WACHSTUM: Autobauer orientieren sich um

Die Autoverkäufe sollen in diesem Jahr weltweit erneut zulegen. Doch der lahmende Absatz in Europa bringt die Hersteller zum Umdenken.

Nelly Keune
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Nur für den chinesischen Markt produziert: das luxuriöse Modell DS 5 LS Citroën. (Bild: PD)

Nur für den chinesischen Markt produziert: das luxuriöse Modell DS 5 LS Citroën. (Bild: PD)

Ausschliesslich chinesische Journalisten und Geschäftsfreunde waren im Dezember ins Pariser Museum Louvre geladen, als der französische Hersteller Citroën sein neues Auto vorstellte: das Modell DS 5 LS, eine 4,7 Meter lange Limousine, die im chinesischen Shen­zhen nur für den chinesischen Markt produziert wird. Das Auto kommt im März auf den Markt, folgen soll in den nächsten Monaten auch noch ein SUV-Modell – ebenfalls exklusiv für die Chinesen.

Die Prioritäten der europäischen Autobauer haben sich verschoben – mit gutem Grund. «Das Jahr 2014 wird eine neue Ära einleiten», sagt Ferdinand Dudenhöffer, deutscher Autoexperte und Leiter des CAR Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Erstmals wurden im Jahr 2013 in China (15,87 Millionen) mehr PKW-nahe Fahrzeuge verkauft als in den USA (15,7 Millionen). «China gibt nun die Gangart der Automobilindustrie vor – sowohl bei den PKW als auch bei den Nutzfahrzeugen. Trotzdem ist der amerikanische Markt noch immer attraktiv», sagt der Experte. So hat die Zahl der verkauften Neuwagen in den USA 2013 um 8,7 Prozent zugelegt. Im gleichen Zeitraum sind die Verkäufe in Europa zurückgegangen. Während der Weltmarkt im Jahr 2013 um 5,4 Prozent zugelegt hat, sind die Autoverkäufe in Westeuropa um 2,6 Prozent zurückgegangen.

Fiat schielt nach Amerika

Doch nicht nur Citroën passt sich der neuen Weltordnung geschickt an, auch Fiat will die Situation nutzen. Anfang des Jahres hat Fiat den US-Autobauer Chrysler komplett übernommen – für 3,7 Milliarden Dollar und damit deutlich weniger als erwartet. Gestern legte Fiat-Chef Sergio Marchionne an der Automesse in Detroit noch nach. Ihm persönlich sei es egal, wo die fusionierten Unternehmen Fiat und Chrysler künftig ihren Sitz hätten. Damit macht er klar, wie wichtig die USA als Absatzmarkt für sein Unternehmen sind. Besonders weil die Autoverkäufe in Italien 2013 erneut gesunken sind – diesmal um ganze 7,3 Prozent. Es sei natürlich sinnvoll, sich nach dem stärksten Absatzmarkt zu richten, so Marchionne. Er macht damit aber auch gleichzeitig Druck auf die italienischen Gewerkschaften und die Regierung, denen er versprechen musste, kein Werk in Italien zu schliessen.

Volvo macht wieder Gewinn

Auch der von Verlusten geplagte Autohersteller Volvo ist dank China zurück in der Gewinnzone. Volvo war 2009 vom chinesischen Unternehmen Geely übernommen worden. Seit November bauen die Schweden nun auch Autos in China und wollen von dort Wagen in die USA oder nach Europa verkaufen. Im Jahr 2014 dürfte China Volvos Absatzmarkt Nummer eins werden. 2013 hatten die Verkäufe dort schon um 45 Prozent zugelegt.

Das gute Geschäft in China wird sich laut Dudenhöffer auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Im Gegensatz zu den USA gibt es in China noch Potenzial. «Die PKW-Dichte beträgt in China 47 PKW pro 1000 Einwohner, während es in den USA 748 PKW pro 1000 Einwohner sind.» Da in China für 2014 mit einem Wirtschaftswachstum von über 7 Prozent gerechnet wird und auch keine staatlichen Regulierungen für den Autoverkehr geplant sind, seien die Wachstumsaussichten sehr gut, so Dudenhöffer. Der Auto­experte rechnet 2014 mit 17,6 Millionen Neuwagenverkäufen in China. Doch neben den Autos der europäischen Hersteller gewinnen auch die Eigenprodukte an Fahrt. «Neue Hersteller wie Qoros bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis», sagt Dudenhöffer. In den USA dürfte sich das Wachstum laut Dudenhöffer hingegen abschwächen: «Nach unserer Prognose wächst der US-Markt im Jahr 2014 um 2,7 Prozent auf 16,13 Millionen Verkäufe.»

Deutschland zieht an

In Europa bleibt der Markt gespalten zwischen Nord- und Südeuropa. «Zwar wurde der Abwärtstrend in Südeuropa gestoppt, allerdings muss mit einem langen Erholungsprozess gerechnet werden», so Dudenhöffer. Schwierig sieht nach wie vor die Lage in Italien und Spanien aus. Hoffnung für die Autobauer macht aber das vierte Verschrottungsprogramm der spanischen Regierung, das im Oktober gestartet wurde. Von Deutschland erhofft sich der Experte im laufenden Jahr viel. «Von der schwarz-schwarz-roten Bundesregierung werden Impulse für die Nachfrage erwartet, und der Fahrzeugbestand in Deutschland ist recht alt», erklärt Dudenhöffer.

Nobelmarken hoch im Kurs

Der Schweizer Automarkt ist trotz eines leichten Minus recht stabil. Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz 307 885 Autos und damit 20 254 weniger verkauft als im vergangenen Jahr (–6,2 Prozent). Allerdings hatte die Importeurvereinigung Auto-Schweiz für 2013 mit lediglich 295 000 verkauften Neufahrzeugen gerechnet.

Gute Aussichten für die Schweiz

Für das kommende Jahr erhoffte sich Auto-Schweiz ähnliche Verkaufszahlen. «Die Inlandkonjunktur erwies sich im vergangenen Jahr als stabil. Die Zukunftsaussichten und die positiven Nachrichten aus der Industrie begünstigten das Umfeld im Automobilverkauf», erklärt Andreas Burgener, Direktor von Auto-Schweiz. Mit der Anpassung der Listenpreise könne man den Kunden zudem attraktive Angebote machen, so Burgener. Mit 41 000 Fahrzeugen stand die Marke Volkswagen auch 2013 ganz oben in der Kundengunst. Allerdings setzte der deutsche Autobauer über 7 Prozent weniger Fahrzeuge in der Schweiz ab. Zulegen konnten hingegen gerade die Luxusmarken Jaguar, Porsche, Maserati. Gut verkauft haben sich auch Fahrzeuge der Marken BMW (+7,2 Prozent), Chevrolet (+6,7 Prozent), Mazda (+6,1 Prozent) oder Suzuki (+8,6 Prozent). Hohe Einbussen hinnehmen mussten die Marken Lexus, Lancia, Alfa Romeo, Ford, Nissan und Renault.

Auch die Anzahl der Fahrzeuge mit Vierradantrieb steigt weiter. In diesem Jahr wurden rund 111 000 Fahrzeuge der Klasse verkauft. Aber auch Autos mit alternativen Antrieben finden immer mehr Käufer. Ihr Verkauf ist um 10,9 Prozent auf rund 9300 gestiegen.