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WÄHRUNGSKRISE: Argentinien in argen Nöten

Argentinien muss den Internationalen Währungsfonds um dringende finanzielle Hilfe bitten. Das weckt bei der Bevölkerung ungute Erinnerungen.
Martina Farmbauer
Es sind keine erfreulichen Zahlen, die die Argentinier in diesen Tagen zu sehen bekommen. (Bild: Pedro Lazano Fernandez/AP (Buenos Aires, 4. Mai 2018))

Es sind keine erfreulichen Zahlen, die die Argentinier in diesen Tagen zu sehen bekommen. (Bild: Pedro Lazano Fernandez/AP (Buenos Aires, 4. Mai 2018))

Martina Farmbauer

«Die Versuche der Regierung, den Peso zu retten, sind gescheitert»; «Argentinien schafft es nicht, den Dollar zu bändigen». Man konnte es wie die «Financial Times» aus der angelsächsischen oder wie «El País» aus der hispanischen Perspektive sehen – Tatsache ist, dass das südamerikanische Land den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Unterstützung angerufen hat.

Noch am vergangenen Montag hatte es von Expertinnen und Experten geheissen: «Keine Panik!» Am Dienstag verkündete dann der argentinische Präsident Mauricio Macri in einer Videobotschaft, dass er Christine Lagarde, die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, um finanzielle Hilfe gebeten habe.

Landeswährung verlor letzte Woche 8 Prozent

Macri hat gesagt, dass dies der einzig mögliche Weg sei, um eine Wirtschaftskrise zu verhindern. Und das in dem Jahr, in dem Argentinien den G20-Vorsitz innehat. Der argentinische Peso steht unter starkem Druck und hat in der vergangenen Woche 8 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren.

Steigende Zinsen in den Vereinigten Staaten hatten zuletzt dazu geführt, dass Anleger ihr Geld aus den Schwellenländern abzogen und in den USA investierten. Argentinien ist von dem Kapitalabzug besonders stark betroffen. «Wir gehören zu den Ländern, die internationale Finanzierung am meisten benötigen», sagte Macri.

Das Hilfegesuch an den IWF sehen Beobachter dennoch als eine Geschichte des Scheiterns. Macri, der einem Land vorsteht, das den IWF über Jahre hinweg beschuldigt hat, hinter abenteuerlichen Anpassungen und grossen Wirtschaftskrisen zu stehen, zahle einen hohen politischen Preis. Argentinien hatte sich im Jahr 2006 vom Internationalen Währungsfonds gelöst, als der damalige peronistische Präsident Nestor Kirchner die Schuld beim IWF beglich. Es war eine wirtschaftliche Entscheidung, vor allem aber eine politische. Für viele Argentinierinnen und Argentinier war und ist der IWF Synonym für wirtschaftliche Anpassung; seine Rolle beim Zusammenbruch von 2001, als der Internationale Währungsfonds die Finanzierung der Regierung von Fernando de la Rúa aussetzte, wurde auch ausserhalb des südamerikanischen Landes stark kritisiert.

Mutlosigkeit macht sich in Argentinien breit

Dass der konservative Mauricio Macri nun zum Internationalen Währungsfonds zurückkehrt, hat ihm nicht nur die vereinte Kritik von Peronisten, Sozialisten und anderen Mitgliedern der sonst gespaltenen Opposition eingebracht. Sondern bei der Bevölkerung auch Erinnerungen an die grosse Krise 2001, als den Argentinierinnen und Argentiniern sogar der Zugang zu ihren Spareinlagen eingeschränkt wurde, wach werden lassen. Alte Geister tauchen auf, in den Strassen von Buenos Aires macht sich Mutlosigkeit breit. «Wenn der Dollar steigt, wird alles teurer», wiederholen die Argentinierinnen und Argentinier einen der Sätze, der den zyklischen Explosionen ihrer Wirtschaft vorangeht. «In Argentinien gibt es drei verbotene Worte: Inflation, Dollar und Arbeitslosigkeit. Jeder Argentinier gerät dabei in Panik», sagt der argentinische Politikwissenschaftler Juan Germano.

Von den drei Tabus waren in der zurückliegenden Woche zwei in allen Zeitungen auf den Titelseiten. Kurzfristig steht die Regierung deshalb vor der Herausforderung, die Hysterie zu kontrollieren und andere, weniger konfliktive Themen als den Dollar auf die Tagesordnung (und die Titelseiten) zu bringen. «Diese Themen lösen automatisch Paranoia aus, auch wenn der Kontext der einer kleinen Krise ist. Aber wenn sich das lange hinauszögert, entsteht ein sehr viel ernsteres Problem.»

Die Investoren glauben nicht mehr an Argentinien trotz der internationalen Unterstützung, die Maurico Macri bekommen hat, seit er im Jahr 2015 an die Macht gekommen ist. Christine Lagarde etwa hatte Argentinien im vergangenen März im Rahmen des Finanzministertreffens der G20 als erste hohe Vertreterin des Internationalen Währungsfonds seit elf Jahren besucht. Sie brachte die Nachricht mit, dass der IWF sich geändert habe und auf die sozialen Konsequenzen seiner makroökonomischen Empfehlungen achte. Und Lagarde lobte Präsident Macris auf allmähliche Änderung gerichtetes Handeln.

Sturm liess sich nicht mehr abwenden

Man sprach zwar nicht über finanzielle Unterstützung, aber die gute Chemie war offensichtlich. «Das ist ein ganz anderer IWF als vor 20 Jahren. Er hat seine Lektionen aus der Vergangenheit gelernt und das Programm Argentiniens unterstützt», sagte Finanzminister Nicolás Dujovne. Es war ein Versuch, den auch politischen Sturm, der mit der wirtschaftlichen Krise dabei ist aufzuziehen, einzudämmen.

Dujovne ist am vergangenen Dienstagabend mit einem Teil seines Wirtschaftsteams zu Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds nach Washington gereist.

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