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WÄHRUNG: Franken lässt Industrie aufatmen

Die Aufwertung des Euro ist gut für die Schweiz. Aber Mario Draghi wird sie nur zulassen, wenn sie den Konjunkturaufschwung im Euroraum nicht gefährdet.
Daniel Zulauf
Der Euro kostet für Schweizer wieder mehr: Wechselschalter am Zürcher Flughafen. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (16. Januar 2015))

Der Euro kostet für Schweizer wieder mehr: Wechselschalter am Zürcher Flughafen. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (16. Januar 2015))

Daniel Zulauf

Schweizer Exporteure, Hoteliers und nicht zuletzt Detailhändler in den Grenzregionen können aufatmen. Die im Mai zunächst nur zaghaft in Gang gekommene Aufwertung des Euro kommt zunehmend in Fahrt. Gestern hat die Gemeinschaftswährung die Marke von 1.20 Dollar überschritten und damit gezeigt, dass sie derzeit eine der begehrtesten Währungen ist. Auch der Franken profitiert davon: Gestern kostete ein Euro zeitweise mehr als 1.162 Franken. Die Differenz zum einstigen Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken, den die Nationalbank im Januar 2015 aufgegeben hatte, wird fast täglich kleiner.

Die Entwicklung an der Wechselkursfront ist ein Segen für die Schweizer Wirtschaft, und sie kommt keinen Moment zu früh. Zahlreiche Exportunternehmen haben zuletzt Stellenabbauprogramme bekanntgegeben. In Aarau verlagert Rockwell die Produktion von Niederspannungsschaltern ins Ausland und gibt 250 Arbeitsplätze verloren. Edwards Lifesciences in Horw schliesst die Herzklappenfabrik und streicht 250 Arbeitsplätze. In Egerkingen will Nestlé die Produktion der Sonnencreme Daylong ins Ausland verlagern: 190 Arbeitsplätze sind betroffen.

20000 Arbeitsplätze verloren

Dies sind nur drei unter vielen anderen Ereignissen, an denen sich die Folgen der Frankengeissel ablesen lassen. Die Industrie hat seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses gegen 20 000 Arbeitsplätze verloren.

Landauf, landab atmen die Blaukrägen in den Werkstätten und Produktionshallen auf. Jeder Rappen, den der Franken zum Euro verliert, macht den hiesigen Werkplatz international wettbewerbsfähiger, und der Wechselkurs bringt Gewinne, die für dringend benötigte Investitionen eingesetzt werden können. Auch im Detailhandel herrscht Erleichterung. Hunderttausende haben in den letzten Jahren gelernt, dass sich in Zeiten des harten Frankens mit Einkaufen jenseits der Grenze Geld sparen lässt. Rund 15 Milliarden Franken jährlich sind so dem Schweizer Handel verlorengegangen. Auch hier oftmals auf Kosten von Arbeitsplätzen.

Man fragt sich, ob die Aufwertung des Euro weitergehen kann. Daniel Trum, Devisenspezialist der UBS, hat Zweifel: «Zurzeit erleben wir ein Überschiessen des Euro-Franken-Kurses. Es gibt eine Kombination aus positiver Stimmung am Markt und einem Überangebot an Franken, das die Nationalbank durch ihre Devisenmarktinterventionen verursacht hat», sagt der Geldanalyst. «Auf längere Sicht dürfte die Euroaufwertung sich wieder abflachen, weil die Europäische Zentralbank keine allzu starke Aufwertung der eigenen Währung insbesondere zum Dollar zulassen möchte», glaubt er. Immerhin sieht er den Eurokurs auch in zwölf Monaten noch bei 1.16 Franken.

EZB-Chef Mario Draghi könnte der Schweiz in der Tat die Suppe versalzen, wenn er aus Angst vor einer zu starken Aufwertung des Euro das erwartete Bremsmanöver bei seinem riesigen Anleihenkaufprogramm auf die lange Bank schieben sollte. Noch geht Credit-Suisse-Chefökonom Oliver Adler davon aus, dass das Bremsmanöver im Januar beginnt und Mitte Jahr abgeschlossen wird. Auf diesen Termin sieht UBS-Analyst Daniel Trum bereits eine erste Zinserhöhung durch die Nationalbank, vor­ausgesetzt, die EZB macht Ernst mit dem Ausstiegsszenario.

Die Devisen- und Finanzmärkte scheinen genau damit zu rechnen. Aber die Erfahrung lehrt, dass sich das Bild und die Erwartungen sehr schnell wieder ändern können. Sollte der starke Euro die Preisentwicklung im Euroraum deutlich dämpfen, könnte sich Draghi zu einem langsamen Ausstieg genötigt sehen. Der Chef der Europäischen Zentralbank hat eine starke Fixierung auf die Inflation, die er nahe an die Marke von 2 Prozent heranführen will. Eben erst hatte die EZB ihre Inflationsprognose wegen der Eurostärke nach unten korrigiert, mit 1,5 Prozent im laufenden und 1,2 Prozent im kommenden Jahr ist sie genügend schwach, dass Draghi eine weitere Verzögerung des Bremsmanövers begründen könnte. Die Talfahrt des Frankens könnte deshalb bald wieder zu Ende gehen.

Der Euro-Franken-Kurs. (Bild: Janina Noser/Onvista)

Der Euro-Franken-Kurs. (Bild: Janina Noser/Onvista)

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