Während der Coronakrise wurde mehr alkoholfreies Bier getrunken – für einige Brauereien könnte es eng werden

Der Umsatz im Schweizer Biermarkt ist im Vergleich zur Vorjahresperiode in den ersten vier Monaten 2020 um 6 Prozent gesunken. Einige Braustätten könnten Mühe haben, den Sommer zu überstehen.

Frederic Härri
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Der Frühling ist normalerweise die Zeit im Jahr, in der die Brauereien das grosse Geschäft machen. Wenn Gartenwirtschaften langsam aus dem Winterschlaf erwachen und sich die Menschen in Biergärten tummeln, fliesst der Gerstensaft zuverlässig vom Fass. Dieses Jahr macht das Coronavirus den Bierproduzenten aber einen Strich durch die Rechnung. Zahlen des Schweizer Brauerei-Verbandes verdeutlichen erstmals, wie stark die Coronakrise den hiesigen Biermarkt getroffen hat.


So ist der Umsatz in den ersten vier Monaten gegenüber der Vorjahresperiode um knapp 6 Prozent gesunken. Besonders die Gastronomie, die im Schnitt einen Anteil von 40 Prozent am Gesamtumsatz ausmacht, hat gelitten: Über die Monate Januar bis April wurde in Restaurants, Beizen und Bars rund 37 Prozent weniger Bier getrunken als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Im April betrug der Absatzverlust im Gastrobereich gegenüber 2019 gar 81 Prozent.

Als Profiteure der Coronakrise erwiesen sich hingegen die Detaillisten und Onlinehändler. Zwischen Januar und April stieg der Umsatz dort um gut 10 Prozent. Speziell im März wurde in Supermärkten und Shops viel Bier verkauft: 26 Prozent mehr als noch im März 2019. Grosse Nachfrage herrschte auch bei der nichtalkoholischen Variante. Zwischen Januar und April konsumierten die Schweizerinnen und Schweizer rund 11 Prozent mehr alkoholfreies Bier als zur gleichen Zeit im Vorjahr.

Plus im Detailhandel kann Verluste
im Gastrobereich nicht ausmerzen

Nach Jahren des ungebremsten Wachstums steht der Schweizer Biermarkt vor einer schwierigen Phase. «Der Anstieg im Detailhandel wird die Verluste in der Gastronomie und im Eventbereich niemals wettmachen», sagt Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbandes. Insbesondere das bis September geltende Verbot von Grossveranstaltungen werde die Braubranche «sehr stark und nachhaltig» treffen.

Was das für die 1141 Schweizer Braustätten bedeutet, lässt sich jetzt noch schwer abschätzen. Klar ist: «Für Brauereien, die stark von der Gastronomie abhängig sind, dürfte der Sommer sehr schwer werden», meint Kreber.