren genügt ein Update der Software in der lokalen Werkstatt", sagte Müller. Manche Fahrzeuge bräuchten allerdings "neue Injektoren und Katalysatoren".

An der Manipulation sind nach Ansicht Müllers "nur wenige Mitarbeiter beteiligt" gewesen. Genau werde das Unternehmen dies aber erst wissen, wenn in einigen Wochen die Ergebnisse der internen und externen Untersuchungen vorliegen, sagte Müller der Zeitung weiter.

Der Grund für die Manipulationen sei, dass es "offenbar nicht gelungen" sei, mit dem Dieselmotor die strengen amerikanischen Abgaswerte einzuhalten, sagte Müller, der seit Ende September VW-Konzernchef ist.

Pötsch gewählt

Seit Mittwoch hat VW nicht nur einen neuen Konzernchef, sondern auch einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden respektive Verwaltungsratspräsidenten, wie der Posten bei einem Schweizer Unternehmen genannt würde. Erwartungsgemäss hat der Aufsichtsrat den bisherigen Finanzchef Hans Dieter Pötsch gewählt.

Er löst damit den seit Ende April übergangsweise amtierenden Berthold Huber ab. Der frühere IG-Metall-Chef hatte den Posten vom zurückgetretenen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch übernommen, der nach einem Machtkampf mit dem früheren Konzernchef Martin Winterkorn zurückgetreten war.

Die Wahl von Pötsch zum Aufsichtsratschef war nicht unumstritten. Kritiker bemängeln, dass Pötsch als langjähriger Finanzchef nicht die richtige Personalie für einen Neuanfang bei VW sei. Zudem sei nicht zweifelsfrei geklärt, ob Pötsch in der Affäre um die manipulierten Abgaswerte keine Mitverantwortung trage.

Untersuchung ausgeweitet

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) weitet derweil seine Untersuchungen aus: Neu würden auch andere Dieselmodelle aus dem In- und Ausland getestet, teilte das teilte das Verkehrsministerium in Berlin am Mittwoch mit. Die Ergebnisse würden "in den nächsten Tagen" veröffentlicht.

Schweizer, die mit Diesel unterwegs sind, müssen diese Ergebnisse nicht fürchten: Denn erste Zahlen zeigen, dass der Wert des Fahrzeugs nicht sinkt, wenn auskommt, dass es manipuliert ist. In Bezug auf Wertverluste der in der Schweiz betroffenen Fahrzeuge könne momentan Entwarnung gegeben werden, teilte der Datenverarbeiter Eurotax mit. Er hat die Angebotsniveaus vor und nach dem Auffliegen des Skandals verglichen.

Einer deutsche VW-Besitzerin dürfte das egal sein: Aus Umweltschutzgründen hat sie nach eigenen Angaben bewusst ein Fahrzeug der VW-"Blue Motion"-Reihe gekauft. Jetzt sehe sie sich in ihrer Erwartung, ökologisch unterwegs zu sein, enttäuscht, teilte ihr Anwalt mit. Die Kundin will ihr Auto zurückgeben. Sie hat VW auf Schadenersatz verklagt.